LECTURE & FILM: JEAN-LUC GODARD

Film denken nach der Geschichte des Kinos

ausser atem

Mehr als jeder andere Regisseur ist Jean-Luc Godard Philosoph, genauer: ein Geschichtsphilosoph des Kinos. Mit seinen frühen Werken beginnt eine Film-Epoche, in der Regisseure über die Geschichte ihrer Kunst reflektieren und sie mit ihren Werken bewusst fortschreiben. Mehr als jeder andere hat Godard überdies die Geschichte des Kinos im Medium des Films selbst geschrieben, etwa in seinem großen Filmessay HISTOIRE(S) DU CINÉMA (1988-1998). Immer wieder hat Godard die Frage gestellt, was nach dem Kino kommt. Die Lecture-Reihe nimmt das Werk Godards zum Anstoß und Ausgangspunkt für eine vielstimmige Reflexion über die Geschichte und die Zukunft des Kinos. Von Oktober 2012 bis Juli 2013 kommen Regisseure, Filmwissenschaftler, Kunsthistoriker, Philosophen und Schriftsteller zu Wort, die jeweils einen Faden aus einem Film Godards aufgreifen und weiterentwickeln.

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Vorgesehen sind Beiträge von Tanja Michalsky (Berlin), Philipp Ursprung (Zürich), Lorenz Engell (Weimar), Harun Farocki (Berlin), Nicole Brenez (Paris), Jacques Rancière (Paris), Volker Pantenburg (Weimar), Martin Seel (Frankfurt), Raymond Bellour (Paris), Michael Witt (London), Adrian Martin (Melbourne), Rembert Hüser (Minneapolis) und Georges Didi-Huberman (Paris). Die Veranstaltungen finden jeweils an Donnerstagen um 20 Uhr statt. Auf den Vortrag folgt die Vorführung eines Films und eine Publikumsdiskussion. Ergänzt wird die Reihe durch weitere Filme Godards und Werke, über die der Regisseur und Autor Kritiken in den Cahiers du Cinéma verfasst hat. Eine Veranstaltungsreihe in Kooperation mit der Goethe-
Universität Frankfurt (Lehrstuhl für neuere und neueste Kunstgeschichte, Prof. Regine Prange & Lehrstuhl für Filmwissenschaft, Prof. Vinzenz Hediger).

PORTRÄT DES KÜNSTLERS ALS PHILOSOPH: ZU JEAN-LUC GODARDS NOUVELLE VAGUE (1990) UND JLG/JLG – SELBSTPORTRÄT IM DEZEMBER (1994) Lecture von Prof. Vinzenz Hediger

Auf einer Pressekonferenz beim Festival von Venedig zu Beginn der 1990er Jahre fragte ein Journalist Jean-Luc Godard, warum er in seinen Filmen keine Geschichten erzähle. Godard antwortete: „Wenn ich als Kind log, sagte meine Mutter immer ‚Erzähl mir bloß keine Geschichten!’“ („Il ne faut pas raconter des histoires!“). Als Godard groß geworden war und Filme drehte, hielt er sich weiterhin treulich an das Gesetz der Mutter und erzählte keine Geschichten. Was aber macht Godard dann, um der Wahrheit treu zu bleiben und trotzdem Filme machen zu können? Und wie steht es um den Wahrheitsgehalt seiner eigenen „Histoire(s) du cinéma“? Diesen Fragen spürt Prof. Vinzenz Hediger in seinem Vortrag nach – ausgehend von Godards filmischem Selbstporträt JLG/JLG von 1994 und dem programmatisch betitelten NOUVELLE VAGUE von 1990. Vinzenz Hediger ist Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt.

 

NOUVELLE VAGUE

Frankreich/Schweiz 1990. R: Jean-Luc Godard.
D: Alain Delon, Domiziana Giordano, Roland Amstutz. 89 Min. 35mm. OmU

nouvelle vague

Eine reiche Industrielle (Domiziana Giordano) trifft den mittellosen Lennox (Alain Delon) und macht ihn zu ihrem Geliebten. Bei einer Bootsfahrt lässt sie ihn ertrinken. Daraufhin taucht Lennox’ Bruder (Alain Delon) auf und die Geschichte wiederholt sich – nur dass es dieses Mal die Industrielle ist, die zu ertrinken droht. Die Handlung spielt in NOUVELLE VAGUE aber eine Nebenrolle. Im Vordergrund steht die Montage: Bild-, Ton- und Musikcollagen, Zitate aus der Literatur, Zitate aus anderen Filmen.

Donnerstag, 18.10. 2012

Vortrag: 20:00 Uhr
Film
: ca. 21:00 Uhr

VIVRE SA VIE: FILM EN DOUZE TABLEAUX Die Geschichte der Nana S.

Frankreich 1962. R: Jean-Luc Godard.
D: Anna Karina, Sady Rebbot, Monique Messine. 80 Min. 35mm. OmU

Paris 1960: Anna, eine junge Frau aus der Provinz, ist unglücklich. Sie verlässt ihren Ehemann Paul und das gemeinsame Kind. Da ihr Gehalt als Schallplattenverkäuferin nicht mehr ausreicht, um die Miete zu bezahlen, bessert sie es durch gelegentliche Prostitution auf. Sie geht ins Kino und sieht Dreyers Stummfilm LA PASSION DE JEANNE D’ARC. Sie tanzt im Café und unterhält sich mit einem Philosophen. Schließlich wird Anna professionelle Prostituierte. Das Lexikon des Internationalen Films bescheinigt: „Indem Godard sozusagen Brechts Theorie des epischen Theaters auf den Film anwendet, vollzieht er den bis dahin (1962!) radikalsten Bruch mit dem klassischen Erzählkino.“

Samstag, 06.10.2012
20 Uhr

Mittwoch, 10.10.2012
18 Uhr

À BOUT DE SOUFFLE Außer Atem

Frankreich 1960. R: Jean-Luc Godard.
D: Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Daniel Boulanger. 90 Min. 35mm. OmU

Jean-Paul Belmondo spielt den Ganoven Laszlo Kovacs alias Michel Poiccard. Gauloises rauchend verführt er die schöne Amerikanerin Patricia – es entsteht eine junge Liebe im hektischen Pariser Alltag. Patricia verdingt sich als Journalistin, er ist ein gesuchter Polizistenmörder. Die gemeinsame Flucht scheitert. Die Zeit lobte À BOUT DE SOUFFLE seinerzeit überschwänglich: „Unsterblich werden und dann sterben, das dauert neunzig Minuten, und am Ende ist Belmondo ein Star, Godard ein Genie und der Film ein Klassiker.“

Samstag, 13.10.2012
18:00 Uhr

Mitwoch, 17.10.2012
18:00 Uhr

LE MÉPRIS Die Verachtung

Frankreich/Italien 1963. R: Jean-Luc Godard.
D: Brigitte Bardot, Jack Palance, Michel Piccoli. 95 Min. 35mm. OmU

LE MÉPRIS ist ein Film über den Zauber des Kinos. Der Krimiautor Paul Javal (Michel Piccoli) soll das Drehbuch zum stockenden „Odyssee“-Projekt von Fritz Lang (der sich selbst spielt) überarbeiten. Im römischen Filmstudio- Komplex Cinecittà feilt er mit dem Produzenten an den dramaturgischen Schwächen, bis Javals bildschöne Ehefrau Camille (Brigitte Bardot) am Filmset erscheint. Mit den Avancen des Produzenten kann sie nur schwer umgehen, will den Gönner ihres Mannes aber nicht vor den Kopf stoßen. Es entwickelt sich ein zerstörerisches Spiel aus Liebe und Eifersucht.

Samstag, 20.10.2012
18:00 Uhr

Mittwoch, 24.10.2012
18:00 Uhr

PIERROT LE FOU Elf Uhr nachts

Frankreich/Italien 1965. R: Jean-Luc Godard.
D: Jean-Paul Belmondo, Anna Karina. 110 Min. 35mm. DF

Ferdinand, genannt Pierrot (Jean-Paul Belmondo), ist vom Leben gelangweilt. Nachdem er seinen Job bei einem Fernsehsender verloren hat, wird er von seiner Frau auf eine Party voller Snobs, Heuchler und Langweiler geschleppt. Pierrot verlässt die Party früh und kehrt nach Hause zurück, wo er auf seine Ex-Geliebte Marianne (Anna Karina) trifft, die als Babysitterin eingestellt wurde. Die beiden beschließen, ihrem gesellschaftlichen Gefängnis zu entfliehen. Mit Gaunereien halten sie sich auf ihrer Flucht in den Süden über Wasser. Ihr Trip wird zu einer Reise in die Selbsterkenntnis – doch was sie dort sehen, gefällt ihnen nicht.

Samstag, 27.10.2012
18:00 Uhr

 

 

 

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