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LECTURE & FILM: ERNST LUBITSCH – November 2016

Schnell wie der Witz. Die Filme von Ernst Lubitsch

pointe

Die Filme von Ernst Lubitsch reißen das Publikum im Nu in ihren Bann. Das fängt schon mit den ungewöhnlichen Titeln an: DER BLUSENKÖNIG (DE 1917), KÄSEKÖNIG HOLLÄNDER (DE 1917) oder DER G.M.B.H.-TENOR (DE 1916) – und das sind nur drei seiner mehr als 70 Werke, alle drei Filme sind aktuell verschollen. Lubitsch arbeitete schnell. 1915 in Berlin drehte er elf Filme, 1932 in Hollywood fünf, darunter TROUBLE IN PARADISE. Als Asta Nielsen sich beklagt, sie habe in seinem Film gar nicht richtig weinen können, schreibt Lubitsch ihr 1920 in einem Brief: „Sie können es mir immer noch nicht verzeihen, daß ich Sie bei einer Großaufnahme statt 5 nur 2 Meter haben weinen lassen. Aber glauben Sie mir, Ihre Tränen kullerten so echt aus den Augen über die Backen auf die Bluse, daß das Publikum nach 2 Metern vollauf ergriffen war.“

Lubitsch ist gewitzt, und das meint nicht einfach nur, dass es etwas zu lachen gibt. Gewitzt ist jemand, der wach ist, der scharf beobachten kann, jemand, der Einfälle hat und einen präzisen Humor. In der Militärzuckerbäckergarnison der BERGKATZE (DE 1920) isst der Trompeter im ovalen Rähmchen gerade eine Wurst, als er zum Morgenappell bläst. In vier Hochbetten nebeneinander räkeln sich Soldaten im Nachthemd. Einer klettert müde aus dem Bett, schlurft zum Fenster, macht es zu. Der Zuckerbäckerkommandant kommt in den Schlafsaal, zwirbelt an seinem Schnurrbart und brüllt irgendetwas, das keiner versteht. Das Tempo zieht an, die Soldaten beeilen sich mit der Katzenwäsche. Der Kommandant geht wieder – die Soldaten springen zurück ins Bett.

Bis Juli 2017 widmet sich die Reihe Lecture & Film mit Vorträgen von Expert/innen und einem thematischen Begleitprogramm Ernst Lubitsch und seinen Filmen. Am Donnerstag, 17. November, spricht Anke Wilkening (Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung) zum Auftakt über DIE BERGKATZE.

„[A]ußerdem waren ihm in seinen filmen die t üren immer wichtiger als die Menschen“ Aus dem Essay Was Lubitsch berührt. (Schnell wie der Witz) von Frieda Grafe (1990)

Alle Veranstaltungs- Mitschnitte sind zu finden unter filmportal.de und ernst-lubitsch.de


Lecture von Anke Wilkening:
„Probleme der Überlieferung. Zur Restaurierung von Ernst Lubitschs DIE BERGKATZE“
fwms_anke-wilkening_restauratorin_murnau-stiftung_2400pxErnst Lubitschs DIE BERGKATZE (DE 1921) zählt zu den Klassikern des Weimarer Kinos. Der Film ist vollständig und in gutem Zustand verfügbar, das Kameranegativ des Films ist erhalten. Paradoxerweise ist er dennoch ein verlorener Film, denn alle Originalkopien des Films sind verschollen, sodass jegliche Auskunft über seine ästhetische Konzeption und die zeittypische Einfärbung (Virage und Tonung) fehlt. DIE BERGKATZE ist ein typischer Fall für Probleme der Überlieferung, die jenseits von Digitalisierungsstrategien und Restaurierungsmöglichkeiten liegen.

Anke Wilkening ist seit 2002 Mitarbeiterin der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden. Sie ist als Filmrestauratorin tätig, unter anderem arbeitete sie an METROPOLIS (DE 1927, R: Fritz Lang) und DAS CABINET DES DR. CALIGARI (DE 1920, R: Robert Wiene) und publizierte zahlreiche Texte zum deutschen Film der 1920er Jahre.

Donnerstag, 17.11.2016
Lecture:
20:15 Uhr

Filmbeginn:
ca. 21:15 Uhr


DIE BERGKATZE

Deutschland 1921. R: Ernst Lubitsch
D: Pola Negri, Victor Jansen, Wilhelm Diegelmann. 85 Min. DCP. Stumm, dt. Zwischentitel

"Die Bergkatze" D 1921 Pola Negri, Victor Janson (mi)

Mit DIE BERGKATZE wagte sich Ernst Lubitsch drei Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs an das Genre der Militärkomödie: Ganz in der Nähe Piffkaneiros steht ein großes Fort, das bislang jedem Angriff standgehalten hat. Doch als Frauenheld Leutnant Alexis dorthin strafversetzt wird, hat das ruhige Dasein ein Ende. Der Kommandant hat Angst um seine hübsche Tochter Lilli – Alexis wird aber zunächst von der Räuberstochter Rischka überfallen und in Unterwäsche zurückgelassen. Es beginnt ein Kampf gegen die Räuber. Dabei verliebt sich Rischka in den Leutnant, sehr zum Unwillen des Räuberhauptmanns.

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