LECTURE & FILM: AGNÈS VARDA

plages d agnes

„Es ist, als würde ich dein Selbst-Porträt filmen“, sagt Agnès Varda zu Jane Birkin in JANE B. PAR AGNÈS V. aus dem Jahr 1988. Varda, geboren 1928 in Brüssel, Spielfilmregisseurin, Dokumentaristin, Installationskünstlerin und Filmtheoretikerin, ist eine der großen Künstlerpersönlichkeiten der Filmgeschichte. Ihr Werk umspannt mittlerweile sechs Jahrzehnte. Varda bildete – zusammen mit Godard, und im Dialog und Widerstreit mit diesem – das intellektuelle Gravitationszentrum der Nouvelle Vague. Die entscheidende Frage ist für sie nicht, was Kino ist, sondern was es bedeutet, Kino zu machen – für sie selbst, für andere, und im Zusammenspiel mit anderen. Vardas Kino ist entsprechend offen und erfinderisch, oft autobiografisch und zugleich universell, vielgestaltig und stets changierend zwischen Formen, Formaten und Gattungen.

In der Reihe Lecture & Film entwerfen namhafte internationale Experten bis Juli 2016 eine Kartographie des vielschichtigen Werks von Varda. Die Vorträge werden ergänzt durch eine begleitende Filmreihe: Diese präsentiert Werke, die in Verbindung mit der Arbeit Vardas stehen. Im Januar sind dies Filme ihres langjährigen Ehemannes Jacques Demy. Dazu ist mit REDUPERS ein Film von Helke Sander zu sehen – als erster Ausblick auf die feministischen Filme in der Bundesrepublik jener Zeit, die im Februar in dieser Reihe gezeigt werden.

Weitere Informationen: agnes-varda.de

Lecture von Angela Keppler:
Agnès Vardas L’UNE CHANTE, L’AUTRE PAS:
Eine Art feministisches Musical?

Agnès Vardas Spielfilm L’UNE CHANTE, L’AUTRE PAS (Die eine singt, die andere nicht) aus dem Jahr 1977 erzählt von der Selbstbehauptung zweier junger Frauen in der Zeit von 1962 bis 1976. Entlang des sich mehrfach überkreuzenden Lebenswegs seiner beiden Hauptfiguren lässt der Film den feministischen Aufbruch und die politischen Kämpfe in dieser Zeit Revue passieren: in Form eines ebenso schrägen wie ernst gemeinten Musicals, das sich an keine der etablierten Formen dieser Gattung hält. Hier geht es weder darum, am Ende den richtigen Mann zu finden, noch wird eine filmische Gegenwelt entworfen, in der die Ordnung der Dinge auf den Kopf gestellt ist. Vardas Film nimmt die Geschlechterverhältnisse wie sie sind und führt mit nonchalanter Geste vor, dass es auch anders sein kann.

KURZFRISTIGE ÄNDERUNG!
Angela Keppler kann die Lecture krankheitsbedingt leider nicht halten. Prof. Matin Seel (Goethe-Universität Frankfurt) wird spontan einspringen und eine Einführung in den Film halten.

L’UNE CHANTE, L’AUTRE PAS Die eine singt, die andere nicht

Frankreich/Belgien/Venezuela 1977. R: Agnès Varda
D: Thérèse Liotard, Valérie Mairesse, Robert Dadiès. 120 Min. DCP. OmeU

eine singt, die andere nicht, Die 02

Die beiden jungen Frauen Pauline und Suzanne könnten unterschiedlicher kaum sein: Die eine ist 17 und träumt davon, Sängerin zu werden, auch um ihrem spießigen Elternhaus zu entfliehen. Die andere ist Mutter zweier Kinder und gerade mal 22 Jahre alt, als sich ihr Mann erhängt. Verzweifelt versucht sie nun, die Kinder alleine durchzubringen, und flüchtet aufs Land zu ihren Eltern. Zehn Jahre später treffen Pauline und Suzanne bei einer Demonstration zufällig wieder aufeinander. Nach Enttäuschungen mit Eltern und Männern versuchen beide, ihren persönlichen Lebensweg zu finden. Simone de Beauvoirs Satz, „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“, wird am Ende des Vorspanns zitiert und verweist so auf den Grundton von Vardas feministisch geprägtem Werk.

Donnerstag, 14.01.2016
20:15 Uhr

Filmbeginn:
ca. 21:15 Uhr

Eintritt frei am 14.01.
Eine Reservierung wird empfohlen.

Samstag, 16.01.2016
18:00 Uhr (nur Film)

Lecture von Dominique Bluher (in deutscher Sprache):
PhotoCinéExpo

Auch wenn Agnès Varda als Fotografin begann, bald darauf Filmemacherin wurde und nun als bildende Künstlerin arbeitet, durchziehen die drei unterschiedlichen künstlerischen Medien ihr Werk von Anfang an. Der Vortrag erläutert anhand von exemplarischen Filmen wie SALUT LES CUBAINS (1963) und ULYSSE (1982), sowie einigen Videoinstallationen wie La terrasse Le Corbusier (1956), Les gens de la terrasse (2007) und Marie dans le vent (2014) Vardas Vorgehensweise.

bluherDominique Bluher ist Lecturer und Director of M.A. Studies im Department of Cinema and Media Studies der University of Chicago. Sie ist die Kuratorin von zwei Ausstellungen mit Agnès Vardas künstlerischen Arbeiten, der Videoinstallation Les Veuves de Noirmoutier in der Sert Gallery der Harvard University (März/April 2009) und Agnès Varda. Photographs Get Moving (potatoes and shells, too) in der Logan Center Gallery der University of Chicago (September bis November 2015).

Kurzfilmprogramm „Fotografie“ von Agnès Varda

SALUT LES CUBAINS
Frankreich/Kuba 1963. R: Agnès Varda
Dokumentarfilm. 30 Min. DCP. OmeU
„Ich finde, das Porträt, das ich von Castro gezeichnet habe, ist eine gute Allegorie: ein Soldat mit sanften Augen, unbewaffnet, aber mit Flügeln aus Stein.“ (Agnès Varda)

ULYSSE
Frankreich 1982. R: Agnès Varda
Dokumentarfilm. 22 Min. DCP. OmeU
„Jedes Foto ist für mich wie ein Film, der innehält. Es zu bereden, zu kommentieren, zu erzählen, was vor, nach und rund um das Foto geschah, bedeutet, ihm die Bewegung des Films einzuverleiben.“ (Agnès Varda) ULYSSE gewann 1984 den César als Bester Kurzfilm.

UNE MINUTE POUR UNE IMAGE
Frankreich 1982. R: Agnès Varda
Dokumentarfilm. 2 Min. Digital. OmeU

LA TERRASSE LE CORBUSIER
Frankreich 1956
Fotografie von Agnès Varda

LES GENS DE LA TERRASSE
Frankreich 2007. R: Agnès Varda
Dokumentarfilm. 3 Min. Digital. OmeU

MARIE DANS LE VENT
Frankreich 2014. Fotografisches Triptychon von Agnès Varda

Donnerstag, 28.01.2016
20:15 Uhr

Filmbeginn:
ca. 21:15 Uhr

Eintritt frei
Eine Reservierung wird empfohlen.

LOLA Lola, das Mädchen aus dem Hafen

Frankreich/Italien 1961. R: Jacques Demy
D: Anouk Aimée, Marc Michel, Jacques Harden. 90 Min. DCP. OmeU

LOLA

Die Nachtclubsängerin Lola ist der Star einer Hafenbar in Nantes. Seit sieben Jahren wartet sie auf ihre große Liebe Michel, den Vater ihres Sohnes. Doch auch ihr Jugendfreund Roland träumt von einer gemeinsamen Zukunft. Regisseur Jacques Demy war der Ehemann von Agnès Varda, die das Werk nach seinem Tod restaurierte. Unter dem Einfluss seines Mentors Jean-Luc Godard ging Demy formal ungewöhnliche Wege: Aus Geldnot drehte er ohne Ton und verzichtete auf Ausstattung und Kostüm. Durch seine fließenden Kamerabewegungen (inszeniert von Raoul Coutard) ging LOLA als „Musical ohne Musik“ in die Filmgeschichte ein.

Samstag, 02.01.2016
20:30 Uhr

Mittwoch, 06.01.2016
18:00 Uhr

LES PARAPLUIES DE CHERBOURG Die Regenschirme von Cherbourg

Frankreich/BRD 1964. R: Jacques Demy
D: Catherine Deneuve, Nino Castelnuovo. 91 Min. DCP. OmeU

regenschirme_cherbourg

LES PARAPLUIES DE CHERBOURG gilt als Musical- Klassiker von Jacques Demy und wurde 1964 mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet. Die schöne und lebensfrohe Geneviève ist unsterblich in den Automechaniker Guy verliebt. Zum Unmut ihrer Mutter, die ein Regenschirm-Geschäft in Cherbourg betreibt, wollen die beiden heiraten. Doch dann wird Guy eingezogen und muss für zwei Jahre in den Militärdienst nach Algerien. Vor dem Abschied verbringen die beiden ihre erste und einzige Liebesnacht miteinander. Als Geneviève bemerkt, dass sie schwanger ist, und kein Lebenszeichen von Guy aus Algerien zu ihr dringt, willigt sie in die Ehe mit dem reichen Juwelenhändler Roland ein.

Samstag, 09.01.2016
18:00 Uhr

Mittwoch, 13.01.2016
18:00 Uhr

L’ÉVÈNEMENT LE PLUS IMPORTANT DEPUIS QUE L’HOMME
A MARCHÉ SUR LA LUNE  Die Umstandshose

Frankreich/Italien 1973. R: Jacques Demy
D: Marcello Mastroianni, Catherine Deneuve, Mireille Mathieu. 87 Min. DCP. OmeU

Umstandshose, Die

Der Fahrlehrer Marco und die Friseurin Irène führen ein ganz normales Leben in Paris – bis bei Marco unerklärliche Schmerzen auftreten. Die Diagnose der Ärzte verändert alles: Marco ist im vierten Monat schwanger! Möglich sei dies als Folge von Umweltbelastungen und aufgrund der modernen Ernährung, die seinen Hormonhaushalt verändert hätten. Auf einem Medizinerkongress soll Marco der Fachwelt präsentiert werden. Während Irène die Situation mit Humor nimmt, blickt der werdende Vater einem Alptraum entgegen. Catherine Deneuve und Marcello Mastroianni waren während des Drehs auch im realen Leben liiert.

Mittwoch, 20.01.2016
18:00 Uhr

Samstag, 30.01.2016
18:00 Uhr

DIE ALLSEITIG REDUZIERTE PERSÖNLICHKEIT – REDUPERS

Deutschland 1977. R: Helke Sander
D: Helke Sander, Joachim Baumann, Andreas Malkowsky. 98 Min. 35mm

REDUPERS

Die freie Pressefotografin Edda lebt mit ihrer Tochter in Westberlin. Mit viel Mühe kratzt sie aus den bescheidenen Honoraren ihrer Auftraggeber den Lebensunterhalt zusammen, muss nebenbei die Arbeiten des Alltags erledigen und sich um die Bedürfnisse ihrer Tochter kümmern. Dabei versucht Edda, sich ein Privatleben zu bewahren und ein Stück Selbsterfüllung in ihrer Arbeit zu finden. Als sie mit einer Gruppe von Frauen für ein Projekt engagiert wird, bei dem Berlin abgebildet werden soll, liefern die Fotografinnen ihren ganz eigenen Blick auf die Stadt und versuchen, ihren Auftraggebern diese ungewöhnliche Perspektive schmackhaft zu machen.

Samstag, 23.01.2016
18:00 Uhr

Mittwoch, 27.01.2016
18:00 Uhr

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