LECTURE & FILM: AGNÈS VARDA

plages d agnes

„Es ist, als würde ich dein Selbst-Porträt filmen“, sagt Agnès Varda zu Jane Birkin in JANE B. PAR AGNÈS V. aus dem Jahr 1988. Varda, geboren 1928 in Brüssel, Spielfilmregisseurin, Dokumentaristin, Installationskünstlerin und Filmtheoretikerin, ist eine der großen Künstlerpersönlichkeiten der Filmgeschichte. Ihr Werk umspannt mittlerweile sechs Jahrzehnte. Varda bildete – zusammen mit Godard, und im Dialog und Widerstreit mit diesem – das intellektuelle Gravitationszentrum der Nouvelle Vague. Der Satz, den sie zu Birkin sagt, lässt sich als Poetik und Programm verstehen. Die entscheidende Frage ist für sie nicht, was Kino ist, sondern was es bedeutet, Kino zu machen – für sie selbst, für andere und im Zusammenspiel mit anderen. Vardas Kino ist entsprechend offen und erfinderisch, oft autobiografisch und zugleich universell, vielgestaltig und stets changierend zwischen Formen, Formaten und Gattungen.

In der Reihe Lecture & Film entwerfen namhafte internationale Experten bis Juli 2016 eine Kartographie des vielschichtigen Werks von Varda. Die Vorträge werden ergänzt durch eine begleitende Filmreihe, die Werke präsentiert, die in Verbindung mit der Arbeit Vardas stehen. Im Februar sind dies feministische Klassiker aus der Bundesrepublik der 1970er- und 1980er-Jahre. Gezeigt werden preisgekrönte Filme der Regisseurinnen Ula Stöckl, Elfi Mikesch und Jutta Brückner.

Weitere Informationen: agnes-varda.de

Agnès Varda zu Gast im Deutschen Filmmuseum
Donnerstag, 11. Februar, 20:15 Uhr.

Die Veranstaltung im Kino ist bereits ausgebucht, das Gespräch mit Agnès Varda wird ins Foyer des Deutschen Filmmuseums übertragen.

 

Der Vortrag von Alexandra Schneider entfällt.

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Lecture von Alexandra Schneider:
„Hommage an einen Amateur:
Zu Agnès Vardas JACQUOT DE NANTES“

„Il était une fois un garçon …“ – was wie ein Märchen beginnt, ist eine Ansammlung von Kindheitserinnerungen, die der Regisseur Jacques Demy für seine Frau Agnès Varda niederschrieb. Sie dienten als Grundlage für den Film, den Varda über dessen Kindheit in Nantes drehte. Fertig wurde JACQUOT DE NANTES erst kurz nach dem Tode Demys. Der Film ist eine Hommage an einen Amateur im Sinne eines Liebhabers. Ein zärtlicher Film über die Verstrickung zwischen Kino und Leben, zwischen Liebe und Tod.

Alexandra Schneider ist Professorin für Mediendramaturgie und Filmwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Ihre Forschungsschwerpunkte sind das digitale Erzählen, Medienarchäologie, Amateurfilm und der Zusammenhang von Medien und Globalisierung.

 

JACQUOT DE NANTES

Frankreich 1991. R: Agnès Varda. D: Philippe Maron,
Edouard Joubeaud, Laurent Monnier. 118 Min. DCP. OmeU

Jacqous

Ende der 1930er Jahre wächst Jacquot im französischen Nantes auf. Bereits früh entdeckt er seine Liebe zum Kino. Aber der Weg zum Filmemacher ist beschwerlich, besonders, weil der Vater ihn lieber zum Mechaniker ausbilden lassen will. Der Film ist eine liebevolle Erinnerung an Vardas Ehemann Jacques Demy. Was der kleine Jacquot in der Kindheit erlebt, ist im Kern der Stoff seiner späteren Kinofilme, für die er zunächst gefeiert wurde, bevor er nicht mehr mit dem sich wandelnden Zeitgeist Schritt halten konnte – oder wollte.

Am Tag der Lecture nimmt Agnes Varda den Max- Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt entgegen. Sie wird geehrt als „eine Schlüsselfigur des modernen Kinos, die sich erfindungsreich zwischen den Genres und Formaten bewegt und mit ihren Spiel- und Dokumentarfilmen […] in die großen politischen Debatten ihrer Zeit eingreift“ (Peter Feldmann)

Donnerstag, 11.02.2016
20:15 Uhr

Filmbeginn:
ca. 21:15 Uhr

Eintritt frei am 11.02.

 

Samstag, 13.02.2016
18:00 Uhr (nur Film)


DER SCHLAF DER VERNUNFT

BRD 1984. R: Ula Stöckl
D: Ida Di Benedetto, Pina Esposito, Marta Bifano. 82 Min. 35mm
Vernunft

Ula Stöckl bebildert in ihrem mit dem Deutschen Filmpreis in Silber ausgezeichneten Werk die Geschlechterverhältnisse auf revolutionäre Art und Weise: Die Protagonistin Dea, angelehnt an die Gestalt Medeas aus der griechischen Mythologie, kämpft gegen den Rest der Welt – gegen einen Pharmakonzern, gegen ihre Töchter, ihre Mutter und schließlich ihren Mann, der sie betrügt und verlässt. Basierend auf kontroversen Ansichten und Unterdrückungserfahrungen von Frauen, visualisiert Ula Stöckl den Kampf Deas, in dem ihre Traumwelt und die Realität nicht klar voneinander abgrenzbar sind.

 

Mittwoch 03.02.2016
18:00 Uhr

ICH DENKE OFT AN HAWAII…

BRD 1978. R: Elfi Mikesch
Dokumentarfilm. 84 Min. 16mm

Hawaii

Am Rande West-Berlins lebt eine alleinerziehende Mutter mit ihrer 16-jährigen Tochter. Der Vater, ein Soldat aus Puerto Rico, hat die Familie verlassen. Geblieben sind ihr seine Postkarten und Hawaii-Schallplatten. Mit deren Hilfe träumt sie sich während ihrer monotonen Haushaltstätigkeiten immer wieder in eine idyllische Fantasiewelt. Diese Traumreisen werden mit seinerzeit ungewöhnlichen Stilmitteln, die eher in der Werbung üblich waren, visualisiert. Im Jahr 1978 erhielt Elfi Mikesch für ihren semidokumentarisch angelegten Film ICH DENKE OFT AN HAWAII das Bundesfilmband in Silber.

Mittwoch, 17.02.2016
18:00 Uhr

HUNGERJAHRE

BRD 1980. R: Jutta Brückner
D: Britta Pohland, Sylvia Ulrich, Claus Jurichs. 114 Min. 16mm

Hungerjahre

In ihrem autobiografisch gefärbten Film erzählt Jutta Brückner die Geschichte von Ursula, die im Alter von 13 Jahren an der heilen Welt der Erwachsenen zu zweifeln beginnt. Nach ihrer ersten Menstruation nimmt sie ihre erwachende Sexualität und die Angst ihrer Mutter vor diesem Thema umso deutlicher wahr. Zugleich entdeckt sie, dass ihr Vater eine Affäre hat und auch politisch gesehen ein Heuchler ist. Erst von ihrem ersten Liebhaber, einem Mann aus Nordafrika, fühlt sie sich verstanden und interessiert sich durch ihn mehr und mehr für den antikolonialen Befreiungskampf.

Samstag, 20.02.2016
18:00 Uhr

Mittwoch, 24.02.2016
18:00 Uhr

 

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