Lecture & Film

Die Erfinderin der Formen. Das Kino von Chantal Akerman

lecture
Bis Juli 2019 widmet sich die Lecture & Film-Reihe dem Œuvre von Chantal Akerman.

Mit Jean-Luc Godard wird das Kino historisch, mit Chantal Akerman fängt es neu an: Das Werk der belgischen Regisseurin, Installationskünstlerin und Schriftstellerin Chantal Akerman (1950 – 2015) ist eine ausführliche und vielgestaltige Antwort auf die Frage, was im Kino noch möglich ist – jenseits der fast ausschließlich männlichen Helden-Geschichten von D. W. Griffith bis Alfred Hitchcock.

Akermans Filme sind im Kino ohne Vorbild und prägen mit ihren bahnbrechenden feministischen Sichtweisen seit ihrem Erscheinen die Ausdrucksmöglichkeiten des Films. Akermans Ästhetik der Alltagserfahrung, ihr Überschreiten der Genregrenzen zwischen Spielfilm, Dokumentarfilm und Experimentalfilm, ihr Sinn für Dauer und Zeiterfahrung jenseits der Stechuhr-Dramaturgie des herkömmlichen Spielfilms, machen sie zu einer Neuerfinderin der Formen des Kinos.

Zugleich ist Akerman seit den 1970er Jahren eine Pionierin der filmischen Installation, mehr als zwei Jahrzehnte, bevor diese Form im Kunstbetrieb dominant wird. Als Tochter von Holocaust-Überlebenden ist Chantal Akerman zudem eine singuläre Zeitzeugin der historischen Brüche und Verwerfungen des 20. Jahrhunderts; die Auseinandersetzung mit jüdischem Leben durchzieht ihre Filme auf vielfältige und subtil reflektierende Weise. Immer wieder umkreist Akermans Schaffen besonders die Beziehung zu ihrer Mutter und die Frage der Familienzugehörigkeit. Wie kaum einer Regisseurin zuvor gelingt es ihr, autobiographisches Material zum Stoff des Kinos zu machen.

Vergangene Vorträge sind auf unserem YouTube-Kanal zu finden: youtube.com/deutschesfilmmuseum

Das vollständige Programm unter chantal-akerman.de

Eine Veranstaltungsreihe des Kinos des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums und des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und dem DFG-Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“

In Kooperation mit der hessischen Film- und Medienakademie

Die Einzigartigkeit von Akermans JE TU IL ELLE
Lecture von Patricia White
in englischer Sprache

Patricia_WhiteDer Vortrag zeichnet die Bedeutung von JE TU IL ELLE für Chantal Akermans OEuvre und das Kino im Ganzen nach, indem er autobiographische Elemente in Akermans Werk und Auftritte der Regisseurin vor der Kamera auf dieses außergewöhnliche Spielfilmdebüt zurückführt.

Patricia White ist Eugene Lang Research Professorin und hat den Lehrstuhl für Film and Media Studies am Swarthmore College (USA) inne.

 

JE TU IL ELLE  Ich du er sie

Belgien/Frankreich 1974. R: Chantal Akerman. D: Chantal Akerman, Niels Arestrup, Claire Wauthion. 86 Min. DCP. OmeU

JeTuIlElle

Die ersten Augenblicke des Films zeigen eine Frau, gespielt von Akerman selbst, die mit einfachen Alltagsdingen beschäftigt ist. Nach einiger Zeit verlässt sie das Haus und fährt per Anhalter mit einem LKW-Fahrer zu einer Freundin. Die Liebesszene zwischen den beiden Frauen bleibt ein Meilenstein in der filmischen Darstellung lesbischer Liebe.

Donnerstag, 07.02.2019
20:15 Uhr
Filmbeginn: ca. 21:15 Uhr

Mittwoch, 13.02.2019
18:00 Uhr (nur Film)

 

WIR SIND DFF.FILM
© 2019 Deutsches Filminstitut – DIF e.V.
Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt am Main