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Jenseits der Heimat: Deutscher Film im Exil

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Nach der Machtergreifung der Nazis in Deutschland flohen unzählige Filmschaffende vor dem NS-Regime ins Ausland. Auch Produktionsfirmen wie die Universal zogen sich aus Deutschland zurück, da einige ihrer Stars, wie Franziska Gaál, als Opfer der antisemitischen Hetze nicht mehr dort drehen konnten. Doch die Sehnsucht vieler Filmschaffender nach der verlorenen Heimat blieb. Neben den gängigen Genres entstanden so auch Filme, die sich gegen die Herrschaftsverhältnisse in Deutschland richteten und der Hoffnung auf ein Ende der Diktatur Ausdruck verliehen. Das Kino des Deutschen Filmmuseums zeigt im Mai eine Auswahl dieser Filme, dazu erfolgt jeweils eine wissenschaftliche Einführung.

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PETER

Österreich/Ungarn 1934. R: Hermann Kosterlitz
D: Franziska Gaál, Felix Bressart, Richard Eybner. 83 Min. 35mm. Dt. OF

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Die in Ungarn und Österreich gedrehte Komödie erzählt die Geschichte der jungen Ewa, die in Folge einer Reihe von Zufällen in eine neue Identität schlüpft: aus Ewa wird Peter. Als sie sich zu dem jungen Arzt Robert Bandler hingezogen fühlt, sorgt Ewas Maskerade für zahlreiche Verwicklungen. Der jüdische Regisseur Hermann Kosterlitz, der in Hollywood als Henry Koster reüssierte, musste 1933 unter Lebensgefahr aus Deutschland fliehen. Daher wurde PETER in Budapest gedreht, spielt aber in Berlin. Im Gegensatz zu Kosterlitz gelang es Hauptdarstellerin Franziska Gaál nicht, in Hollywood Fuß zu fassen.

Dienstag, 03.05.2016
18:00 Uhr

Einführung:
Daniela Kalscheuer

VOSSTANIE RYBAKOV Der Aufstand der Fischer

UdSSR 1934. R: Erwin Piscator
D: Aleksej Dikij, Dmitrij Konsovskij, N. Gladkow. 60 Min. 35mm. Stummes OmU

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Erwin Piscators einziger Kinofilm basiert auf dem Debütroman von Anna Seghers über einen Aufstand von Fischern, die am Ende der Fangsaison ihre Lohnforderungen mit Streik durchsetzen wollen. Der Regisseur schrieb über die literarische Vorlage, sie habe ein „eigentümliches Aroma, einen speziellen Stil, der in seiner verharrenden Behutsamkeit würdig und groß wirkt.“ Anders als das Buch endet der Film mit dem siegreichen Kampf der Fischer und wirkt so als Appell an die Volksfront gegen Hitler. „Hitler war schneller“, verzeichnete Piscator nach der Moskauer Uraufführung im Herbst 1934, „der Film verlor seine Berechtigung.“

Dienstag, 10.05.2016
18:00 Uhr

Klavierbegleitung:
Uwe Oberg

Einführung:
Christoph Hesse

BORCY Kämpfer

UdSSR 1936. R: Gustav von Wangenheim
D: Lotte Loebinger, Bruno Schmidtsdorf, Gregor Gog. 75 Min. 35mm. DF

Gustav von Wangenheim, Theatermacher, Autor und Schauspieler – unter anderem als Maklergehilfe in F. W. Murnaus NOSFERATU (DE 1922) – und in der Weimarer Zeit aktives KPD-Mitglied, verließ nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 Deutschland. Er emigrierte nach Moskau und leitete dort bis 1935 das „Deutsche Theater Kolonne Links“. Gemeinsam mit anderen deutschen Emigranten, unter anderem dem jungen Konrad Wolf, drehte er den Film BORCY. Er erzählt darin die Geschichte des Arbeiters Fritz Lemke, der sich nach dem spektakulären Reichstagsbrand- Prozess gegen Georgi Dimitroff dem kommunistischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten anschließt.

Dienstag, 17.05.2016
18:00 Uhr

Einführung:
Alfons Maria Arns

SO ENDS OUR NIGHT

USA 1941. R: John Cromwell
D: Fredric March, Margaret Sullavan, Glenn Ford. 104 Min. 16mm. OF

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SO ENDS OUR NIGHT entstand nach dem Roman Liebe deinen Nächsten von Erich Maria Remarque, der von den miteinander verwobenen Schicksalen dreier Emigranten erzählt. In Wien treffen vor dem Zweiten Weltkrieg zwei Flüchtlinge aufeinander: Josef Steiner, der gegen die Nazis opponiert, und Ludwig Kern, Sohn einer jüdischen Mutter. Als sich Kern in eine jüdische Chemikerin verliebt, beginnt für das Trio eine gefährliche Flucht ohne Reisedokumente durch ein unsicheres Europa. John Cromwell verfilmte das Buch bereits kurz nach seinem Erscheinen in den USA, noch bevor die Vereinigten Staaten in den Krieg eintraten.

Dienstag, 24.05.2016
18:00 Uhr

Einführung:
Sebastian Schirrmeister

HANGMEN ALSO DIE!

USA 1943. R: Fritz Lang
D: Hans Heinrich von Twardowski, Brian Donlevy, Walter Brennan, Anna Lee. 134 Min. 35mm. OmspU

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Am Anfang dieses Films steht das Attentat auf den Reichsprotektor Reinhard Heydrich, den „Schlächter von Prag“. Der Attentäter Svoboda findet Unterschlupf bei Mascha Novotny, Tochter eines angesehenen Professors, der ohne ihr Wissen der Widerstandsbewegung angehört. Diese Gruppe liefert der Gestapo einen verhassten Kollaborateur aus ihren eigenen Reihen als vermeintlichen Attentäter ans Messer. Fritz Lang realisierte den Film, den er als seinen wichtigsten Anti-Nazi- Film bezeichnete, zusammen mit Bertolt Brecht. Die Zusammenarbeit der beiden Emigranten gestaltete sich jedoch schwierig – die politischen Differenzen waren trotz gemeinsamer Intentionen zu groß.

Mittwoch, 25.05.2016
18:00 Uhr

Dienstag, 31.05.2016
18:00 Uhr

Einführung (am 31.05.):
Alfons Maria Arns

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