Klassiker & Raritäten

Weimarer Verhältnisse

Filmreihe Barbara Baum

Das Erstarken autoritärer und demokratiefeindlicher Bewegungen und deren Etablierung auch in den Parlamenten weckt gerade in Deutschland die Erinnerung an den Untergang der Weimarer Republik. Doch welche Spuren hinterließen die politischen Unruhejahre im Kino jener Zeit? War Weimar tatsächlich so instabil, wie es im Nachhinein den Anschein hat? Wurden im Kino vor allem autoritäre Leitbilder propagiert? Oder gab es dort nicht auch die Vision stabiler demokratischer Verhältnisse und eines freiheitlichen Aufbruchs wider den Nationalismus?

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DER MÜDE TOD

Deutschland 1921. R: Fritz Lang
D: Lil Dagover, Walter Janssen, Bernhard Goetzke. 98 Min. DCP

Eines der Hauptwerke Fritz Langs heißt im Untertitel „Ein deutsches Volkslied in sechs Versen“ und stellt sich in die Tradition der deutschen Romantik. Eine junge Frau verliert ihren Bräutigam an den Tod. Als sie ihn zurückfordert, führt der Tod ihr drei fremde Lebensgeschichten vor: im Bagdad der Kalifenzeit, im Venedig der Renaissance und im kaiserlichen China; alle drei enden tragisch. Indirekt verarbeitet der Film auch die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs, welcher den Tod „müde“ gemacht hat.

Dienstag, 07.05.2019
18:00 Uhr

Klavierbegleitung: Uwe Oberg

Einführung: Filmhistoriker Alfons Arns (Frankfurt)

ABWEGE

Deutschland 1928. R: G. W. Pabst
D: Gustav Diessl, Brigitte Helm, Hertha von Walther, Jack Trevor. 98 Min. DCP
Musikfassung

Eine Frau fühlt sich von ihrem Mann, einem vielbeschäftigten Anwalt, vernachlässigt und beginnt eine Affäre mit einem Maler. G. W. Pabst inszeniert das Auf und Ab der Beziehung auch als Abfolge einer wiederholten Flucht aus der Realität und des Sich-Stellens derselben. Er seziert das Verhalten der Ehepartner mit glasklarer psychologischer Präzision und verdichtet die Story zu einem Zeitbild des Bürgertums jener Epoche. Nicht zuletzt ist ABWEGE eine sinnlich-vibrierende Hommage an die Hauptdarstellerin Brigitte Helm.

Dienstag, 14.05.2019
18:00 Uhr

Einführung: Filmkritiker Harald Mühlbeyer (Frankenthal/Pfalz)

BRÜDER

Deutschland 1929. R: Werner Hochbaum
D: Gyula Balogh, Erna Schumacher, Ilse Berger. 76 Min. 35mm

Werner Hochbaums erster Spielfilm, in eigener Produktion mit gewerkschaftlicher Unterstützung entstanden, ist eines der Hauptwerke des proletarischen Films der Weimarer Republik. Der Film schafft mit Laiendarstellern eine authentische Milieuzeichnung und erzählt eine Geschichte aus dem großen Hamburger Hafenarbeiterstreik von 1896: Als einer der Organisatoren des Streiks festgenommen wird, kommt es zu einer Konfrontation mit dessen Bruder, einem Polizeiwachtmeister und damit Vertreter des Klassenfeindes.

Dienstag, 21.05.2019
18:00 Uhr

Klavierbegleitung: Uwe Oberg

Einführung: Annika Haupts (Deutsche Kinemathek Berlin)

WATERLOO

Deutschland 1929. R: Karl Grune
D: Charles Willy Kayser, Charles Vanel, Otto Gebühr. 122 Min. DCP

Zum zehnjährigen Jubiläum der Münchner Produktionsfirma Emelka entstand WATERLOO als aufwändige Großproduktion, die an Abel Gances NAPOLÉON anschließen sollte. Geschildert wird – samt Vorgeschichte – die Schlacht von Waterloo, in der Napoleon 1815 von englischen und preußischen Truppen endgültig besiegt wurde. Die Außenaufnahmen mit vielen Massenszenen fanden bei München statt. Der Film versuchte einen interessanten Spagat zwischen deutsch-nationalistischer und europäisch-internationaler Perspektive.

Dienstag, 28.05.2019
18:00 Uhr

Klavierbegleitung: Florian Hauck

Einführung: Filmwissenschaftler Dr. Lars Krautschick (München)

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