KLASSIKER & RARITÄTEN

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Auferstanden aus Ruinen? Schulddiskurse im deutschen Spielfilm nach 1945

Der Film wurde im Dritten Reich von den Nationalsozialisten besonders gefördert und radikal zensiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Filmindustrie vor der Aufgabe, sich zur Frage der Schuld an den Verbrechen des Krieges zu positionieren. Zwei gegenläufige Tendenzen weisen Werke aus der unmittelbaren Nachkriegszeit auf: Sowjetisch orientierte Filme in der neu gegründeten DDR propagierten einen klaren Bruch mit dem nationalsozialistischen Regime, während die bundesdeutschen Produktionen angesichts des beginnenden Ost-West- Konfliktes den Mythos der „sauberen Wehrmacht“ mitformten. Diese Reihe zeigt drei Filme, die eine differenziertere Auseinandersetzung mit dem Thema suchen.

IN JENEN TAGEN

Deutschland (West) 1947. R: Helmut Käutner
D: Winnie Markus, Werner Hinz, Gisela Tantau. 111 Min. 35mm

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Helmut Käutners erster Nachkriegsfilm verfolgt in sieben Episoden die Geschichte eines Autos und seiner unterschiedlichen Besitzer in den Jahren 1933 bis 1945. Sieben Gegenstände, die sich im Auto befinden, geben Hinweise auf die Menschen, die das Auto fuhren, und darauf, was ihnen widerfahren ist. Die gleichnishaften Episoden zeigen, dass es während des Zweiten Weltkriegs immer wieder Menschen gab, die sich für die Stimme ihres Gewissens und ihres Herzens entschieden haben.

Dienstag, 12.05.2015
18:00 Uhr

Einführung: Daniela Kalscheuer (Filmhistorikerin, Frankfurt)

EHE IM SCHATTEN

Deutschland (Ost) 1947. R: Kurt Maetzig
D: Paul Klingler, Ilse Steppard, Alfred Balthoff. 104 Min. DCP

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EHE IM SCHATTEN ist einer der ersten Filme der 1946 gegründeten DEFA und einer der wenigen Nachkriegsfilme, die die Auswirkungen der Nürnberger Rassegesetze thematisieren. Er zeigt am Beispiel eines Schauspieler-Ehepaars, wie sich die Situation im Zweiten Weltkrieg immer mehr verschärft. Elisabeth kann nach der Machtergreifung der Nazis ihren Beruf nicht mehr ausüben. Sie heiratet ihren Kollegen Hans, doch auch er kann sie nicht vor der drohenden Deportation retten

Dienstag, 19.05.2015
18:00 Uhr

Einführung: Tim Gallwitz (Filmwissenschaftler, Hamburg)

DER RUF

BRD 1949. R: Josef von Baky
D: Fritz Kortner, Ernst Schröder. 104 Min. 35mm

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Autor und Hauptdarsteller Fritz Kortner, der als Jude 1933 über Wien und London in die USA geflohen und 1948 nach Deutschland zurückgekehrt ist, verarbeitet in dem Drehbuch seine Erfahrungen mit der Nachkriegsgesellschaft: Professor Mautner kehrt nach 15-jährigem Exil auf Einladung der Universität Göttingen in seine Heimat zurück. Die ablehnende Haltung und die feigen Intrigen seiner Kollegen, seiner Studenten und seines eigenen Sohnes machen ihm schwer zu schaffen. Neben Peter Lorres DER VERLORENE (BRD 1951) ist DER RUF eines der bedeutendsten und psychologisch stimmigsten Filmdokumente deutscher Remigration.

Dienstag, 26.05.2015
18:00 Uhr

Einführung: Sebastian Stauß (Filmwissenschaftler, München)

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