goEast - FESTIVAL DES MITTEL- UND OSTEUROPÄISCHEN FILMS

CARTE BLANCHE: KATJA EICHINGER

Bereits zum zwölften Mal können sich Cineasten beim goEast-Festival vom 18. bis 24. April in Wiesbaden von der Vielfalt des mittel- und osteuropäischen Filmschaffens überzeugen: In diesem Jahr bietet das Programm 141 Filme aus 26 Ländern. Auch das Kino des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt zeigt eine handverlesene Auswahl: Vom 20. bis 25. April werden alle Spielfilme des Wettbewerbs sowie der Film Człowiek z Zelaza (Der Mann aus Eisen) aus der Sektion „Beyond Belonging“ am Schaumainkai zu sehen sein.

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Die gesamte Bandbreite der östlichen (Film-)Kultur ist in der hessischen Landeshauptstadt zu sehen, die als inspirierender Ort für Begegnungen und Gespräche zwischen internationalem Publikum, Filmschaffenden und Gästen gilt. Die Filme sind in Sektionen unterteilt und bedienen unterschiedliche Geschmäcker: Der Wettbewerb versammelt bewegende, eigenwillige und wegweisende Beiträge des aktuellen, mittel- und osteuropäischen Autorenkinos. Inspiriert von den weltweiten Protestbewegungen und zahlreichen Coming-of-Age-Filmen im osteuropäischen Kino, fokussiert die Sektion „Beyond Belonging“ dieses Jahr das Thema Protest. Das Symposium „RealAvantGarde – Mit Lenfilm durch das kurze 20. Jahrhundert“ ist dem ältesten (sowjet-)russischen Filmstudio gewidmet, und „Porträt“ zeigt die Werkschau des russischen Regisseurs Sergei Loznitsa. Auch die jungen Talente kommen bei goEast nicht zu kurz: Im „Young Professionals Programm“ stellt der mittel- und osteuropäische Filmnachwuchs sein Können unter Beweis. Studierende von Filmhochschulen aus Belgrad, Bukarest, Berlin und dem Rhein-Main-Gebiet präsentieren ihre Arbeiten im Hochschulwettbewerb. Neben Hochschulpreisen und Projektförderungen sind Workshops und Vorträge Teil des Nachwuchsprogramms. Die Sektionen „Highlights“ und „Specials“ vervollständigen das Festival.


GAMER

Ukraine 2011. R: Oleg Sentsov. D: Vladislav Zhuk, Alexander Fedorov, Janna Buruk,
Jury Savienok, Igor Sidorenko. 92 Min. DCP. OmeU

In seinem semidokumentarisch inszenierten Comingof- Age-Drama porträtiert der ukrainische Regiedebütant Oleg Sentsov den jungen Alex. Unter dem Namen Koss bringt er es im Computerspiel „Quake“ zu großer Meisterschaft und spielt bald auch in internationalen Turnieren. Sein reales Umfeld hingegen erlebt ihn seltsam distanziert und ziellos, was seiner alleinerziehenden Mutter immer größere Sorgen bereitet. Als Alex die erste Niederlage einstecken muss, bekommt seine virtuelle Welt Risse, und erstmals stellt sich ihm die Frage, was ihn im wirklichen Leben erwartet.

Freitag, 20.04.2012
18:00 Uhr

ČTYŘI SLUNCE Vier Sonnen

Tschechische Republik 2011. R: Bohdan Sláma. D: Jaroslav Plesl, Anna Geislerová,
Marek Šácha, Anna Bubeníková, Karel Roden. 102 Min. 35 mm. OmeU

Fogi, Mitte 30 und nie so richtig erwachsen geworden, ist mit der Erziehung seines Kindes und dem Leben insgesamt überfordert. Als er seinen Job verliert, der 16-jährige Sohn immer rebellischer wird und seine Frau Jana eine Affäre beginnt, steht er vor einem Scherbenhaufen. Auch der spirituelle Beistand seines besten Freundes Karel, der eine tiefe Beziehung zur Natur pflegt, hilft ihm nicht weiter. Tragik und absurder Humor liegen in Bohdan Slámas Familiendrama ganz nah beieinander. Lakonisch erzählt er vom Wahnsinn des Lebens, so eindringlich wie zärtlich, so ungeschönt wie hoffnungsvoll

Freitag, 20.04.2012
20:30 Uhr

PRACTIČNI VODIČ KROZ BEOGRAD SA PEVANJEM I PLAKANJEM
Reiseführer durch Belgrad mit Singen und Weinen

Serbien/Deutschland/Frankreich/Ungarn/Kroatien 2011. R: Bojan Vuletić. D: Julie Gayet,
Marko Janketić, Anita Mančić, Jean-Marc Barr, Nada Šargin. 87 Min. dcp. OmeU

Die romantische Komödie erzählt von vier Paaren, die in Belgrad die Irrungen und Wirrungen der Liebe erleben: Silvie, eine Chansoneuse kurz vor dem Nervenzusammenbruch, und der junge Fahrer Stefan; Domina Melita und ihr Sklave Brian; der deutsch-türkische Geschäftsmann Orhan und das Zimmermädchen Jagoda; die serbische Polizistin Đjurda und ihr frisch angetrauter kroatischer Mann, Mato. Getragen von einem wunderbaren Schauspielerensemble zeigt Regisseur Bojan Vuletic wie nebenbei das Leben in der serbischen Gesellschaft an der Schwelle zum EU-Beitritt.

Freitag, 20.04.2012
22:30 Uhr


CHURGOSHIN Blei

Usbekistan 2011. R: Z.Mussakov
D: N. Karimboeva, F. Regemetova, A. Begmatova, Uldashev, T. Musakov. 90 Min. 35mm. OmeU

Nach Jahren treffen sich die einstigen Kriegskameraden Kadirov und Marlin 1952/53 zufällig in Taschkent, Usbekistan wieder. Marlin ist inzwischen zum Polizeichef aufgestiegen, Kadirov, ein Usbeke, arbeitet als Ingenieur. Er ist ein glühender Verehrer Stalins und glaubt fest an die Ziele des kommunistischen Regimes. Daher wird er von Stalin zu einem Colonel des Ministeriums für Staatssicherheit ernannt und soll den Russen Marlin bei der Suche nach „Staatsfeinden“ unterstützen. Marlin und Kadirov reagieren unterschiedlich auf den Druck. Als Kadirov jedoch seinen eigenen Bruder verhaften soll, eskaliert die Situation.

Samstag, 21.04.2012
16:00 Uhr


AVÉ

Bulgarien 2011. R: Konstantin Bojanov. D: Anela Nedyalkova, Ovanes Torosyan,
Martin Brambach, Svetlana Yancheva, Nikolay Urumov. 86 Min. 35mm. OmeU

Ein Roadmovie, das einfühlsam von einer ungewöhnlichen Romanze und zugleich von einem Land im Umbruch erzählt: Kamen will von Sofia in das nordbulgarische Ruse trampen, als sich ihm ungefragt die 17-jährige Ausreißerin Avé anschließt. Sie verstrickt ihn in ihre improvisierten und immer haarsträubenderen Lügengeschichten, die sie den wechselnden Fahrern auftischt. Dann wird Kamen die Situation zu heikel. Er trennt sich von Avé, trifft sie in Ruse jedoch zufällig wieder. Die beiden kommen sich näher, werden aber auch mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert.

Samstag, 21.04.2012
18:00 Uhr

RÓŻA

Polen 2011. R: W. Smarzowski
D: A. Kulesza, M. Dorocinski, K. Preis, J. Braciak, M. Buss. 90 Min. 35mm. OmeU

Polen, 1945. Der ehemalige Offizier Tadeusz versucht gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Masuren, dem damaligen Ostpreußen, unterzutauchen. Brandschatzende deutsche Soldaten auf dem Rückzug und plündernde Einheiten der Roten Armee haben die Region in ein trostloses Niemandsland verwandelt. Hier, im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Polen, trifft er auf die Bäuerin Róza, die ihren Mann verloren hat und mehrfach vergewaltigt wurde. In der Hoffnung, vor weiteren grausamen Übergriffen beschützt zu werden, gewährt Róza dem Fremden Unterschlupf. Es entwickelt sich eine tiefe Liebe, doch holt sie mit der Zeit die Realität wieder ein.

Sonntag, 22.04.2012
17:00 Uhr

BEDUÍN Beduine

Russland 2011. R: Igor Voloshin. D: Olga Simonova, Serafima Migay, Mikhail Evlanov,
Remigijus Sabulis, Dorji Galsanov. 100 Min. 35mm. OmeU

Um die Behandlung ihrer an Leukämie erkrankten Tochter zu bezahlen, stellt Rita fern von ihrem Zuhause ihren Körper für eine Leihmutterschaft zur Verfügung. Über Mobiltelefon, Webcam und Internet behält sie Kontakt zu ihrem Kind. Die hohen Kosten der Therapie treiben die Mutter zu verzweifelten Handlungen jenseits der Legalität, bis sie schließlich den Sinn ihres Weges neu überdenkt. In seinem genreübergreifenden Werk entfaltet Regisseur Igor Voloshin eine Geschichte zwischen Leben und Sterben, Endlichkeit und Ewigkeit.

Sonntag, 22.04.2012
19:00 Uhr

RAY DLYA MAMY Für Mutter der Himmel

Kasachstan 2011. R: Aktan Arym Kubat. D: Mikhail Zhigalov, Natalya Arinbasarova,
Olga Landina, Sergey Gergert, Amir Baimolda. 80 Min. 35mm. OmeU

Eine kleine Provinzsiedlung in Kasachstan: Die Landschaft ist trostlos und karg, die Fabriken sind verlassen. Hier leben die Brüder Amir und Serekbay zusammen mit ihrer Mutter Polina und ihrem Großvater in sehr ärmlichen Verhältnissen. Der Vater ist vor Jahren zum Arbeiten nach Russland aufgebrochen und nie wieder zurückgekehrt. Geblieben sind nur ein paar Fotos und viele Erinnerungen an eine kurze, glückliche Zeit. Polina bemüht sich sehr, ihre Kinder auch ohne Vater großzuziehen – und niemand ahnt, dass sie ihr Geld als Prostituierte verdient. Doch Amir und Serekbai kommen hinter das Geheimnis ihrer Mutter und sind zutiefst verstört.

Sonntag, 22.04.2012
21:00 Uhr

CZŁOWIEK Z ŻELAZA Der Mann aus Eisen

Polen 1981. R: Andrzej Wajda. D: Jerzy Radziwiłowicz, Krystyna Janda, Marian Opania,
Bogusław Linda, Janusz Gajos. 147 Min. 35mm. OmeU

Der als Spitzel agierende Radioreporter Winkel fährt nach Danzig, um eine Reportage über den Anführer der streikenden Gewerkschafter in der Leninwerft, Maciek Tomczyk, zu produzieren. Die in Rückblenden erzählten Ereignisse rekonstruieren das Bild eines Aufständischen ebenso wie die Anfänge der Solidarnosc-Bewegung. In seinem preisgekrönten Meisterwerk nimmt Andrzej Wajda die Unruhen in Polen nach 1970 ins Visier, als sich die Staatsmacht gegen die Demonstranten behauptete. Angelehnt an realpolitische Ereignisse zollte der Film einer Bewegung Respekt, die später den Systemwandel entscheidend beeinflussen sollte.

Dienstag, 24.04.2012
20:30 Uhr

VISUL LUI ADALBERT Adalberts Traum

Rumänien 2011. R: Gabriel Achim. D: Gabriel Spahiu, Ozana Oancea, Anca Androne,
Alina Berzunteanu, Mimi Branescu. 101 Min. 35mm. OmeU

Rumänien 1968: Der wortgewandte Filou Lulica wohnt in seinem Betrieb den Vorbereitungen der Feierlichkeiten zum 65. Geburtstag der Kommunistischen Partei bei, an deren Ende er seinen neuen Film vorführen wird. Regisseur Gabriel Achim führt sein Publikum durch die Chronologie des Feiertags und kommentiert diese Rahmenhandlung immer wieder mittels abstrakter Symbole. Am Ende verdeutlicht das Medium Film selbst die Dysfunktionalität des sozialistischen Regimes jener Tage: zwischen Ideologie, Frustration und verhaltener Auflehnung.

Mittwoch, 25.04.2012
18:00 Uhr

ZHIT Leben

Russland 2011. R: Vasiliy Sigarev. D: Yana Troyanova, Alexei Filimonov, Olga Lapshina,
Yevgeniy Sytyi, Anna Ykolova. 119 min. 35mm. OmeU

Mitten im Leben der Tod: Galya ertränkt den frühen Tod ihres Mannes im Alkohol. Kaum schöpft sie neue Hoffnung, verliert sie auch noch ihre beiden kleinen Töchter. Regisseur Vasiliy Sigarev verwebt kunstvoll Galyas Geschichte mit der von Grishka und Anton, die Opfer eines brutalen Überfalls werden, und der des kleinen Artyom, der sich nach seinem Vater sehnt – doch seine Mutter verbietet ihm jeden Umgang mit ihm. Sie alle erzählen erschütternd direkt von existenziellem Verlust und von Trauer. Und doch ist ZHIT nicht nur ein Film über das Sterben, sondern zeigt vielmehr, wie Menschen mit der Gewissheit des Todes weiter leben – und lieben.

Mittwoch, 25.04.2012
20:30 Uhr

 

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