goEast-Wettbewerbsfilme

meine schwestern

14. Festival des mittel- und osteuropäischen Films –
9. bis 15. April in Wiesbaden

Die Wettbewerbsfilme im Kino des Deutschen Filmmuseums

„Jung, wild, ausdrucksstark!“ lautet das Motto, unter dem das vom Deutschen Filminstitut veranstaltete goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden von Mittwoch, 9., bis Dienstag, 15. April, in die 14. Runde geht.

Zentrum des Programms ist der Wettbewerb mit zehn Spiel- und sechs Dokumentarfilmen. Die Beiträge des Spielfilmwettbewerbs zeigt das Kino des Deutschen Filmmuseums von Donnerstag, 10., bis Mittwoch, 16. April, als Nachspiel. Der Eröffnungsfilm IDA aus Polen handelt von einer jungen Novizin, die kurz vor ihrem Gelöbnis von ihren jüdischen Wurzeln erfährt und diesen nachzuspüren versucht. Nicht nur in IDA, sondern auch bei einer auffälligen Vielzahl anderer Wettbewerbsbeiträge stehen junge Protagonisten im Mittelpunkt der Handlung. Das Erwachsenwerden und die Abnabelung von der Elterngeneration bilden den gemeinsamen Nenner vieler doch sehr unterschiedlicher Geschichten. Debütfilme und neue Werke altbekannter Regisseure bestreiten gleichermaßen das Programm des 14. goEast Festivals: Neben Levan Koguashvili und Corneliu Porumboiu ist auch Yuzup Razykov im diesjährigen Wettbewerb vertreten.

Außerhalb des Wettbewerbs werden noch zwei weitere Filme in Frankfurt zu sehen sein: Der Omnibusfilm UKRAINE_STIMMEN wirft in mehreren dokumentarischen Episoden einen aktuellen, vielschichtigen Blick auf die gesellschaftspolitische Situation in der Ukraine, unter anderem auch auf die dortigen Protestbewegungen. FÜR MARX … vertritt die Sektion Beyond Belonging, die in diesem Jahr mit dem Thema „Socialism – Utopia Revisited“ spezifische Arbeits- und Lebenswelten im Postsozialismus beleuchtet.

Wer sich für das polnische Kino der 60er und 70er Jahre begeistert, kommt in Wiesbaden auf seine Kosten: Das goEast Symposium „Nouvelle Vague Polonaise? Auf der Suche nach einem flüchtigen Phänomen der Filmgeschichte“ untersucht unter anderem Parallelen des polnischen Films zur rebellischen und subversiven Filmästhetik der französischen Vorreiter.

Das Porträt ist in diesem Jahr der erfolgreichen polnischen Regisseurin Małgorzata Szumowska gewidmet. Mit ihren fünf Langspielfilmen und einer Auswahl früher Kurzfilme präsentiert goEast eine umfassende Werkschau; am Samstag, 12. April, hat sich Szumowska zu einem Werkstattgespräch in Wiesbaden angekündigt.

Die Sektion Highlights bringt beliebte Kassenschlager des mittelund osteuropäischen Mainstreamkinos nach Wiesbaden. Zu den Specials zählen Veranstaltungen wie die Matinee, eine Lesung, Filmgespräche, Konzerte sowie Partys.

Näheres zum Programm unter: www.filmfestival-goeast.de

 

IDA

Polen/Dänemark 2013. R: Paweł Pawlikowski.
D: Agata Kulesza, Agata Trzebuchowska. 80 Min. DCP. OmU

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Polen in den 1960er Jahren: Kurz vor ihrem Gelöbnis besucht die junge Novizin Anna ihre Tante Wanda. Die beiden Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein: Anna ist zart und unschuldig, aber entschlossen. Wanda hingegen ist hart und direkt, hat wechselnde Liebhaber und trinkt gerne. Als sie Anna eröffnet, dass diese als Ida Lebenstein geboren wurde – also Jüdin ist – und ihre Eltern dem Holocaust zum Opfer gefallen sind, beginnt für beide eine Reise in die Vergangenheit. Das polnische Roadmovie wartet mit atemberaubenden Schwarz-Weiß- Bildern, dem reduziert-intensiven Spiel seiner Protagonistinnen und verführerischen Jazzklängen auf.

Donnerstag, 10.04.2014
18 Uhr

Zu Gast: Ewa Puszczyńska (Produzentin)

UKRAINE_VOICES Ukraine_Stimmen

Ukraine 2014. R: Nadia Parfan, Maria Stoyanova
78 Min. DCP. OmeU

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Die Ereignisse in der Ukraine überstürzen sich. Dieser hochaktuelle Omnibusfilm zeigt Menschen zwischen Vision und Zivilcourage: Ein orthodoxer Bischof wird zum LGBT-Aktivisten. Ein Tierschützer marschiert zum Kiewer Maidan. Dort überzeugt eine Demonstrantin ihr gepanzertes Gegenüber davon, dass Härte und Haltung innere Werte sind. Einer lebt als urbaner Nomade, ein anderer geht für seine Rechte bis zum Europäischen Gerichtshof. In einem orthodoxen Kosaken-Camp werden Jugendliche militärisch ausgebildet. Ein Spektrum ideologischer Zerrissenheit, kaleidoskopartig vorgeführt.

Freitag, 11.04.2014
18:00 Uhr

WELTPREMIERE

Zu Gast: Dmytro Tiazhlov (Creative, angefragt), Anastasija Khoniykina (Regisseurin Episode „Love Share“)

BAUYR Kleiner Bruder

Kasachstan 2013. R: Serik Aprymov
D: Almat Galym, Alisher Aprymov. 95 Min. DCP. OmeU

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Tapfer-trotzig schlägt sich der neunjährige Yerkin durch den Alltag in der kasachischen Provinz. Morgens geht er zur Schule, mittags verkauft er selbst angefertigte Backsteine. Wenn sein geliebter großer Bruder Aidos zurückkehrt, will Yerkin viel Geld verdient haben. Dann sollen das Schaf im Stall geschlachtet und alle Nachbarn eingeladen werden. Ob sein Wunsch erfüllt wird? Serik Aprymov inszeniert seine Geschichte mit Laiendarstellern und vor authentischer Kulisse. Neben wunderschönen Bildern verzaubert der Film mit surreal anmutenden Momenten und kleinen Reminiszenzen an François Truffaut und Sergio Leone.

Freitag, 11.04.2014
20:30 Uhr

DEUTSCHLANDPREMIERE

Zu Gast: Serik Aprymov (Regisseur)

SHEMTKHVEVITI PAEMNEBI Blind Dates

Georgien 2013. R: Levan Koguashvili
D: Andro Sakvarelidze, Ia Sukhitashvili. 99 Min. DCP. OmeU

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Sandro, 40 Jahre und alleinstehend, lebt bei seinen Eltern, deren einzige Sorge die Ehefähigkeit ihres Sohnes ist. Als er sich unverhofft in Manana verliebt, wünscht er sich ein Leben an ihrer Seite. Doch schnell bricht die Realität über die beiden herein: Mananas Ehemann wird in einigen Tagen aus dem Gefängnis entlassen. Plötzlich treibt Sandro in einem komplizierten Beziehungsgeflecht zwischen Liebe, Ehre und Mitgefühl. Levan Koguashvilis Tragikomödie ist eine zarte Liebeserklärung an die Menschen seiner georgischen Heimat und an ihren sagenhaften Optimismus.

Samstag, 12.04.2014
18:00 Uhr

Zu Gast: Andro Sakvarelidze (Darsteller „Sandro“), Olena Yershova (Produzentin)

ZAPELJI ME Verführe mich

Slowenien 2013. R: Marko Šantić
D: Janko Mandić, Nina Rakovec. 83 Min. DCP. OmeU

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Nach Jahren in einem Jugendwohnheim beginnt für Luka ein neues Leben: mit einem Job, einer eigenen Wohnung – und mit Ajda. Anders als Lukas ist Ajda unbekümmert und sprühend. Ihre Energie reißt Luka mit und gibt ihm Mut. Er besucht seine Mutter, die ihn einst weggab. Aber er ist nicht willkommen. Als er das Grab seines Vaters sehen will, erfährt er, dass dieser nicht – wie er stets glaubte – bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, sondern bei seiner neuen Familie lebt. Mitgenommen von den Ereignissen sucht Luka Zuflucht in der Liebe zu Ajda. Doch auch sie, die scheinbar Sorglose, hat ein Geheimnis.

Samstag, 12.04.2014
20:30 Uhr

DEUTSCHLANDPREMIERE

Zu Gast: Marko Šantić (Regisseur) und Jani Virk (Produzent)

STYD Schande

Russland 2013. R: Yusup Razykov
D: Maria Semenova, Elena Korobeynikova. 90 Min. DCP. OmeU

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Eine heruntergekommene russische Militärbasis auf der Halbinsel Kola. Der Polarwinter hat die Gegend in eine weiße Schneewüste verwandelt. Hier lebt Lena mit den Soldaten und deren Angehörigen. Sehnsüchtig und voller Sorge warten die Frauen auf die Rückkehr der Besatzung, die mit einem Atom-U-Boot draußen im Meer ist. Nur Lena scheint das Schicksal ihres Mannes kalt zu lassen – wie alles um sie herum. Ihr Verhalten macht sie schnell zur Außenseiterin. Als schlechte Nachrichten vom U-Boot das Land erreichen, entdeckt Lena etwas, das ihrer inneren Isolation ein Ende setzt.

Sonntag, 13.04.2014
18:00 Uhr

DEUTSCHLANDPREMIERE

Zu Gast: Yusup Razykov (Regisseur) und Vladimir Malyshev (Produzent)

CÂND SE LASA SEARA PESTE BUCUREŞTI SAU METABOLISM
Wenn es Nacht wird in Bukarest oder Metabolismus

Rumänien 2013. R: Corneliu Porumboiu
D: Diana Avramut, Bogdan Dumitrache. 89 Min. DCP. OmeU

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Ein blasierter Filmemacher, eine junge Schauspielerin, ein stressiger Dreh, eine genervte Produzentin: Mit ausgefeilten formalen Mitteln und scharfsinnigen Dialogen erzählt Porumboiu vom Prozess des Filmemachens. Um den Tag am Set zu schwänzen und ihn stattdessen mit seiner Hauptdarstellerin zu verbringen, täuscht der Regisseur ein Magengeschwür vor. Die beiden üben eine Szene, haben Sex, reden über Essen, kulturelle Unterschiede, Michelangelo Antonioni und die Wechselwirkung von Form und Inhalt.

Sonntag, 13.04.2014
20:30 Uhr

DEUTSCHLANDPREMIERE

Zu Gast: Mihaela Sîrbu (Darstellerin „Magda“)

FREE RANGE – BALLAAD MAIILMA HEAKSIITMISEST
Free Range – Ballade von der Billigung der Welt

Estland 2013. R: Veiko Õunpuu
D: Lauri Lagle, Jaanika Arum. 104 Min. DCP. OmeU

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Filmkritiker Fred wird hochkant gefeuert. Er trägt es mit Fassung – schließlich möchte er ohnehin frei sein und Bücher schreiben – also betrinkt er sich erstmal mit seinen Kumpels. Als ihm seine Freundin eröffnet, dass sie schwanger ist, reagiert er zunächst reserviert, sucht sich aber bald einen Job als Gabelstaplerfahrer. Ein müder Versuch, den gesellschaftlichen Anforderungen zu entsprechen. Untermalt von einem großartigen Soundtrack erzählt FREE RANGE von einem rebellischen Poeten auf der Suche nach dem richtigen Weg. Regisseur Veiko Õunpuu findet dafür eine umwerfend lebendige Bildsprache.

Montag, 14.04.2014
18:00 Uhr

QUOD ERAT DEMONSTRANDUM

Rumänien 2013. R: Andrei Gruzsniczki
D: Sorin Leoveanu, Ofelia Popii. 105 Min. DCP. OmeU

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Die Securitate ist jene omnipräsente Macht, die unter dem Vorwand der Sicherung des rumänischen Staats die existenzielle Verunsicherung seiner Bürger betrieb. Dass sie das berufliche wie private Leben im Ceauşescu-Reich dominierte, ist nicht neu. Doch Regisseur Gruzsniczki interessiert sich nicht nur für die ausweglosen moralischen Zwangssituationen der Opfer, sondern auch für die Biografien der Täter. Zwischen grausamem Satisfaktionsersatz und verdrängter Paranoia öffnet sich so der Spielraum für einen Psycho-Krimi, der erzählerisch und intellektuell an DAS LEBEN DER ANDEREN (DE 2006) erinnert.

Montag, 14.04.2014
20:30 Uhr

DEUTSCHLANDPREMIERE

Zu Gast: Andrei Gruzsniczki (Regisseur), Velvet Moraru (Produzentin) und Marta Marinescu (Produktionsassistentin)

ZA MARKSA… Für Marx…

Russland 2012. R: Svetlana Baskova
D: Sergey Pakhomov, Vladimir Epifantsev. 106 Min. DCP. OmeU

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Ein Stahlwerk in der russischen Provinz: Die Arbeitsbedingungen sind katastrophal, die Löhne werden gekürzt, Personal entlassen. Als eine Gruppe von Arbeitern eine Gewerkschaft gründet und es zu Streiks und Demonstrationen kommt, ordnet der Fabrikinhaber kurzerhand die Eliminierung der Gewerkschaftsführer an. Ein Überlebender muss sich entscheiden – die Revolution weiterführen oder die Spielregeln des Kapitalismus und Oligarchentums akzeptieren? Unter Verwendung der Theorien von Brecht, Godard und Marx sowie der griechischen Tragödie inszeniert Baskova den Klassenkampf in Zeiten der Finanzkrise.

Dienstag, 15.04.2014
20:30 Uhr

FREE ENTRY Freier Eintritt – Ein Tag im Leben von Betty

Ungarn 2014. R: Yvonne Kerékgyártó
D: Luca Pusztai, Ágnes Barta. 70 Min. DCP. OmeU

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Betty und ihre Freundin V wollen sich eine Woche lang auf dem Open-Air-Festival Sziget, das im Sommer auf der Donauinsel Óbudai in Budapest stattfindet, amüsieren. Die hübsche V setzt ihre Reize bewusst ein, Betty ist zurückhaltend und schüchtern. Sie weiß nicht, wohin mit ihren Händen, wie die Zigarette halten, was reden mit den Jungs. Erst als jede auf sich selbst gestellt ist, wendet sich das Blatt. Eine temporeich inszenierte Coming-of-Age-Geschichte mit zarten Zwischentönen, die Erinnerungen an Teenagertage weckt, in der Unbekümmertheit und Zweifel so nah beieinander liegen.

Mittwoch, 16.04.2014
18:00 Uhr

WELTPREMIERE

Zu Gast: Yvonne Kerékgyártó (Regisseurin), Judith Kastner (Produzentin) und weitere Mitglieder des Filmteams

KOMBINAT NADEZHDA Fabrik der Hoffnung

Russland 2014. R: Nathalia Meshchaninova
D: Daria Savelyeva, Maxim Troynik. 95 Min. DCP. OmeU

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In der weit im Norden Russlands gelegenen industriellen Hochburg Norilsk treibt ein gnadenloser arktischer Wind die junge perspektivlose Generation hinaus in die Natur. Hier ertränken sie die bedrückende Tristesse in jeder Menge Wodka. Mittendrin zwei junge rivalisierende Frauen, die depressive Sveta und die unmoralische Nadja. Beide verbindet ein gemeinsamer Traum: schnellstmöglich die Flucht zu ergreifen. Doch der Weg in die erhoffte Freiheit ist alles andere als leicht. In ihrem Spielfilmdebüt schildert Natalia Meshchaninova realitätsnah das Leben in der russischen Provinz, fernab der Metropolen.

Mittwoch, 16.04.2014
20:30 Uhr

DEUTSCHLANDPREMIERE

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