FASSBINDER – JETZT

Film und Videokunst

Film Noir

„Fassbinder – JETZT. Film und Videokunst“ heißt die neue Sonderaustellung, die bis zum 1. Juni 2014 im Deutschen Filmmuseum zu sehen ist. Ausschnitte aus den Filmen Rainer Werner Fassbinders verdeutlichen seine Themen und ästhetischen Verfahren; ihnen vergleichend gegenübergestellt sind die Arbeiten zeitgenössischer Videokünstler, die thematisch und ästhetisch an Fassbinders Werk anschließen. Sie greifen einzelne Motive heraus, stellen Szenen aus seinen Filmen nach und übertragen seine Themen in die Gegenwart. Der Vergleich zwischen Fassbinders Filmen und aktueller Videokunst soll Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede erfahrbar machen und einen neuen Blick auf beide ermöglichen. Im Kino vervollständigt eine umfangreiche Retrospektive die Schau – mit Filmen Fassbinders sowie von Regisseuren, die er beeinflusst hat.

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Die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler zeigen, was Fassbinders aktive Zeit mit der Gegenwart verbindet, was beide aber auch unterscheidet. Übergeordnet geht es darum, wie das Kino aktuelle künstlerische Medien prägt, sowie um die Frage, inwiefern die Grenze zwischen Film- und Videokunst im digitalen Zeitalter verschwimmt. Die Ausstellung gewährt darüber hinaus Einblick in Fassbinders Schaffen und seine Persönlichkeit, sie gibt Aufschluss über seine künstlerische Haltung und Arbeitsweise: Ausschnitte aus Fernseh-Interviews sind zu sehen, Fotos von den Dreharbeiten sowie zahlreiche Originaldokumente aus dem Archiv der Rainer Werner Fassbinder Foundation Berlin, dem Kooperationspartner der Ausstellung. Es erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Ausgabe.

 

LIEBE IST KÄLTER ALS DER TOD

BRD 1969. R: Rainer Werner Fassbinder
D: Ulli Lommel, Hanna Schygulla, Rainer Werner Fassbinder. 88 Min. 35mm

liebe ist kälter als der tod

Weil der kleine Zuhälter Franz Welsch sich weigert, sich einem Verbrechersyndikat anzuschließen, wird Bruno auf ihn angesetzt: Im Auftrag des Syndikats begeht Bruno Morde, die Franz angelastet werden sollen. Franz aber verliebt sich in Bruno und ist sogar bereit, seine Freundin, die Prostituierte Joanna, mit ihm zu teilen. Als Franz und Bruno gemeinsam einen Banküberfall planen, verrät Joanna sie an die Polizei. Rainer Werner Fassbinder schuf für sein Spielfilmdebüt eine an Nouvelle Vague und Film noir angelehnte existenzialistische Atmosphäre. Die karge Ausstattung und die antriebslosen Figuren tragen zu dieser Stimmung bei.

Sonntag, 03.11.2013
18:00 Uhr

Dienstag, 05.11.2013
20:30 Uhr

WARNUNG VOR EINER HEILIGEN NUTTE

BRD 1970. R: Rainer Werner Fassbinder
D: Lou Castel, Eddie Constantine, Hanna Schygulla. 103 Min. 35mm

Wahrnung vor einer heiligen Nutte

Ein Filmteam wartet in einem Küstenort auf die Ankunft des Regisseurs. Als der despotisch-autoritäre Jeff endlich mit dem Star des Films eintrifft, sind in der Gruppe zahlreiche Konflike ausgebrochen. In einer in Fassbinders Nachlass gefundenen Inhaltsangabe zu seinem neunten Spielfilm heißt es: „Und ohne daß sie es recht merken ist aus dramatisierter Hysterie und klischierter Leidenschaft etwas entstanden, was sie nie recht greifen konnten, was den Grund ihrer Verwirrung ausmachte, was sie sündigen und beten ließ: der Film, der sie anzieht und der sich ihnen entzieht, der Film – eine heilige Nutte“.

Donnerstag, 07.11.2013
17:30 Uhr

Freitag, 08.11.2013
20:30 Uhr

ANGST VOR DER ANGST

BRD 1975. R: Rainer Werner Fassbinder
D: Margit Carstensen, Ulrich Faulhaber, Brigitte Mira. 87 Min. 35mm

Angst vor der Angst

Die junge Margot Staudte, verheiratet und Mutter zweier Kinder, beginnt unter Angstzuständen zu leiden, für die sich keine Erklärung findet. Ihre Verwandten distanzieren sich aus Scham über ihr Verhalten von ihr; professionelle Hilfe durch Apotheker und Ärzte scheitert an widersprüchlichen Diagnosen. Margot isoliert sich immer weiter, bis sie nur noch zu ihrer geliebten Tochter Bibi und einem vermeintlich verrückten Nachbarn Kontakt hat. Fassbinders hochstilisierte Fallstudie beruht maßgeblich auf einer Erzählung von Asta Scheib, die sie selbst dem von ihr sehr geschätzten Regisseur zugeschickt hatte.

Sonntag, 10.11.2013
18:00 Uhr

Dienstag, 12.11.2013
20:30 Uhr

LOVE IS A TREASURE

Finnland 2010. R: Eija-Liisa Ahtila
D: Heikki Putro, Minna Pehkonen. 57 Min. 35mm. OmeU

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Die thematisch deutlich von Fassbinder beeinflusste, finnische Film- und Videokünstlerin Eija-liisa Ahtila verwendet für ihre verstörend-witzigen Arbeiten Stilmittel aus Werbespots und Musikvideoclips. In fünf Episoden werden in LOVE IS A TREASURE Geschichten von Frauen mit einer Psychose erzählt. Eine von ihnen versteckt sich unter ihrem Bett vor imaginären Killern, eine andere kriecht über eine Brücke, weil ihre Welt durch Ereignisse in ihrer Vergangenheit völlig instabil geworden ist.

Donnerstag, 14.11.2013
18:00 Uhr

Freitag, 15.11.2013
20:30 Uhr

CHINESISCHES ROULETTE

BRD 1976. R: Rainer Werner Fassbinder
D: Margit Carstensen, Andrea Schober, Alexander Allerson. 86 Min. 35mm

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Das Ehepaar Ariane und Gerhard Christ geht getrennt auf Geschäftsreise und trifft sich kurz darauf unverhofft auf dem gemeinsamen Schloss wieder – mit den jeweiligen Geliebten im Schlepptau. Kurz darauf stößt auch die 14-jährige, gehbehinderte Tochter der Christs dazu. Das intelligente Mädchen lässt die Gruppe das zynische Wahrheitsspiel „Chinesisches Roulette“ spielen. In eingespielter Zusammenarbeit mit dem Kameramann Michael Ballhaus zeigt sich Fassbinder auf dem Höhepunkt seiner Inszenierungskunst: Kamerabewegung und Bildausschnitt gestalten den Handlungsraum und die Position der Figuren darin zu eigenständigen Bedeutungsträgern.

Sonntag, 17.11.2013
18:00 Uhr

Dienstag, 19.11.2013
20:30 Uhr

DIE DRITTE GENERATION

BRD 1979. R: Rainer Werner Fassbinder
D: Volker Spengler, Bulle Ogier, Hanna Schygulla. 105 Min. 35mm

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Knapp zwei Jahre nach den Ereignissen des Deutschen Herbstes setzte sich Fassbinder auf komödiantische Weise mit dem deutschen Terrorismus auseinander. Die zur Entstehungszeit noch fiktionale Dritte Generation der RAF besteht hier aus gelangweilten jungen Leuten, die nicht aus politischer Überzeugung, sondern aus unbedachtem Aktionismus heraus gewalttätig werden. Von der zeitgenössischen Kritik überwiegend als hochaktuelles politisches Statement aufgefasst, gibt der Film auch einen Eindruck vom speziellen, derben Humor Fassbinders.

Donnerstag, 21.11.2013
17:30 Uhr

Freitag, 22.11.2013
20:30 Uhr

LILI MARLEEN

BRD 1981. R: Rainer Werner Fassbinder
D: Hanna Schygulla, Giancarlo Giannini, Mel Ferrer. 120 Min. 35mm

Lili Marleen

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der melancholische Schlager „Lili Marleen“ zum meistgehörten Soldatenlied. Später von zahlreichen Sängerinnen interpretiert, war es ursprünglich Lale Andersen, deren Stimme der Sehnsucht der Soldaten an allen Fronten Ausdruck verlieh. Fassbinder erzählt weitgehend fiktional von der Entstehung des Liedes und von Andersens Beziehung zu einem jüdischen Komponisten. Dessen Tätigkeit als Widerstandskämpfer gefährdet beider Leben. Das Werk ist eine visuelle und narrative Huldigung an die Stilmittel des Melodrams und damit typisch für Fassbinders späte Filme.

Dienstag, 26.11.2013
20:30 Uhr

Donnerstag, 28.11.2013
18:00 Uhr

 

 

 

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