Ciao Macho. Marco Ferreri – Eine Retrospektive

ferreriDie Filme des italienischen Regisseurs Marco Ferreri (1928-1997) bündeln die Sehnsüchte der modernen westlichen Gesellschaft und ergründen, wie diese sich selbst von innen heraus zerfrisst. Ein Kernthema in seinem Werk bilden die Geschlechterverhältnisse, Ferreri stellt dabei zumeist den Mann ins Zentrum seiner Filme. Die Mythen und Geschichte(n) der patriarchalen Kultur zerbröckeln vor den Augen der männlichen Protagonisten; außerstande, an ihnen festzuhalten, entfliehen diese der Realität und/oder verfallen in ein barbarisches, vorverbales und kindliches Stadium.

In radikalen Bildern vereint Ferreri bitterbösen Realismus mit sinnlicher Poetik. Die Eigenwilligkeiten seines Werks wurden oft missverstanden und bescherten ihm den Ruf eines Provokateurs. Dabei bildet das Kino selbst, dessen Niedergang er mit nostalgischem Bedauern einfängt, für den humorvollen und zynischen Visionär die letzte Utopie. Trotz zahlreicher Filmfestivalerfolge und namhafter Kollaborationen – wie mit dem Drehbuchautor Rafael Azcona oder den Schauspieler/innen Marcello Mastroianni, Catherine Deneuve und Gérard Depardieu – findet sein Werk außerhalb Spaniens und Italiens nur wenig Beachtung. In einer ersten deutschen Retrospektive ist eine Auswahl seiner in Spanien, Italien und Frankreich zwischen 1959 und 1996 entstandenen Filme zu sehen.

Eine gemeinsame Veranstaltung mit:

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Weitere Infos unter filmkollektiv-frankfurt.de

Dauerkarte für Ferreri-Wochenende
(zehn Filme, 15.-17.6.): 50 Euro / 35 Euro erm.

Unterstützt von:

HessenFilm-RGB

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Unter der Schirmmherrschaft des italienischen Generalkonsulat Frankfurt

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NITRATO D’ARGENTO Nitrate Base

Italien/Frankreich 1996. R: Marco Ferreri
D: Iaia Forte, Sabrina La Leggia, Marc Begrmann, Eric Berger. 87 Min. 35mm. ital. OmeU

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Zum 100. Jubiläum des Mediums Film gedreht, schafft Ferreri auch eine Hommage an das Kino als sozialen Kommunikationsort. Wandel und Wendungen auf der Leinwand stellt er denjenigen im Kinosaal gegenüber. Angesichts neuer Technologien wie etwa Fernsehen und VHS blickt der Film nostalgisch dem Tod des Kinos entgegen.

Donnerstag, 07.06.2018
18:00 Uhr

Print courtesy of Cineteca di Bologna

Einführung:
Svetlana Svyatskaya (Filmkollektiv Frankfurt e.V.)

L’HAREM  Her Harem

Italien/Frankreich 1967. R: Marco Ferreri. D: Carroll Baker, William Berger,
Gianni Invernizza, Michel LeRoyer. 96 Min. 35mm. ital. OmeU

harem

Der Ingenieur Gianni will Margherita heiraten, der Fotograf Mario verspricht ihr ein Leben voller Abenteuer, und Anwalt Gaetano will der beste Frauenversteher sein. Auf der Flucht vor einer Entscheidung landet die Umschwärmte in einer Strandvilla, wohin ihr Freund Renato alle drei Männer einlädt. Der Wettkampf um Margherita mündet in einem Bündnis der Männer gegen die Frau.

Freitag, 08.06.2018
20:30 Uhr

Print courtesy of Cineteca Nazionale

Einführung:
Felix Fischl (Filmkollektiv Frankfurt e.V.)

LA DONNA SCIMMIA  The Ape Woman

Italien/Frankreich 1964. R: Marco Ferreri
D: Annie Girardot, Ugo Tognazzi. 93 Min. 35mm. ital. OmeU

scimmia

Der Kleinbetrüger Antonio entdeckt im Kloster die bärtige Maria und wittert das Geschäft seines Lebens. Er überredet sie, für ihn auf dem Jahrmarkt in Neapel als „Affenfrau“ aufzutreten. Doch Maria sehnt sich nach der klassischen Frauenrolle, sie will geheiratet und begehrt werden. Damit die Show weitergeht, ist Antonio jedes Mittel recht.

Mittwoch, 13.06.2018
18:00 Uhr

Print courtesy of Cineteca Nazionale

Einführung:
Gary Vanisian (Filmkollektiv Frankfurt e.V.)

EL COCHECITO  Der Rollstuhl

Spanien 1960. R: Marco Ferreri
D: José Isbert, Pedro Porcel, María Luisa Ponte. 85 Min. 35mm. span. OmU

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Der pensionierte Don Anselmo ist noch gut zu Fuß, seine Freunde dagegen nutzen motorisierte Rollstühle. Das Gefährt wird zum Objekt seiner Sehnsucht, für dessen Besitz auch radikale Mittel infrage kommen. Die schwarze Komödie über den spanischen Wirtschaftswunder- Opportunismus ist der letzte von drei in Spanien gedrehten Filmen Ferreris.

Freitag, 15.06.2018
18:00 Uhr

Einführung:
Svetlana Svyatskaya (Filmkollektiv Frankfurt e.V.)

UNA STORIA MODERNA. L’APE REGINA  Die Bienenkönigin


Italien/Frankreich 1963. R: Marco Ferreri
D: Marina Vlady, Ugo Tognazzi, Walter Giller. 88 Min. 35mm. ital. OmU

regina

Regina ist schön, katholisch und jungfräulich: die ideale Ehefrau für den doppelt so alten Autohändler Antonio. Nach der Heirat möchte Regina rasch schwanger werden und fordert derart vehement die ehelichen Pflichten ein, dass Antonio förmlich die Luft ausgeht. Die international erfolgreiche Ehesatire war Ferreris erster italienischer Film.

Marina Vlady, 1938 in Clichy bei Paris als Tochter russischer Emigranten geboren, ist eine der herausragenden Kinoschauspielerinnen ihrer Generation. Sie spielte Hauptrollen bei Orson Welles, Jean-Luc Godard, Giuseppe De Santis und Ettore Scola, nahm Lieder mit ihrem Ex-Mann Wladimir Wyssozki auf und ist seit den 1980er Jahren auch als Schriftstellerin erfolgreich.

Freitag, 15.06.2018
20:00 Uhr

Print courtesy of Cineteca Nazionale

Zu Gast:
Marina Vlady

L’UOMO DEI CINQUE PALLONI  Breakup


Italien/Frankreich 1968. R: Marco Ferreri
D: Marcello Mastroianni, Catherine Spaak, Ugo Tognazzi. 85 Min. 35mm. ital. OmeU

luomo

Mario hat alles: ein blühendes Geschäft, Luxusgüter und eine Verlobte aus gutem Hause. Doch sein präzise strukturiertes Leben gerät aus dem Ruder, als ihm eine Packung Luftballons in die Hände fällt. Dass es ihm nicht gelingen will, exakt das maximale Luftvolumen bis zum Platzen des Ballons zu berechnen, stürzt Mario in eine Sinnkrise.

Freitag, 15.06.2018
22:30 Uhr

Videoeinführung in das Werk Ferreris:
Adriano Aprá (Filmkritiker und Autor)

IL SEME DELL’UOMO  The Seed of Man


Italien 1969. R: Marco Ferreri
D: Marco Margine, Anne Wiazemsky, Annie Girardot. 113 Min. 35mm. ital. OmeU

delluomo

In Ferreris minimalistischer Science-Fiction-Vision ist die Welt von einer Katastrophe verheert. Ein Paar wird an der menschenleeren Küste Italiens für den Neuanfang ausgesetzt. Doch während der Mann optimistisch ein Kind ersehnt und ein Museum mit Artefakten vergangener (Industrie-)Kultur baut, hegt die Frau keine Hoffnung mehr für diese Welt.

Samstag, 16.06.2018
15:30 Uhr

Print courtesy of Cineteca Nazionale

Einführung:
Eva Lenhardt (Kunsthistorikerin)

DILLINGER È MORTO  Dillinger ist tot


Italien 1969. R: Marco Ferreri
D: Michel Piccoli, Anita Pallenberg, Annie Girardot. 90 Min. 35mm. ital. OmU

dillinger

Die Frau des Gasmaskendesigners Glauco hat Kopfweh. Allein sieht er fern, bereitet ein Gourmetessen zu, hört Radio, ertastet Urlaubsfilmbilder, schläft mit dem Hausmädchen, findet und repariert eine Waffe. Langeweile wandelt sich zu existenzieller Not. Ferreris groteske Reflexion der 68er-Zeit kommentiert die Politik durch ihre Verweigerung.

Samstag, 16.06.2018
18:00 Uhr

Print courtesy of Cineteca Nazionale

Einführung:
Enrico Rosso (Universität Potsdam)

L’ULTIMA DONNA  Die letzte Frau


Italien/Frankreich 1976. R: Marco Ferreri
D: Gérard Depardieu, Ornella Muti, Michel Piccoli. 112 Min. 35mm. ital. OmeU

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Der alleinerziehende Gérard begegnet in einem tristen Pariser Vorort Valérie. Nachdem ihn seine Frau wegen seiner machistischen Attitüden verlassen hat, gerät auch die neue Liebe in die gleiche Krise. Gérards Versuch, der Frauenwelt zu genügen, kulminiert in einer verzweifelten Geste – Ferreris Reflexion der Geschlechterbeziehungen gipfelt in diesem Film.

Samstag, 16.06.2018
20:15 Uhr

Freitag, 29.06.2018
20:15 Uhr

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Einführung am 16.06.: Svetlana Svyatskaya (Filmkollektiv Frankfurt e.V.)

LIZA  Allein mit Giorgio


Frankreich/Italien 1972. R: Marco Ferreri
D: Catherine Deneuve, Marcello Mastroianni, Michel Piccoli. 100 Min. 35mm. franz. OmU

liza

Im Streit mit ihrem Freund verlässt Liza dessen Luxusyacht und strandet auf einer einsamen Insel. Dort lebt und arbeitet der Karikaturist Giorgio allein mit seinem Hund. Die beiden beginnen eine Affäre. Um Giorgios volle Aufmerksamkeit für sich zu haben, ermordet Liza den Hund und nimmt im utopischen Paradies dessen Platz als „Hündin“ ein.

Samstag, 16.06.2018
22:30 Uhr

Einführung:
Stefanie Plappert (Deutsches Filminstitut)

IL FUTURO È DONNA  Die Zukunft heißt Frau


Italien/Frankreich/BRD 1984. R: Marco Ferreri
R: Ornella Muti, Hanna Schygulla, Niels Arestrup. 99 Min. 35mm. ital. OmU

donna

Anna und Gordon führen eine zufriedene kinderlose Ehe. Am Tag arbeitet sie in der Kulturabteilung eines Supermarkts, während er Bäume in der Großstadtwüste pflanzt. Die Abende verstreichen in hippen Diskotheken, wo Anna der schönen, obdachlosen und im sechsten Monat schwangeren Malvina begegnet. Sie nimmt sie bei sich zu Hause und in ihre Ehe auf.

Sonntag, 17.06.2018
13:00 Uhr

Einführung:
Carolin Weidner (Filmkritikerin)

TALES OF ORDINARY MADNESS  Ganz normal verrückt


Italien/Frankreich 1981. R: Marco Ferreri
D: Ben Gazzarra, Ornella Muti. 101 Min. 35mm. engl. OmU

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Der selbstzerstörerische Hedonismus Charles Bukowskis trifft auf Ferreris scharfsinnige Beobachtung der menschlichen Verfassung. Der Schriftsteller Charles Serking zieht durch die Bars und Bordelle von Los Angeles auf der Suche nach Vergessen, Sex und Inspiration. Einen kurzen Lichtblick erlebt er durch die Begegnung mit der Prostituierten Cass.

Sonntag, 17.06.2018
18:00 Uhr

Einführung:
Ferdinand Sander (Kunsthistoriker)

CIAO MASCHIO  Affentraum


Italien/Frankreich 1978. R: Marco Ferreri
D: Gérard Depardieu, James Coco, Marcello Mastroianni. 113 Min. 35mm. ital. OmU

ciao maschio

Am Strand vor der New Yorker Skyline liegt der Leichnam einer riesigen King-Kong-Puppe. Die Stadt ist von Ratten geplagt und von einsamen Menschen besiedelt, einer davon der schweigsame Lafayette. Er verneint sein leibliches Kind und adoptiert ein Affenbaby. Der Film entwirft dystopische Bilder vom Verfall der modernen Zivilisation.

Sonntag, 17.06.2018
20:30 Uhr

Einführung:
Christoph Huber (Österreichisches Filmmuseum)

TOUCHE PAS À LA FEMME BLANCHE  Berühre nicht die weiße Frau


Frankreich/Italien 1974. R: Marco Ferreri. D: Marcello Mastroianni,
Michel Piccoli, Catherine Deneuve, P. Noiret. 108 Min. 35mm. franz. OmeU

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In seiner Westernsatire reinszeniert Ferreri die berühmte Schlacht von Little Big Horn und kommentiert damit die amerikanische Vietnampolitik. In historischen Kostümen führt General Custer den Kampf gegen die indianischen Ureinwohner ins Zentrum des zeitgenössischen Paris. Als „Prärie“ dient die Baugrube der (ehemaligen) Großmarkthallen von Les Halles.

Donnerstag, 21.06.2018
18:00 Uhr

ML_LuceCinecitta

Einführung:
Lena Trüper (Kunsthistorikerin)

LA GRANDE BOUFFE  Das große Fressen


Frankreich/Italien 1973. R: Marco Ferreri
D: Marcello Mastroianni, Michel Piccoli, Philippe Noiret. 130 Min. 35mm. franz. OmeU

fressen

Ferreris bissige Karikatur der französischen Bourgeoisie sorgte 1973 für einen Skandal. Vier Männer aus der feinen Gesellschaft treffen sich in Begleitung einer Lehrerin und dreier Prostituierter in einer Villa zum Festmahl. Ihr Ziel ist es, sich zu Tode zu fressen. Den Weg dahin erzählt Ferreri detailverliebt in genüsslich vulgären Bildern.

Freitag, 22.06.2018
20:00 Uhr

Mittwoch, 27.06.2018
18:00 Uhr

ML_LuceCinecitta

Einführung am 22.06.:
Stefanie Plappert (Deutsches Filminstitut)

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