CARTE BLANCHE: KATJA EICHINGER

FILM & DESIRE

CARTE BLANCHE: KATJA EICHINGER

In unserer Reihe CARTE BLANCHE wählen Akteure aus der Filmbranche acht Filme aus und erläutern zum Auftakt, warum diese bedeutsam für sie sind. Den Zuschauern eröffnet sich so eine neue Perspektive auf die Filme.

 

Katja Eichinger (*1971) wuchs in Kassel auf und studierte Film-Theorie am British Film Institute. Als Filmjournalistin lernte sie den deutschen Filmproduzenten Bernd Eichinger kennen, den sie 2006 heiratete. Derzeit schreibt Katja Eichinger an der Biographie ihres im Januar 2011 verstorbenen Mannes.

“Ich begehre, also bin ich. Deswegen stellt Film eine existenzielle Erfahrung dar. Film ist die ‚industry of desire‘ – sowohl Motor als auch Spiegel für unsere Begierden. Einige Tage vor dem Tod meines Mannes, Bernd Eichinger, sprachen wir über Platons Höhlengleichnis. Er stellte fest, dass es sich dabei doch um die perfekte Metapher für das Kino handele. In der Tat war die Suche nach dem ερως (eros) sein Lebensthema. Ein guter Film flüstert seinem Publikum Geheimnisse zu. Er verführt den, der verführt werden will. Bernd war ein Meister seines Fachs, ein Verführer. Dass ich hier nun die Filme vorstellen darf, die mich verführt haben und deren Geheimnisse zu meiner Lebensgeschichte wurden, hat deswegen mit Bernd zu tun, weil uns unsere identischen Sehnsüchte zueinander führten. Lindsay Andersons IF… (1968) ist dabei der erste Film dieser Reise. Die Punk-Ballade ist der Grund, warum ich 1990 nach England ging. Der Film weckte in mir die Sehnsucht nach Freiheit und Anarchie. In England blieb ich, bis Bernd – wie Malcolm McDowell ein verwundeter Internatszögling – mich 2006 wieder nach Deutschland holte. Die Begierde ist ein weites Land, in das wir fliehen, um der Banalität und dem Schmerz zu entkommen. Sie ist auch ein Trost, denn in meiner Vorstellung hat Bernd nun den Höhlenausgang erreicht und blickt direkt hinein: in das herrliche Licht des Eros.“ Katja Eichinger

Seien Sie regelmäßiger Gast der Carte Blanche von Katja Eichinger und nehmen Sie als Dankeschön ein einmaliges Andenken entgegen: Der von Katja Eichinger persönlich signierte Kunstdruck zeigt Bernd Eichinger am malerischen Film-Set im schottischen Pennan. Katja Eichinger hat das Foto selbst aufgenommen und wählte es nach dem Tod ihres Mannes als Motiv für die Trauerkarte. Sammeln Sie einfach fünf Eintrittskarten zur Carte Blanche und tauschen diese an der Museumskasse gegen einen der exklusiven 50 Kunstdrucke ein.

 


IF…

Großbritannien 1968. R: Lindsay Anderson
D: Malcolm McDowell, David Wood, Christine Noonan. 111 Min. 35mm. OF

Der Film spielt in einer englischen Privatschule, in der Brutalität und körperliche Strafen an der Tagesordnung sind. Die jüngeren werden von ihren älteren Mitschülern beaufsichtigt, häufig erniedrigt und gequält. Doch schließlich setzen sich die Opfer gegen ihre Peiniger zur Wehr – ob im Traum oder in der Realität, bleibt im Unklaren. Das Lexikon des internationalen Films schrieb über den Film, er zeige eine „mit erschreckendem Realismus und zahlreichen, symbolischen Einschüben inszenierte Internatsgeschichte“ und sei „eines der Hauptwerke des britischen Kinos der sechziger Jahre“.

Sonntag, 01.04.2012
20:00 Uhr

Zu Gast:
Katja Eichinger

DAS PARFUM – DIE GESCHICHTE EINES MÖRDERS

Deutschland/Frankreich/Spanien/USA 2006. R: Tom Tykwer
D: Ben Whishaw, Dustin Hoffman, Alan Rickman. 147 Min. 35mm. OmU

Jean-Baptiste Grenouille kommt 1738 unter einem Schlachttisch auf einem Pariser Fischmarkt zur Welt. Das Kind hat keinen eigenen Körpergeruch, jedoch eine besondere Gabe: Es kann unzählige Gerüche voneinander unterscheiden. Eines Tages entdeckt der Parfümeur Baldini das Ausnahmetalent und lehrt Grenouille das Handwerk der schönen Düfte. Doch Baldinis Mittel sind beschränkt – und Grenouilles Wunsch, den Dingen ihren Duft zu rauben, wird zur mörderischen Obsession. Produzent Bernd Eichinger ließ die als „unverfilmbar“ geltende Geschichte des Romanciers Patrick Süskind unter der Regie von Tom Tykwer mit 5.200 Statisten und knapp 70 Schauspielern lebendig werden.

Donnerstag, 19.04.2012
17:30 Uhr

Sonntag, 29.04.2012
20:30 Uhr

Katja Eichiger erklärt, warum sie diesen Film ausgewählt hat

VERTIGO Aus dem Reich der Toten

USA 1958. R: Alfred Hitchcock
D: James Stewart, Kim Novak, Barbara Bel Geddes. 128 Min. 35mm. OF

Der ehemalige Polizeibeamte Scottie Ferguson (James Stewart) leidet unter starken Schuldgefühlen und Höhenangst, seit sein Kollege bei dem Versuch, ihn zu retten, ums Leben kam. Eines Tages beauftragt ihn ein ehemaliger Schulfreund, seine selbstmordgefährdete Frau Madeleine (Kim Novak) zu beschatten. Als Madeleine in eine Bucht springt, gelingt es Scottie, sie zu retten. Er verliebt sich in sie, doch die junge Frau hütet ein finsteres Geheimnis. „VERTIGO gehört zu den zwei, drei besten Filmen Hitchcocks, und er ist derjenige, in dem er am meisten von sich preisgibt“, schrieb Roger Ebert von der Chicago Sun-Times.

Samstag, 14.04.2012
20:30 Uhr

Katja Eichiger erklärt, warum sie diesen Film ausgewählt hat

MY OWN PRIVATE IDAHO My Private Idaho – Das Ende der Unschuld

USA 1991. R: Gus van Sant
D: Keanu Reeves, River Phoenix, James Russo. 104 Min. 35mm. OmU

Der Straßenjunge Mike Waters (River Phoenix) verdingt sich gemeinsam mit Scott (Keanu Reeves), dem Sohn des Bürgermeisters, als schwuler Stricher. Mike leidet unter einer Schlaf-Wach-Störung, weshalb er häufig in tiefe Träume verfällt, die ihn zurückführen zu seiner Mutter und der Geborgenheit seiner Kindheit. Schließlich machen sich die beiden Männer auf die Suche nach der Mutter. Gus van Sant transferierte William Shakespeares Historiendrama Heinrich IV. in die Stricher- und Drogenszene von Portland und schuf eine sehenswerte Mischung aus dichterischem Drama, Roadmovie und Sozialstudie.

Mitwoch, 04.04.2012
20:30 Uhr

Ostersonntag, 08.04.2012
20:30 Uhr

Katja Eichiger erklärt, warum sie diesen Film ausgewählt hat

GENTLEMEN PREFER BLONDES  Blondinen bevorzugt

USA 1953. R: Howard Hawks
D: Marilyn Monroe, Jane Russell, Elliott Reid. 91 Min. 35mm. OF

Das mittellose Showgirl Lorelei (Marilyn Monroe) ist mit dem reichen Gus liiert. Dessen Vater lehnt die Beziehung strikt ab, da er der attraktiven Tänzerin reine Habgier unterstellt. Lorelei macht sich daher mit ihrer Freundin Dorothy (Jane Russell) auf den Weg nach Paris, um ihren Angebeteten heimlich zu heiraten. Auf der Überfahrt kommt es jedoch zu Komplikationen: Der Vater hat einen Privatdetektiv auf Lorelei angesetzt, dem die Reize des Mädchens nicht verborgen bleiben. Zu den eindrücklichsten Momenten in Hawk‘s Film gehört die Szene in der Marilyn Monroe „Diamonds are a Girls best friends“ singt

Samstag, 07.04.2012
20:30 Uhr

Freitag, 13.04.2012
18:00 Uhr

Katja Eichiger erklärt, warum sie diesen Film ausgewählt hat

LAST EXIT TO BROOKLYN  Letzte Ausfahrt Brooklyn

BRD, USA 1989. R: Uli Edel
D: Stephen Lang, Jennifer Jason Leigh, Burt Young. 103 Min. 35mm. OF

Anfang der fünfziger Jahre herrscht in Brooklyn wegen eines Arbeiterstreiks der Ausnahmezustand. Der Alltag ist von Hass, Gewalt und Verzweiflung bestimmt, dem jeder zu entkommen versucht: So entdeckt der verheiratete Gewerkschafter Harry (Stephen Lang) seine Homosexualität, während der Transvestit Georgette (Alexis Arquette) um Anerkennung kämpft. Auch die 18-jährige Prostituierte Tralala (Jennifer Jason Leigh) hat ihren Traum von der großen Liebe noch nicht aufgegeben. Die dramatische Verfilmung des Romans von Hubert Selby zeigt die Kehrseite des amerikanischen Traums von Freiheit und Wohlstand.

Mittwoch, 11.04.2012
20:30 Uhr

Sonntag, 15.04.2012
20:30 Uhr

Katja Eichiger erklärt, warum sie diesen Film ausgewählt hat

BLUE VELVET

USA 1986. R: David Lynch
D: Kyle MacLachlan, Isabella Rossellini, Dennis Hopper. 120 Min. 35mm. OF

Die Welt in der amerikanischen Kleinstadt Lumberton scheint ein wahres Idyll zu sein – bis der Student Jeffrey auf einem Rasen ein abgetrenntes, menschliches Ohr findet. Er übergibt es der örtlichen Polizei, die jedoch von ihren Ermittlungen nichts preisgeben möchte und den Studenten um Stillschweigen bittet. Jeffrey stellt nun selbst Nachforschungen an, und langsam entfaltet sich ein verhängnisvolles Geflecht aus Intrigen, Macht, Gewalt, Perversion und Psychose. „So ein abgeschnittenes Ohr kann – wie Sie wissen – mitunter wahre Abgründe auftun“, so David Lynch über seinen Film, der mittlerweile Kultstatus erreicht hat.

Mittwoch, 18.04.2012
20:30Uhr

Samstag, 28.04.2012
20:30 Uhr

Katja Eichiger erklärt, warum sie diesen Film ausgewählt hat

LOVE IS THE DEVIL: STUDY FOR A PORTRAIT OF FRANCIS BACON
Love is the Devil: Studie für ein Portrait von francis Bacon

Großbritannien 1997. R: John Maybury
D: Derek Jacobi, Daniel Craig, Tilda Swinton. 90 Min. 35mm. OmU

Im Swinging London der 1960er-Jahre überrascht der berühmte Künstler Francis Bacon den jungen Ganoven George Dyer beim Einbruch in sein Atelier. Doch anstatt ihn der Polizei auszuliefern, macht er George zu seinem Liebhaber. Der Kleinkriminelle wird zur Muse des Malers und inspiriert den Künstler zu einigen seiner erfolgreichsten Porträts. Doch Bacon betrügt seinen Geliebten mit anderen Männern, was fatale Folgen hat: Dyer flüchtet sich in Alkohol und Drogen und verliert allmählich jeden Halt. „Ich weiß nicht, ob ich einen zerstörerischen Dämon in mir habe; vielleicht ist die Liebe selbst der Teufel“, äußerte Francis Bacon einst über sich selbst.

Freitag, 27.04.2012
18:00 Uhr

Katja Eichiger erklärt, warum sie diesen Film ausgewählt hat

 

 

Newsletter abonnieren!
© 2017 Deutsches Filminstitut, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt am Main