Archäologie: Fiktion und Wirklichkeit

kingdom of heaven

Geschichte machen nicht nur Archäologen und Historiker; auch Filmemacher setzen sich mit archäologisch-historischen Themen auseinander. Mit eindrucksvollen Bildern erzählen sie spannende, emotionale Geschichten aus früheren Zeiten und zeigen auf lebendige Weise vergangene Lebenswelten und historische Ereignisse. Sie unterhalten mit verständlichen Interpretationen der Vergangenheit und erreichen ein viel größeres Publikum als Veranstaltungen archäologisch-historischer Öffentlichkeitsarbeit. So prägen Filmemacher, deren Arbeit bestimmten Regeln folgt, die der wissenschaftlichen Arbeitsweise von Archäologen und Historikern oft widersprechen, die populären Geschichtsbilder.

Im Herbst 2013 setzen die Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts und das Deutsche Filminstitut die Filmreihe „Archäologie: Fiktion und Wirklichkeit“ fort. Gezeigt werden Spielfilme mit archäologisch-historischem Bezug von den 1920er Jahren bis in die Gegenwart. Einführende Vorträge analysieren die darin präsentierten Geschichtsbilder, kontrastieren die filmischen Darstellungen mit aktuellen archäologischen Forschungen und ordnen sie in den kultur- und filmgeschichtlichen Kontext ein. Living History-Gruppen und die als Teil des Projekts „Archaeology in Contemporary Europe“ entwickelte Fotoausstellung „Arbeitsplatz Ausgrabung“ ergänzen das Programm.

 

KINGDOM OF HEAVEN  Königreich der Himmel

USA/Großbritannien/Spanien/Deutschland 2005. R: Ridley Scott
D: Orlando Bloom, Liam Neeson, Eva Green. 145 Min. 35mm. OmU

Koenigreich der Himmel - Kingdom of Heaven 27

 

Der visuell beeindruckende Historienfilm spielt zwischen dem Zweiten und Dritten Kreuzzug Ende des 12. Jahrhunderts n. Chr. Der junge Schmied Balian von Ibelin trauert über den Selbstmord seiner Frau, als Kreuzritter in seinem französischen Dorf eintreffen. Balian zieht mit ihnen ins Heilige Land.

Historienfilme leben von ihrer kostspieligen Ausstattung, von aufwendigen Kulissen, wallenden Kostümen und prachtvollen Requisiten. Aber wie haben sich die Menschen zur Zeit der Kreuzzüge tatsächlich gekleidet und gerüstet? Der Verein Die Milzener e.V. befasst sich mit der Rekonstruktion von Alltagsgegenständen dieser Zeit und präsentiert einen Teil dieser Arbeit: Vollgerüstete Darsteller geben einen Vorgeschmack auf Ridley Scotts Epos. Michael Kinzer vom Deutschen Filmmuseum stellt die Kinofassung dem 45 Minuten längeren Director’s Cut gegenüber.

 

 


Montag, 09.12.2013
Living History: 19:00 Uhr
Vortrag: 19:30 Uhr
Filmbeginn: 20:30 Uhr

 

 

VERGANGENE VERANSTALTUNGEN:

 

DIE NIBELUNGEN. SIEGFRIED

Deutschland 1924. R: Fritz Lang
D: Paul Richter, Margarethe Schön. 147 Min. 35mm
Klavierbegleitung: Uwe Oberg

siegfried

Fritz Lang kreierte ein filmisches Pendant zu dem deutschen Heldenepos, dem Nibelungenlied: Seiner monumentalen Wucht und den kühnen Bildentwürfen verdankt das Filmgedicht seinen Status als eines der wichtigsten Werke der deutschen Filmgeschichte. Die 2010 uraufgeführte Restaurierung der Murnau-Stiftung zeigt es erstmals in einer der Premierenfassung von 1924 gerecht werdenen Bildqualität. Der erste Teil erzählt in sieben Gesängen das Leben des Helden Siegfried, der einen Drachen erschlägt, den sagenhaften Nibelungenschatz erbeutet und die schöne Kriemhild ehelicht, bevor sich das Schicksal gegen ihn wendet.

Sonntag, 10.11.2013
Vortrag: 11:00 Uhr
Filmbeginn: 11:30 Uhr

DIE NIBELUNGEN. KRIEMHILDS RACHE

Deutschland 1924. R: Fritz Lang
D: Margarethe Schön, Rudolf Klein-Rogge. 117 Min. 35mm
Klavierbegleitung: Uwe Oberg

Kriemhilds Rache 11

Nach der Ermordung ihres geliebten Mannes Siegfried widmet Kriemhild ihr Leben der Rache an seinem Mörder, Hagen von Tronje, und dessen Komplizen. Sie heiratet den Hunnenkönig Etzel. Anlässlich der Geburt ihres Kindes lädt das Paar die Verwandtschaft zu einem Festmahl ein, das in einem blutigen Kampf mündet, an dessen Ende Kriemhild ihre Rache vollzogen sieht.

Mehr als zwei Jahre benötigte Fritz Lang für die Vorbereitung seines Werks DIE NIBELUNGEN. Zu seiner Zeit war der Film eines der teuersten, aber auch eines der am besten recherchierten Projekte. Seine filmischen Qualitäten hallen ebenso bis heute nach wie seine aktuelle Aussage. Die Referentin Patricia Rahemipour berichtet über die Entstehung des Films und versucht die Frage zu beantworten, ob und wie Fritz Lang die „Darstellung der deutschen Seele“ mit seinem Film gelang.

Sonntag, 17.11.2013
Vortrag: 11:00 Uhr
Filmbeginn: 11:30 Uhr

DIE HERRMANNSCHLACHT

Deutschland 1924. R: Leo König
D: Georg Schmieter, Antonie Jaeckel, Mia Pantau. 54 Min. DVD
Klavierbegleitung: Uwe Oberg

hermannschlacht

DIE HERMANNSCHLACHT wurde großteils im Teutoburger Wald und auf der Saalburg gedreht. Gezeigt wird die aufwendig nachgespielte berühmte Schlacht zwischen Römern und Germanen im Jahre 9 n. Chr. sowie die Intrigen im Hintergrund der Schlacht. Das Bestreben, östlich des Rheins eine römische Provinz einzurichten, wurde durch den Aufstand des germanischen Adeligen Arminius (Hermann) zurückgeworfen. Seine Männer siegten über ein großes römisches Heer unter Varus. Nicht vollständig überliefert, ist dieser Film dennoch ein bemerkenswertes Dokument der Geschichtsrezeption in den 1920er Jahren. Der Frankfurter Archäologe Siegmar von Schnurbein berichtet über die archäologisch-historischen Hintergründe der HERMANNSCHLACHT; Winfried Günther vom Deutschen Filmmuseum gibt eine filmhistorische Einführung zu Leo Königs Werk. Darsteller der „Legio Prima Germanica Augusta“ präsentieren Rekonstruktionen zeitgenössischer Waffen und militärischer Ausrüstung.

Montag, 30.09.2013
Living History: 19:00 Uhr
Vortrag: 19:30 Uhr
Filmbeginn: 20:30 Uhr

 

DEATH ON NILE  Tod auf dem Nil

Großbritannien 1978. R: John Guillermin
D: Peter Ustinov, Bette Davis, David Niven, Jane Birkin. 140 Min. 35mm. OF

nil

Der belgische Detektiv Hercule Poirot beobachtet, wie die Amerikanerin Linnet Ridgeway, die ihre Flitterwochen in Ägypten verbringt, fast einem vermeintlichen Mordanschlag zum Opfer fällt, und nimmt die Ermittlungen auf. Als Schauplätze für die Verfilmung von Agatha Christies Roman dienten unter anderem die Tempelanlagen von Karnak und Abu Simbel.

Den wenigsten ist bekannt, dass Agatha Christie in zweiter Ehe mit dem Archäologen Max Mallowan verheiratet war und viele Jahre auf Ausgrabungen in Syrien und im Irak verbrachte. Die Schriftstellerin drehte zwei Filme, die auf humorvolle Weise einen einzigartigen Einblick in den Grabungsalltag und das Zusammenleben im Expeditionshaus bieten. Charlotte Trümpler, die das Material von Agatha Christies Tochter erhalten hat, gibt einen Einblick in das Leben der Autorin im Orient, das sie zu den weltberühmten Krimis Mord im Orient-Express und Tod auf dem Nil inspirierte.

Montag, 07.10.2013
Vortrag: 19:00 Uhr
Filmbeginn: 20:30 Uhr


Bisherige Veranstaltungen der Reihe:

Donnerstag, 9. Mai 2013, 19 Uhr: THE TEN COMMANDMENTS

Donnerstag, 4. April 2013, 19 Uhr: BEN-HUR

Dezember 2012: AQUÄDUKTE UND OTTERNASEN

Oktober 2012: VON GÖTTERN UND MENSCHEN

Juni 2012: INDIANA JONES

 

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