AKIRA KUROSAWA

AKIRA KUROSAWA

Das 150-jährige Jubiläum der deutsch-japanischen Beziehungen nehmen wir zum Anlass für eine Werkschau des bedeutenden japanischen Filmregisseurs Akira Kurosawa.

Akira Kurosawa, 1910 in Tokio geboren, entstammt einer alten Samurai-Familie und genoss von seinem Vater eine traditionelle Erziehung in einer Zeit, in der die westliche Kultur immer mehr an Einfluss in der japanischen Gesellschaft gewann. Obwohl er sich schon früh dem Film hingezogen fühlte, wandte er sich zunächst der Malerei zu, bis er mit 26 Jahren eine Stelle als Regieassistent annahm.

Bereits mit seinem ersten Film JUDO SAGA, den er 1943 während des Krieges drehte, feierte er in Japan große Erfolge. International bekannt wurde Kurosawa mit RASHOMON, für den er 1951 den Goldenen Löwen in Venedig gewann und der das japanische Kino im Westen bekannt machte.

Seine Filme sind geprägt von westlich-östlichen Wechselbeziehungen. So übten einerseits Regisseure aus dem Westen einen großen Einfluss auf ihn aus – eines seiner großen Vorbilder war John Ford –, während er andererseits Filmemacher wie John Sturges und Sergio Leone mit seinen Historienfilmen inspirierte. Seine Shakespeare-Adaptionen weisen traditionelle japanische Elemente des stilisierten No-Theaters auf.


SUGATA SANSHIRÔ Jûdô-Saga

JP 1943. R: Akira Kurosawa
D: Denjirô Ôkouchi, Susumu Fujita. 91 Min. 35 mm. OmeU

SUGATA SANSHIRÔ Jûdô-Saga © 1943 Toho Co. Ltd.

Akira Kurosawas Regiedebüt schildert die Geschichte des jungen Sanshirô, der sich dem Jûdô-Meister Yano anschließt. In dessen Schule erlernt er jedoch nicht nur die Kunst des Kampfes. Der weise Meister fordert von Sanshirô eine geistige Entwicklung, sodass der Schüler mit sich und seinem ungestümen Wesen ringen muss. Als er sich in die Tochter seines Meisters verliebt, zieht sich Sanshirô obendrein den Zorn eines Jûjutsu-Meisters zu, der ebenfalls ein Auge auf sie geworfen hat. Der Film war stilbildend für Kurosawas Werk: Typische Elemente wie die auffallenden Schnitte oder die Nutzung von Wetterphänomenen kommen zum Einsatz. Dem Regisseur gelang ein erfolgreiches Erstlingswerk, das mit seiner Inszenierung des Meister-Schüler-Verhältnisses sowie dem finalen, sturmumtosten Duell für Generationen von Martial-Arts- Filmen prägend war.

Mittwoch, 02.11.2011
20:30 Uhr

WAGA SEISHUN NI KUINASHI Jugend ohne Reue

JP 1946. R: Akira Kurosawa
D: Setsuko Hara, Denjiro Okochi. 110 Min. 35 mm. OmeU

WAGA SEISHUN NI KUINASHI Jugend ohne Reue © 1944 Toho Co. Ltd.

Die verwöhnte Yukie (Setsuko Hara), Tochter aus gutem Hause, verliert unter dem Militärregime ihren Mann und wird der Spionage verdächtigt. Sie vollzieht eine beeindruckende Wandlung, tritt das Erbe ihres Mannes an und schuftet auf den Feldern ihrer Schwiegereltern, wo die Dorfkinder sie als Verräterin verhöhnen. Doch an ihrem stählernen Willen prallen Hass und Anfeindungen der Dörfler ab. Kurosawa greift wichtige Themen der Demokratisierung Japans auf, vor allem die Emanzipation der Frau und den Umgang mit den wenigen aufrechten Demokraten während der faschistischen Militärdiktatur. Zugleich beklagt der Film den inneren Riss, der durch die japanische Gesellschaft ging, und verdeutlicht, was nationalistische Verblendung anrichten kann.

Freitag, 04.11.2011
18:00 Uhr

RAN

JP 1985. R: Akira Kurosawa
D: Tatsuya Nakadai, Akira Terao, Jinpachi Nezu. 160 Min. 35 mm. OmeU

RAN

Der alternde Fürst Hidetora will sein Reich unter seinen drei Söhnen aufteilen. Als der Jüngste den Plan kritisiert, verstößt ihn Hidetora. Getrieben von Ehrgeiz, Neid und Gier verbünden sich die beiden verbliebenen Söhne nun zuerst gegen ihren Vater, um sich dann gegenseitig zu bekriegen. Dem Wahnsinn verfallen durchstreift Hidetora sein brennendes Reich und erkennt, dass er nur von seinem jüngsten Sohn wirklich geliebt wurde. Viele Jahre hatte Kurosawa Geld gesammelt, Storyboards und Designstudien entwickelt, um sich auf RAN vorzubereiten. Die Vision einer alptraumhaften Welt voll surrealer Bilder überragt mit ihrer schieren Bildgewalt alle anderen Werke Kurosawas.

Sonntag, 13.11.2011
20:30 Uhr

Mittwoch, 16.11.2011
20:30 Uhr


NORA INU Der streunende Hund

JP 1949. R: Akira Kurosawa
D: Toshiro Mifune, Takashi Shimura. 122 Min. 35 mm. OmeU

NORA INU Der streunende Hund © 1949 Toho Co. Ltd.

Tokio ächzt unter einer Hitzewelle, als dem jungen Polizisten Murakami von einem Taschendieb die geladene Dienstwaffe gestohlen wird. Wie besessen macht Murakami sich auf die Suche nach seinem Colt und irrt kreuz und quer durch hektische Märkte, zwielichtige Hinterhöfe und rauchgeschwängerte Tanzlokale. Dann wird seine Waffe für einen Raubüberfall benutzt, und Murakami bekommt den erfahrenen Inspektor Satô zur Seite gestellt, der den jungen Kollegen auf die richtige Spur bringt. Kurosawa wollte einen Krimi im Stile von Georges Simenon drehen und nutzte dafür Mittel, die auch bei den italienischen Neorealisten zum Einsatz kamen. Die greifbare Hitze, die Ruinen des zerbombten Tokio und der Kampf der Menschen ums Überleben sind allgegenwärtig in diesem atmosphärisch dichten Thriller.

Freitag, 18.11.2011
18:00 Uhr

TSUBAKI SANJURO Sanjuro

JP 1962. R: Akira Kurosawa
D: Toshiro Mifune, Tatsuya Nakadai, Yuzo Kayama. 96 Min. 35 mm. OmeU

TSUBAKI SANJURO Sanjuro

Die Geschichte erzählt von Sanjuro, der zwischen die Fronten zweier sich bekämpfender Clans gerät. Er schließt sich einer kleinen Gruppe junger Samurai an, um die kriminellen Machenschaften des Hofaufsehers und dessen rechter Hand Muroto aufzudecken. Kurosawa verwischt die Grenzen zwischen Gut und Böse.

Samstag, 19.11.2011
20:30 Uhr

HAKUCHI Der Idiot

JP 1951. R: Akira Kurosawa
D: Setsuko Hara, Masayuki Mori, Toshiro Mifune. 166 Min. 35 mm. OmU

HAKUCHI Der Idiot

Zurück aus dem Krieg ist Kameda in seiner Heimat Hokkaido zwischen zwei Frauen hin- und hergerissen. Sein kindliches Gemüt und seine emotionale Instabilität führen ihn immer näher an den Rand des Wahnsinns. Bei seiner ersten Verfilmung einer westlichen Literaturvorlage versuchte Kurosawa, das Original so getreu wie möglich in den japanischen Kontext zu übertragen.

Sonntag, 20.11.2011
20:30 Uhr

SHICHININ NO SAMURAI Die sieben Samurai

JP 1954. R: Akira Kurosawa
D: Takashi Shimura, Toshiro Mifune, Yoshio Inaba. 206 Min. 35 mm. OmU

SHICHININ NO SAMURAI Die sieben Samurai

Japan im Mittelalter, der Zeit der Bürgerkriege. Ein Dorf wird regelmäßig von Banditen geplündert. Als die Bauern von einem bevorstehenden Angriff erfahren, heuern sie den Samurai Kanbei an, um den Widerstand zu organisieren. Kanbei versammelt sechs Gefährten um sich und baut das Dorf zu einer Festung aus. Ein ungleicher Kampf auf Leben und Tod steht bevor.

Mittwoch, 23.11.2011
20:30 Uhr

IKIMONO NO KIROKU Ein Leben in Furcht

JP 1955. R: Akira Kurosawa
D: Toshiro Mifune, Eiko Miyoshi, Yutaka Sasa. 101 Min. 35 mm. OmeU

IKIMONO NO KIROKU Ein Leben in Furcht

Der Unternehmer Nakajima möchte mit seiner Familie gegen deren Willen unbedingt nach Südamerika auswandern. Als er für unzurechnungsfähig erklärt werden soll, stellt sich heraus, dass Nakajima seine Familie vor der atomaren Vernichtung in Sicherheit bringen will. Hintergrund des Films sind die Atombombentests der USA im Frühjahr 1954 auf dem Bikini-Atoll, die auch die Crew eines japanischen Fischerboots verstrahlten. Angesichts der nur wenige Jahre zurückliegenden Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki reagierte die japanische Öffentlichkeit mit Empörung. Es entstand eine Protestbewegung, aus der auch der von Regisseur Ishirô Honda geschaffene Monsterfilm GODZILLA (1954) hervorging.

Freitag, 25.11.2011
18:00 Uhr

KUMONOSU-JO Das Schloss im Spinnwebwald

JP 1957. R: Akira Kurosawa
D: Toshiro Mifune, Isuzu Yamada, Minoru Chiaki. 108 Min. 35 mm. OmeU

KUMONOSU-JO Das Schloss im Spinnwebwald

Die Samurai Washizu und Miki begegnen im Spinnwebwald einer Hexe, die ihnen erfolgreiche Karrieren vorhersagt. Angestachelt durch die Prophezeiung ermordet Washizu seinen Fürsten und nimmt mit Mikis Unterstützung dessen Platz ein. Doch die Hexe sah auch voraus, dass Mikis Sohn ihm nachfolgen würde. So lässt Washizu – krank vor Ehrgeiz – auch seinen Freund Miki ermorden. Kurosawa brachte in diesem Film europäische und japanische Theatertradition zusammen: Shakespeares Drama um den Aufstieg und Niedergang des Macbeth und die formalisierte Ästhetik des Nô-Theaters.

Samstag, 26.11.2011
20.30 Uhr

RASHOMON Das Lustwäldchen

JP 1950. R: Akira Kurosawa
D: Toshiro Mifune, Masayuki Mori, Machiko Kyo. 88 Min. 35 mm. OmeU

RASHOMON Das Lustwäldchen

Ein heißer Sommertag, ein kleines Wäldchen und ein rätselhaftes Verbrechen: Der gefürchtete Bandit Tajomaru überfällt einen Samurai, wobei dieser zu Tode kommt, und vergewaltigt dessen Frau. Im Zuge des Gerichtsverfahrens bezichtigen sich alle Beteiligten, auch der tote Samurai in Gestalt eines Mediums, der Tat. Der Film schildert, wie Menschen zur Aufrechterhaltung ihrer Selbstachtung die Realität unterschiedlich interpretieren, und thematisiert unbewusste Lüge und Selbsttäuschung. Dank unvergesslicher, am Stummfilm orientierter darstellerischer Leistungen, innovativer Kameraführung und einer kräftigen Prise Gesellschaftskritik entstand ein zeitloses Meisterwerk.

Gezeigt wird eine neue digitale Restaurierung aus der Sammlung des National Film Center/ National Museum.

Sonntag, 27.11.2011
20:30 Uhr

TENGOKU TO JIGOKU Zwischen Himmel und Hölle

JP 1963. R: Akira Kurosawa
D: Toshiro Mifune, Kyoko Kagawa, Tatsuya Nakadai. 143 Min. 35 mm. OmU

TENGOKU TO JIGOKU Zwischen Himmel und Hölle

Während der Manager Gondo gerade den Coup seines Lebens einfädelt, wird sein Sohn entführt. Die Bezahlung des Lösegeldes würde Gondo ruinieren, da er sich hoch verschuldet hat. Doch es stellt sich heraus, dass durch eine Verwechslung der Sohn seines Chauffeurs entführt wurde, was Gondos Gewissen auf die Probe stellt. Die zweigeteilte Struktur des Films reflektiert die allgegenwärtige Kritik an der ungleichen Verteilung von Reichtum in einer modernen Gesellschaft. Zwischen Gondôs herrschaftlicher Villa, von der man auf die Stadt herabblickt, und den Lebensumständen des Entführers, der sich in der Hafengegend von Yokohama bewegt, klafft ein gigantischer Abgrund, der Neid und Missgunst nährt.

Mittwoch, 30.11.2011
20:30 Uhr

In Zusammenarbeit mit der Japan Foundation Tokyo/Köln.

Die Werkschau wird neben Frankfurt auch in Köln, München, Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Nürnberg zu sehen sein.

Unser besonderer Dank gilt Klaus Volkmar vom Filmmuseum München.

 

Newsletter abonnieren!
© 2017 Deutsches Filminstitut, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt am Main