AFRICA ALIVE

Der Arabische Frühling und die revolutionären Bewegungen in Nordafrika sind Themenschwerpunkt des Africa-Alive-Festivals, das vom 1. bis 7. Februar zum 18. Mal im Kino des Deutschen Filmmuseums stattfindet. Im Dezember 2010 begann sich die Zivilgesellschaft in der nordafrikanischen und arabischen Welt zu erheben. Zunächst rebellierten die Menschen in Tunesien gegen das herrschende Regime, dann begannen Unruhen in Algerien, und am 25. Januar 2011 kam es schließlich in Ägypten zu Aufständen, die zur Revolution führen sollten. Die Welle des Protestes erreichte schließlich Marokko und den Jemen, bis sich im Februar auch in Libyen das Volk erhob. Seitdem blickt die Welt gebannt nach Nordafrika. Der Themenschwerpunkt Nordafrika mit Filmen aus Ägypten und Tunesien wird durch ein Algerien-Special ergänzt. Das Land feiert im Juni 50 Jahre Unabhängigkeit.

Gefördert mit Mitteln der Hessischen Filmförderung

Mit freundlicher Unterstützung von: Filmhaus Frankfurt

 


LE MEC IDÉAL The Perfect Guy

Elfenbeinküste 2010. R: Owell A. Brown.
D: Mike Danon, Emma Lohoues, Serge Abessolo, Marie-Louise Asseue.110 Min. DVCam. OmeU

Im gutbürgerlichen Milieu von Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, betreibt die junge Estelle gegen den Willen ihrer Eltern erfolgreich einen Hairstyle-Salon. Diese sind der Tradition verbunden und begegnen Estelles jungen Verehrern aus dem Viertel mit Misstrauen. Insbesondere Marcus, der eine kleine Wäscherei unterhält, versucht, mit Hilfe eines Freundes Estelles Herz zu gewinnen und sorgt dabei für allerhand Turbulenzen. Die mit viel Selbstironie gedrehte romantische Komödie zeichnet ein faszinierendes Bild der modernen afrikanischen Stadtkultur. Beim FESPACO Filmfestival 2011 erhielt der zweite Spielfilm des jungen, talentierten Owell A. Brown den Etalon de bronze (3. Preis) und war ein großer Publikumserfolg.

Mittwoch, 01.02.2012
20:30 Uhr

Sonntag, 05.02.2012
12:00 Uhr

PLUS JAMAIS PEUR No More Fear

Tunesien 2011. R: Mourad Ben Cheikh.
Mitwirkende: Radhia Nasraoui, Karem Cherif, Lina Ben Mheni. Dokumentarfilm. 74 Min. HDCam. arab. OmeU

NO MORE FEAR: Der Filmtitel steht programmatisch für einen der ersten Dokumentarfilme über die tunesische Revolution. Er porträtiert drei politische Aktivisten, die bereits vor der Revolution mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatten: die Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Radhia Nasraoui, die unter Ben Alis Regime schwersten Repressionen ausgesetzt war, den Journalisten Karem Cherif, der Wachen gegen Plünderer organisiert hat, und die Bloggerin Lina Ben Mheni, die durch ihre Berichte von den ersten Demonstrationen in Sidi Bouzid erst Tunesien und später die ganze Welt auf die Ereignisse aufmerksam machte. Allen drei Protagonisten ist als wichtigste Errungenschaft der Revolution eines gemein: Sie haben die Angst überwunden.

Donnerstag, 02.02.2012
18:00 Uhr

MAMNOU Forbidden

Ägypten/Spanien 2011. R: Amal Ramsis
Dokumentarfilm. 67 Min. DVD. OmeU

Im Oktober 2010 begann die Regisseurin Amal Ramsis mit der Arbeit an einem Dokumentarfilm und ahnte nicht, dass drei Monate später die Ereignisse in Kairo das Ende ihres Films prägen würden. MAMNOU bildet die Atmosphäre ab, die in Ägypten vor Ausbruch der Revolution im Januar 2011 herrschte. Er dokumentiert die vielen Verbote der Mubarak-Ära, die den politischen und sozialen Alltag bestimmten. Ramsis spart nicht an Ironie, etwa wenn sie ihre Landsleute fragt, gegen wie viele Verbote sie heute schon verstoßen hätten. Aus der Idee, zu diesem Thema einen Film zu drehen, wurde eine Dokumentation der aufgestauten Wut, die zum Aufstand führte. Der Film zeigt, wie die Ägypter ihren Alltag bestreiten mussten – bis der Traum der Revolution Wirklichkeit wurde.

Freitag, 03.02.2012
18:00 Uhr

PÉGASE Pegasus

Marokko 2009. R: Mohamed Mouftakir.
D: Majdouline Drissi, Sadia Ladib, Driss Roukh.103 Min. 35mm. OmeU

Die auf dem Land aufgewachsene Rihana wird schwer traumatisiert in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Sie glaubt, schwanger zu sein, und erwähnt dabei Zayd, einen jungen Mann aus ihrem Dorf. Gleichzeitig erzählt sie jedoch ebenso vom „Herrn der Pferde“, einem immer wiederkehrenden, Angst einflößenden Dämon. Was ist der Ursprung ihrer wenig plausiblen Geschichten, entstammen die Dämonen wirklich nur ihrer Fantasie? Die behandelnde Ärztin Zineb versucht, hinter das Geheimnis zu kommen, und dringt immer tiefer in die Vergangenheit des Mädchens ein. Der verstörende Film erhielt den Etalon d’or (1. Preis) beim FESPACO Filmfestival 2011 und führt mit eindringlichen Bildern in die Abgründe eines traumatisierten Bewusstseins.

Freitag, 03.02.2012
20:30 Uhr

MAMA AFRICA

Deutschland/Südafrika/Finnland 2011. R: Mika Kaurismäki.
Dokumentarfilm. 91 Min. DCP. OmU.

Der Film ist eine Hommage an die außergewöhnliche, südafrikanische Sängerin, Miriam Makeba (1932-2008), die wie keine andere Frau die Stimme und Hoffnung Afrikas verkörperte und gleichzeitig ein internationales Publikum begeisterte. Makeba hat ein halbes Jahrhundert lang die Welt bereist und ihre Botschaft gegen Rassismus, Armut und für Gerechtigkeit und Frieden verbreitet. Gleichwohl ist sie ihren südafrikanischen Wurzeln immer treu geblieben, musste jedoch bereits 1959 ins Exil, nachdem sie in dem kritischen Dokumentarfilm COME BACK, AFRICA mitgewirkt hatte. Auch in den USA wurde Makeba berühmt und verzeichnete 1967 mit Pata Pata ihren ersten großen Welthit. Mit seltenen Aufnahmen und Interviews zeichnet der Film den Lebensweg einer großen Sängerin nach.

Freitag, 03.02.2012
22:30 Uhr

Samstag, 04.02.2012
22:45 Uhr

ITHEMBA

USA/Simbabwe 2010. R: Elinor Burkett, Errol Webber.
Dokumentarfilm. 72 Min. DVD. OmeU

In einem Land wie Simbabwe mit extrem hoher Aids-Rate, Unterernährung und fehlender ärztlicher Versorgung ist das Leben für Menschen mit Behinderung kaum zu bewältigen. Die acht Mitglieder der Band „Liyana“, die alle körperlich behindert sind, nehmen ihr Schicksal gegen alle Widrigkeiten mit Humor und singen in traditionellen Rhythmen von „Ithemba“ – der Hoffnung, sich mit Musik Freiheit zu erobern. Und tatsächlich faszinieren die außergewöhnlichen Musiker weniger wegen ihres Umgangs mit dem Schicksal als mit Witz, Talent und Charisma. ITHEMBA gewann den diesjährigen Ousmane-Sembene- Preis, der von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit ausgelobt wird und während des Zansibar International Film Festivals zum vierten Mal vergeben wurde.

Samstag, 04.02.2012
16:00 Uhr

LAïCITÉ INCH’ALLAH

Tunesien/Frankreich 2011. R: Nadia El Fani.
Dokumentarfilm. 75 Min. HDCam. arab/frz OmeU

Einige Monate vor der tunesischen Revolution hatte Nadia El Fani im August 2010 während des Ramadan mit den Dreharbeiten zu ihrem Film begonnen. Sie wollte ein Tunesien zeichnen, das sich für Touristen offen gibt, aber von der Ben-Ali-Zensur und der islamischen Gesellschaftsauffassung dominiert wird, und das, trotz seiner teils fortschrittlichen Gesetze. Doch im Januar 2011 erhebt sich das Volk, Diktator Ben Ali verlässt das Land, und überall finden von Optimismus getragene Versammlungen statt. Die Regisseurin ist bei dem Umsturz dabei und stellt ihre Bilder des Aufbruchs an den Anfang des Films. Sie dokumentiert die Diskussionen über die Trennung von Religion und Staat sowie über die Rolle der Frau. Noch ist unklar, wohin sich die Revolution entwickeln wird.

Samstag, 04.02.2012
18:00 Uhr

NOTRE ÉTRANGÈRE

Burkina Faso/Frankreich 2009. R: Sara Bouyain.
D: Dorylia Calmel, Assita Ouédraogo, Nathalie Richard. 82 Min. 35mm, OmeU

Amy, die Tochter einer Burkinabé und eines Franzosen, verbringt ihre frühe Kindheit bei ihrer Tante Asita in Bobo-Dioulasse. Mit acht Jahren holt ihr Vater sie nach Frankreich, doch geht Amy nach dessen Tod nach Burkina Faso zurück, um ihre leibliche Mutter zu suchen. Sie trifft auf einen Teil ihrer Familie, stellt jedoch fest, dass sie sich dort ebenso fremd fühlt wie in Frankreich. In einer parallel dargestellten Geschichte lebt die 45-jährige Mariam am Rande der Gesellschaft als Haushaltshilfe in Paris und bringt der gut situierten Ester die Sprache ihrer Heimat Burkina Faso bei. NOTRE ÉTRANGÈRE erzählt von Heimatlosigkeit und kultureller Entfremdung und verwebt die Schicksale der Protagonistinnen auf berührende Weise.

Samstag, 04.02.2012
20:30 Uhr

Zu Gast:
Hauptdarstellerin Dorylia Calmel

VORTRAG: „Filme als Seismographen der Revolte?“

 

Kuratorin Irit Neidhardt stellt in ihrem Vortrag die Situation der ägyptischen Filmemacher vor den Umbrüchen dar und erläutert, wie die Filmproduktion die politischen Veränderungen aufgegriffen hat.

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Sonntag, 05.02.2012
16:30 Uhr

TAHRIR 2011: THE GOOD, THE BAD AND THE POLITICIAN

Ägypten/Frankreich 2011. R: Tamer Ezzat, Ayten Amin, Amr Salama.
Dokumentarfilm. 90 Min. HDCam. OmeU

Der Dokumentarfilm der Regisseure Tamer Ezzat, Ayten Amin und Amr Salama, die alle aktiv an der Revolution teilgenommen haben, nähert sich den Ereignissen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Im ersten Kapitel „The Good“ kommen die Helden des Alltags zu Wort. Tamer Ezzat besucht mit ihnen noch einmal die zentralen Orte des Protests und zeigt bislang nicht veröffentlichtes Material. Ayten Amin versucht in „The Bad“ zu ergründen, wie die ägyptische Polizei ihre Gewalttaten rechtfertigt, und findet tatsächlich Beamte, die erzählen, wie sie zwischen Staatstreue und Sympathie für die Protestierenden hin- und hergerissen waren. Mit „The Politician“ widmet sich Amr Salama dem Diktator selbst – auf erstaunlich humorvolle Weise.

Sonntag, 05.02.2012
18:00 Uhr

VIVA RIVA!

Dem. Rep. Kongo/Frankreich/Belgien 2010. R: Djo Tunda Wa Munga.
D: Patsha Bay Mukuna, Manie Malone, Hoji Fortuna. 98 Min. DCP. OmU.

In Kinshasa, der Hauptstadt der Volksrepublik Kongo, ist die Benzinknappheit ein Dauerproblem. Doch diesmal ist die Lage offenbar richtig ernst und die Könige des Schwarzmarktes erwarten ein glänzendes Geschäft. Sie wollen aus dem benachbarten Angola Benzin einschmuggeln. Der smarte Riva hat gute Beziehungen in Angola aufgebaut und wittert seine große Chance auf Macht und Geld. Doch verguckt er sich ausgerechnet in die schöne Freundin seines mächtigen Gegenspielers und wird in einen blutigen Unterweltkampf verwickelt. In dem rasant gedrehten Thriller beginnt ein Tanz auf dem Vulkan; Sex, Gier und Gewalt treiben die atemlos erzählte Geschichte voran.

Sonntag, 05.02.2012
20:30 Uhr

VOYAGE À ALGER Rihla lla Aljazayr

Algerien 2009. R: Abdelkrim Bahloul.
D: Samia Meziane, Sami Ahedda. 97 Min. 35 mm. OmeU

1962 hat in Algerien die Unabhängigkeitsbewegung gesiegt. Eine junge Witwe und sechsfache Mutter in Saida, deren Mann gefallen ist und die alles verloren hat, bekommt von einem Franzosen sein Haus überlassen. Doch ein Staatsbeamter nimmt das Haus einfach in Besitz. Die Frau macht sich auf den Weg nach Algier, um den neuen Präsidenten um Unterstützung zu bitten. Abdelkrim Bahloul erzählt eine Geschichte nach einer wahren Begebenheit und führt den Zuschauer in das junge, unabhängige Algerien. Sein Film, der ausschließlich in Algerien gedreht wurde, gewann sowohl bei den Journées Cinématographiques des Carthage 2010 (Tunesien) als auch beim FESPACO Filmfestival 2011 in Burkina Faso mehrere Preise.

Dienstag, 07.02.2012
18:00 Uhr

LE POIDS DU SERMENT Das Gewicht des Gelübdes

Burkina Faso 2009. R: Kollo Daniel Sanou.
D: Bintou Sombié, Fousséni Cissoko, Mamadou Zerbo. 87 Min. 35mm. OmU

Die beiden Freunde Sibiri und Nyama gehören den Dozos, einer Bruderschaft von Jägern, an und haben sich Treue und Loyalität geschworen. Als sie wieder gemeinsam auf der Jagd sind, stößt Sibiri seinen Freund in einen Brunnen, weil er heimlich in dessen Frau Sarah verliebt ist. Zurück im Dorf, lässt er Nyama für tot erklären. Monate später kehrt der an Amnesie leidende Nyama, der sich inzwischen einer Sekte angeschlossen hat, ins Dorf zurück. Sibiri wird unter dem Eindruck der Wiederbegegnung mit Nyama langsam wahnsinnig.

Dienstag, 07.02.2012
20:30 Uhr

Zu Gast:
Kollo Daniel Sanou

 

 

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