Newsletter abonnieren!

Kino und Couch 2015

Filmtermine 2015 im Deutschen Filmmuseum, Schaumainkai 41, Frankfurt

Die Faszination des Bösen ist in Film und Kino präsent, wie bereits seit Jahrhunderten in der Literatur. Obwohl gesellschaftlich verpönt geht vom Bösen eine Anziehungskraft und düstere Schönheit aus – diese Ambivalenz macht es zu einem interessanten Gegenstand nicht nur für die Psychoanalyse. Was aber ist eigentlich „das Böse“?
In der Reihe Kino & Couch zeigt das Kino des Deutschen Filmmuseums zusammen mit dem Frankfurter Psychoanalytischen Institut ausgewählte Filme, die sich auf eine Spurensuche zu den dunklen Seiten des Lebens begeben.
An die Vorführung schließt sich ein Dialog aus psychoanalytischer und filmkritischer Perspektive sowie eine Diskussion mit dem Publikum an.

Die Teilnahme an den einzelnen Veranstaltungen wird jeweils mit 2 Punkten zertifiziert.
Der Kinoeintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro.
Info/Kartenreservierung unter Tel.: 069-961 220 220

 

Donnerstag, 18.06. 20:00 Uhr

BLUE VELVET

USA 1986
R: David Lynch
D: Kyle MacLachlan, Isabella Rossellini, Dennis Hopper, Laura Dern
120 Min. 35mm. OF
Filmkritischer Kommentar: Jakob Hofmann
Psychoanalytischer Kommentar: Ilka Quindeau

BLUE VELVET

In diesem modernen Film noir erzählt David Lynch die Geschichte des Collegestudenten Jeffrey Beaumont, der in einer idyllischen amerikanischen Kleinstadt lebt – und eines Tages ein abgeschnittenes Ohr findet. In der Folge wird er in einen Strudel aus Gewalt, Korruption und Perversion gezogen, der ihn zu verschlingen droht, ihn aber dennoch fasziniert. Die Gefährdung der gesellschaftlichen Ordnung geht zwar zunächst von einem gewalttätigen „Psychopathen“ aus, doch werden nach und nach alle Protagonisten in das Spiel von Gewalt und Lust verstrickt. Bei der Uraufführung noch kontrovers diskutiert, gilt BLUE VELVET, der weltweit mit über 20 Filmpreisen ausgezeichnet wurde, heute als Kultfilm.

 

Donnerstag, 10.09. 20.00 Uhr

FUNNY GAMES

Österreich 1997
R: Michael Haneke
D: Susanne Lothar, Ulrich Mühe, Arno Frisch, Frank Giering
106 Min. 35mm
Filmkritischer Kommentar: Christiane von Wahlert
Psychoanalytischer Kommentar: Reinhard Otte

FUNNY GAMES

In Michael Hanekes verstörendem Werk spielt Ulrich Mühe einen Familienvater, der zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn in einem abgelegenen Ferienhaus Urlaub macht. Was als Familienglück beginnt, wird zum Alptraum: Schon am ersten Urlaubstag werden sie von zwei jugendlichen Unbekannten heimgesucht, die sich bald als gnadenlos grausame Sadisten entpuppen. Bis zum nächsten Morgen töten sie einen nach dem anderen, ohne dass ihr Verhalten psychologisch oder soziologisch motiviert erscheint. FUNNY GAMES ist nicht nur Medienkritik, sondern eine philosophische Reflexion über Schuld, Gewalt und Voyeurismus.

 

Donnerstag, 15.10. 20.00 Uhr

LES DIABOLIQUES
Die Teuflischen

Frankreich 1955
R: Henri-Georges Clouzot
D: Paul Meurisse, Vera Clouzot, Simone Signoret
114 Min. 35mm. OmeU
Filmkritischer Kommentar: Karsten Visarius
Psychoanalytischer Kommentar: Hanna Gekle

LES DIABOLIQUES Die Teuflischen

Dem packend beklemmenden und hintergründigen Psychothriller von Henri-Georges Clouzot im Stil des Film noir gedreht, gelingt es, die Spannung bis zum Schluss zu bewahren. Michel Delasalle (Paul Meurisse), sadistischer Direktor eines tristen französischen Provinzinternats, quält und demütigt seine herzkranke Frau Christine (Vera Clouzot) – und auch seine Geliebte Nicole (Simone Signoret) ist vor seiner Tyrannei nicht sicher. Gemeinsam beschließen die beiden Frauen, Michel umzubringen. Ihr Plan scheint aufzugehen – doch dann verschwindet die Leiche, und merkwürdige Zwischenfälle häufen sich.

 

Donnerstag, 12.11. 20.00 Uhr

TOUCH OF EVIL
Im Zeichen des Bösen

USA 1958
R: Orson Welles
D: Charlton Heston, Janet Leigh, Orson Welles
95 Min. DCP. OF
Filmkritischer Kommentar: Werner Schneider-Quindeau
Psychoanalytischer Kommentar: Jörg Scharff

TOUCH OF EVIL Im Zeichen des Bösen

Eigentlich wollten der mexikanische Drogenfahnder Mike Vargas und seine Frau Susan ihre Flitterwochen in einer mexikanischen Kleinstadt verbringen, doch als auf der amerikanischen Seite der Grenze eine Autobombe explodiert, schaltet sich Vargas in die Ermittlungen seiner amerikanischen Kollegen ein – und stößt dabei auf Polizeichef Hank Quinlan, der seine ganz eigenen Vorstellungen von Recht und Ordnung, Gut und Böse hat. TOUCH OF EVIL war Orson Welles’ letzte Hollywood-Regiearbeit. Für die Erfahrungen der Ambiguität des Menschen im Grenzbereich zwischen Gut und Böse imaginiert er einen Kosmos, der die Kennzeichen eines albtraumhaften Labyrinths trägt: verzerrte und ständig wechselnde Perspektiven sowie die dauernde Präsenz von Gewalt.

 

Donnerstag, 10.12. 20.00 Uhr

ONLY LOVERS LEFT ALIVE

UK/DE 2013
R: Jim Jarmusch
D: Tilda Swinton, Tom Hiddelston, John Hurt, Mia Wasikowska
123 Min. DCP. OmU
Filmkritischer Kommentar: Heike Kühn
Psychoanalytischer Kommentar: Soheila Kiani-Dorff

ONLY LOVERS LEFT ALIVE

Vampir und Undergroundmusiker Adam versteckt sich in einer Villa in Detroit vor den Zumutungen der modernen Welt, während seine große Liebe Eve tausende Kilometer entfernt Zuflucht in der romantischen Kasbah von Tanger gefunden hat. Als sie spürt, dass ihr lebensmüder Gefährte seiner Unsterblichkeit ein Ende setzen will, macht sie sich sofort auf den Weg zu ihm. ONLY LOVERS LEFT ALIVE beschreibt die Liebesgeschichte zweier Vampire die seit Jahrhunderten ein Paar sind und deren Beziehung nun auf die Probe gestellt wird. Jarmusch selbst sieht Adam und Eve als Metaphern für den gegenwärtigen Zustand menschlichen Lebens, sie sind zerbrechlich, in Gefahr und empfindlich für das kurzsichtige Verhalten der Mächtigen.

Frankfurter Psychoanalytischen Institut – FPI

© 2016 Deutsches Filminstitut, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt am Main