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Über das Kino

Als erstes Filmtheater in direkter städtischer Trägerschaft, wurde das kommunale Kino 1971 gegründet. Seit der Neueröffnung des Deutschen Filmmuseums 2011 umfasst der Saal 131 Sitzplätze. Das Programm bietet einen Gegenpol zum aktuellen kommerziellen Kino. Neben der Präsentation anspruchsvoller Filme, steht die Vermittlung von Filmgeschichte und der Vielfalt filmischer Ausdrucksformen im Vordergrund.

Dem täglich wechselnden Programm stehen, als Höhepunkte des Kinojahres, die, vom Deutschen Filminstitut veranstalteten, renommierten Festivals zur Seite. Hier wird nicht nur besondere Filmkunst präsentiert, die Festivals sind auch ein Treffpunkt der internationalen Filmszene. Im Herbst wird das Kino zum Festivalzentrum für LUCAS – Internationales Festival für junge Filmfans und im Frühjahr werden alle hier Wettbewerbsbeiträge von goEast, Festival des mittel- und osteuropäischen Films, das in Wiesbaden stattfindet, präsentiert.

Zu den Kooperationspartnern des Filmmuseums zählen unter anderem die Frankfurter Museen und Kultureinrichtungen, Institute der Universitäten, ausländische Botschaften und Kulturinstitute, freie Kulturgruppen und Vereine, der Hessische Rundfunk, die Europäische Zentralbank sowie nationale und internationale Filmarchive und Institute.

 

Kinotechnik

Im Zuge des Umbaus im Jahr 2010/11 wurde die Kinotechnik aufwändig modernisiert. Seitdem lassen sich digitale DCP-Kopien in 2K-Qualität sowie alle gängigen Videoformate wie Beta-SP, Digibeta und HDCam abspielen. Auch die klassischen Formate sind selbstverständlich weiterhin möglich: von Super8 über 16mm und 35mm bis zu 70mm. Durch den Einsatz neuer Objektive sind die Projektionen schärfer als je zuvor. Auch 3D-Filme können projiziert werden, und Dolby-Digital sowie dts garantieren beste Tonqualität.

Der Kinosaal bietet insgesamt Platz für 131 Gäste. Das Kino des Deutschen Filmmuseums dankt allen Unterstützer, die eine Patenschaft für einen Kinosessel übernommen haben.

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Besonderer Dank gilt:
Kinofachplaner Gunter Oehme und seinem Engagement, ebenso Michael Besser für den professionellen Aus- und Wiedereinbau aller Geräte und der Bühnenkonstruktion.
Den Firmen Film Ton Technik und Ezcaray Internacional, welche die neue Vorführtechnik bzw. die Kinosessel lieferten.

Das Programm


Die grundlegende, auf das Kommunale Kino zurückgehende Idee, Filme im Kontext, in Reihen oder »andere Filme anders« zu zeigen, gilt bis heute. So setzt das Programm des Kinos des Deutschen Filmmuseums besondere Schwerpunkte: Die Reihe Klassiker und Raritäten zeigt sowohl Klassiker aus dem Kanon der internationalen Filmgeschichte als auch Dokumentar-, Kurz- und Experimentalfilme, die nur selten auf großer Leinwand zu sehen sind. Ein besonderes Erlebnis sind die Stummfilm-Matineen, bei denen Stummfilme live am Flügel begleitet werden.

Das Late Night Kultkino bietet als klassisches »Mitternachtskino« Extremes und Ungewöhnliches, Abseitiges und Subversives – Grenzüberschreitungen vom Trash bis hin zur künstlerischen Avantgarde. Es lockt am Wochenende Filmfans ins Kino, die längst zum Kult Erhobenes und neue Entdeckungen gemeinsam mit anderen Cineasten sehen wollen – als echtes Kinoerlebnis.

Monatlich gibt Kino des Deutschen Filmmuseums zwei Programmplätze in die Hände des jungen Filmclubs TREPPE 41. Jede und jeder ist eingeladen, geliebte Filme vorzustellen und so seine persönliche Begeisterung weiterzutragen und mit andere zu teilen.

Jeden Monat bilden zwei große Reihen die Schwerpunkte des regulären Programms. Die aufwändig kuratierten Reihen stehen oft in enger Beziehung zur jeweiligen Sonderausstellung. Mal sind sie als klassische Werkschau angelegt, mal bieten sie einen Überblick über die Filmproduktion einzelner Länder, mal entwerfen sie ein assoziatives Panorama zu bestimmten Genres oder Themen. Das können Reihen zu Regisseuren wie Akira Kurosawa, Charlie Chaplin oder Lars von Trier, zu Schauspielern wie Tilda Swinton, Josef Hader oder Gael García Bernal, zu Filmländern wie Indien, Griechenland oder Neuseeland, zu Themen wie Film noir, 3D-Film oder der Finanzkrise, sein.

 

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Der aktuellen deutschen Filmproduktion widmet sich die Reihe Was tut sich – im deutschen Film?, die das Kino des Museums gemeinsam mit der Fachzeitschrift epd Film veranstaltet. Dabei werden nicht nur repräsentative Beispiele des aktuellen deutschen Filmschaffens gezeigt – auch ihre Macher kommen zu Wort: Nach jeder Vorführung stellen sich Regisseure, Schauspieler und jeweils ein Filmkritiker in einem Werkstattgespräch der Diskussion mit dem Publikum.

Den Dialog mit dem Publikum stellt auch die Reihe Lecture&Film in Zusammenarbeit mit der Goethe Universität ins Zentrum. In einem Zyklus von Vorträgen nehmen Filmwissenschaftler spezifische Themen in den Blick und führen wissenschaftlich fundiert in die Filme der Reihe ein. Zuletzt waren Jean-Luc Godard, Agnes Varda und Ernst Lubitsch Thema der, auf ein Studienjahr ausgelegten Lehre-Reihe.


Kino als Diskussionsraum


Das Kino des Deutschen Filmmuseums versteht sich nicht ausschließlich als Projektions-, sondern auch als Diskussionsraum. Es will Position beziehen, den Austausch über Film in all seinen Facetten anregen und das Publikum mit den Filmemachern ins Gespräch bringen. Immer wieder lädt es deshalb Filmschaffende aus aller Welt ein, eigene Filme vorzustellen oder im Rahmen einer Carte Blanche Werke zu zeigen, die sie persönlich oder künstlerisch geprägt haben.
In den mehr als 40 Jahren seines Bestehens konnte das Kino bereits ein illustres Who-is-who der internationalen Filmwelt begrüßen: Wim Wenders, Volker Schlöndorff, Jean-Luc Godard, Federico Fellini, Christian Petzold, Dominik Graf, Maximilian Schell, Anthony Quinn, Senta Berger, Isabelle Huppert, Sophie Rois, Til Schweiger, Curd Jürgens, Mario Adorf, Geraldine Chaplin und viele mehr.

Geschichte des Kinos

Zur Zeit der Gründung des Frankfurter Kommunalen Kinos befanden sich Film und Kino der Bundesrepublik Deutschland in einer schweren Rezession. Aufgrund immer weiter sinkender Besucherzahlen musste eine große Anzahl von Filmtheatern schließen. Damit einher ging auch eine immer einseitigere Programmgestaltung, die sich auf tatsächlich oder vermeintlich publikumsträchtige Filme konzentrierte. Parallel bildete sich in den sechziger Jahren eine alternative Filmszene heraus, die in ihren Arbeiten neue formale und inhaltliche Wege ging. In dieser Situation entwickelte und propagierte der neu ernannte Kulturdezernent der Stadt Frankfurt am Main, Hilmar Hoffmann, ein Modell für ein Kino in städtischer Trägerschaft. Mit der Einrichtung des Kommunalen Kinos sollte der Film den anderen, ebenfalls subventionierten, darstellenden Künsten gleichgestellt werden, und er sollte, im Rahmen eines umfassenderen bildungspolitischen Auftrags, einem breiten Publikum als künstlerisch und gesellschaftlich bedeutsames Medium nahe gebracht werden.

Die im Verlauf des Jahres 1971 geführte Diskussion zwischen den Befürwortern des Kommunalen Kinos und den Betreibern kommerzieller Kinos über die Zulässigkeit und den Zweck eines städtisch geförderten Filmtheaters führte gegen Ende des Jahres zum Rechtsstreit: Fünf Kinobetreiber erhoben eine Unterlassungsklage gegen die Stadt. Das Hauptargument der Kläger war, dass die städtisch subventionierten Filmvorführungen eine unzulässige Konkurrenz darstellen würden. Am 3. Dezember wurde das Kommunale Kino gegen die Widerstände in Frankfurt offiziell mit einer Buster Keaton-Filmreihe eröffnet, und am 28. Januar 1972 wies die V. Kammer des Verwaltungsgerichts Frankfurt am Main die Klage zurück. Damit war auch juristisch der Weg geebnet für eine neue Form des Kinos, die in der Folgezeit in zahlreichen Städten Deutschlands verwirklicht werden sollte.

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Die Filmvorführungen fanden zunächst im Theater am Turm (TAT) statt. Von Anfang an war der Kinobetrieb im TAT als eine Übergangslösung geplant. Filme konnten nur an Tagen vorgeführt werden, an denen keine Theatervorstellung stattfand, oder spät abends, nach der Vorstellung. Am 13. Oktober 1972 zog das Kommunale Kino in das neu errichtete Historische Museum und bespielte einen Saal mit 178 Plätzen.

Im Juni 1984 eröffnete das Deutsche Filmmuseum, dessen Gründung zu einem entscheidenden Anteil auf die Arbeit des Kommunalen Kinos zurückgeht. Hier erhielt das Kino einen Saal mit ursprünglich 142 Plätzen und Vorführmöglichkeiten für Filmformate von 8 mm bis 70 mm sowie zahlreiche Tonformate. Stummfilme konnten in der jeweils richtigen Geschwindigkeit abgespielt, an einer WurliTzer-Kinoorgel oder am Flügel begleitet werden.

 

 

 

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