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Fassbinder – JETZT

Fassbinder – JETZT

Martin-Gropius-Bau, Berlin
6. Mai bis 23. August 2015

Neue Impulse für die Auseinandersetzung mit einem der bedeutendsten deutschen Filmregisseure setzt die Ausstellung des Deutschen Filmmuseums, Fassbinder – JETZT (6. Mai bis 23. August 2015), im Martin-Gropius-Bau Berlin. Anlass ist der 70. Geburtstag von Rainer Werner Fassbinder am 31. Mai. Die Präsentation macht deutlich, dass das filmische Werk Fassbinders thematisch und ästhetisch eng zusammenhängt und aufeinander aufbaut. Fassbinder – JETZT veranschaulicht darüber hinaus den Einfluss des Regisseurs auf die zeitgenössische Kunstproduktion. Die Ausstellung nimmt also eine doppelte Perspektive ein: eine historische und eine auf die Gegenwart bezogene.

So lädt sie dazu ein, anhand von Originaldokumenten Fassbinders Arbeitsweise zu erkunden. Darüber hinaus präsentiert sie Arbeiten der Kostümbildnerin Barbara Baum. Im zweiten Teil der Ausstellung werden Kompilationen aus Fassbinder-Filmen vergleichend zeitgenössischer Kunst gegenübergestellt. Zu sehen sind unter anderem Videoarbeiten von Runa Islam, Jeroen de Rijke / Willem de Rooij und Ming Wong sowie ikonische Fotografien von Jeff Wall.

Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin

Veranstalter:
Deutsches Filminstitut – DIF e.V. / Deutsches Filmmuseum Frankfurt am Main

In Kooperation mit der Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds

Pressekontakt:
ARTPRESS | + 49 (0) 30 48 49 63 50 | artpress@uteweingarten.de
Download Pressematerial: www.artpress-uteweingarten.de/presselounge

Rainer Werner Fassbinder Foundation

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Website: fassbinder-jetzt.deutsches-filmmuseum.de

Fassbinder-Berlin-Gropius-Bau-Copyright-Beat-Presser

Eröffnungsfeier im Martin-Gropius-Bau Berlin. Foto: © Beat Presser

Fassbinder – JETZT. Film und Videokunst
30. Oktober 2013 bis 1. Juni 2014

Die Kamera umkreist einen Mann und eine Frau – diesen „magischen“ Moment der ersten Begegnung eines Liebespaares inszenierte Rainer Werner Fassbinder (1945 – 1982) im Melodram MARTHA (1973) als schwindelerregende 360-Grad-Kamerafahrt. Für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen. Die Kamera umschlingt das Paar wie mit einem imaginären Band. Die berühmte Szene ist eine Hommage an die Illusionskraft des Kinos und bricht diese zugleich über die extreme Künstlichkeit der Inszenierung. Fassbinder verhindert die vollständige Identifikation des Zuschauers mit dem Geschehen und sensibilisiert ihn somit für die Mechanismen des Kinos. Die in Bangladesch geborene Künstlerin Runa Islam dekonstruiert und verschärft in TUIN (1998) dieses Fassbinder’sche Verfahren, indem sie die Szene verfremdet wieder aufführt. In ihrer Installation steht der Besucher inmitten dreier Leinwände, zwei davon gewähren ihm einen Blick hinter die Kulissen: Dort sieht er die Kamera und die für sie im Kreis gelegten Schienen. Zusätzlich kann er selbst um eine dritte, frei im Raum hängende Leinwand schreiten und somit die Kamerafahrt körperlich nachvollziehen. Auf diese Weise entzaubert Islam die Illusion der märchenhaften Begegnung: Sie macht die Mechanismen des filmischen Erzählens sichtbar und benutzt sie zugleich selbst.

Diese Videoarbeit ist neben sechs weiteren in der Ausstellung Fassbinder – JETZT. Film und Videokunst (30. Oktober 2013 bis 1. Juni 2014) im Deutschen Filmmuseum Frankfurt zu sehen. Ausschnitte aus Fassbinders Filmen – insgesamt mehr als 60 Filmminuten – verdeutlichen seine Themen und ästhetischen Verfahren. Ihnen vergleichend gegenübergestellt sind die Arbeiten zeitgenössischer Videokünstler. Diese schließen thematisch und ästhetisch an Fassbinders Werk an; sie greifen einzelne Motive heraus, stellen Szenen aus seinen Filmen nach und übertragen seine Themen in die Gegenwart. Der Vergleich zwischen Fassbinders Filmen und aktueller Videokunst soll Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede erfahrbar machen und einen neuen Blick auf beide ermöglichen. Die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler zeigen, was Fassbinders aktive Zeit mit der Gegenwart verbindet, was beide aber auch unterscheidet. Übergeordnet geht es darum, wie das Kino aktuelle künstlerische Medien prägt, sowie um die Frage, inwiefern die Grenze zwischen Film- und Videokunst im digitalen Zeitalter verschwimmt.

Die Ausstellung gewährt darüber hinaus Einblick in Fassbinders Schaffen und seine Persönlichkeit, sie gibt Aufschluss über seine künstlerische Haltung und Arbeitsweise: Ausschnitte aus Fernseh-Interviews (insgesamt rund 15 Minuten) sind zu sehen, Fotos von den Dreharbeiten sowie zahlreiche Originaldokumente aus dem Archiv der Rainer Werner Fassbinder Foundation Berlin, dem Kooperationspartner der Ausstellung. Das gesamte Filmmuseum ist als Ausstellungsraum genutzt: In beinahe allen Etagen sind Videos zu sehen, Fotos oder Dokumente ausgestellt. Im Kino des Filmmuseums vervollständigt eine umfangreiche Retrospektive mit Filmen Fassbinders sowie von Regisseuren, die er beeinflusst hat, die Schau.

Fassbinder hat in seiner aktiven Schaffenszeit zwischen 1966 und 1982 mehr als 40 Filme gedreht und dabei ein festes Repertoire an Themen und deren ästhetischer Umsetzung entwickelt. „Jede Farbe ist genau überlegt, jedes Bild vorbereitet“, erklärt er – tatsächlich zeichnet sein Werk eine enorm verdichtete Beziehung zwischen Inhalt und Form aus und hat bis heute einen hohen Wiedererkennungswert. Inhaltlich nahm er dabei besonders die bundesdeutsche Wirklichkeit der 1970er Jahre kritisch unter die Lupe, setzte den Fokus etwa auf die Ausgrenzung von Minderheiten, emotionale Ausbeutung in privaten Beziehungen und die Dysfunktion der Familie.

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Die niederländischen Künstler Jeroen de Rijke / Willem de Rooij inszenieren in MANDARIN DUCKS (2005) stereotype Figuren der Oberschicht; gerade mittels einer theatralischen Überzeichnung gelingt eine treffende Charakterisierung. Ohne sich direkt auf Fassbinder zu beziehen, manifestieren sich Äquivalenzen: Wie Fassbinder setzen de Rijke und de Rooij theatralisches Schauspiel, grellbuntes Licht und vielfache Spiegelungen ein, um ähnlich wie in Fassbinders CHINESISCHES ROULETTE (1976) die gleichsam dekadente wie misanthropische Upperclass abzubilden. Angetrieben sind die dargestellten Protagonisten von ökonomischen Interessen und der Suche nach sexueller Bestätigung, nach Reichtum, Ehre und Erfolg. Sie scheinen unfähig, eigene Wünsche abseits gesellschaftlicher Vorgaben zu entwickeln. De Rijke und de Rooij veranschaulichen die Wechselwirkungen zwischen individuellem Schicksal und gesellschaftlichen Strukturen. „Es ist die Gesellschaft, die den Menschen schlecht macht“, erklärte Fassbinder 1974.

Auf ganz andere Weise veranschaulicht Tom Geens diesen Zusammenhang. In YOU’RE THE STRANGER HERE (2009) entwirft er eine Horrorvision: Die Protagonistin lebt in einem Regime der Unterdrückung, in dem erschossen wird, wen eine rätselhafte Krankheit befällt. Es herrscht willkürliche Gewalt und ein unerträglicher gesellschaftlicher Druck. Dabei drehen sich die Opfer-Täter-Verhältnisse von Situation zu Situation. Diese Themen finden sich gleichermaßen in wichtigen Filmen Fassbinders wie DER HÄNDLER DER VIER JAHRESZEITEN (1971), DIE EHE DER MARIA BRAUN (1978) oder seinem Opus Magnum BERLIN ALEXANDERPLATZ (1979/80). Darüber hinaus ähneln sich die ästhetischen Verfahren: beengende familiäre Räume, vielfache bildimmanente Rahmungen und Spiegelungen sowie ein theatralisches Schauspiel.

Ganz unmittelbar bezieht sich der Künstler Ming Wong auf Fassbinder: Für die Videoarbeiten LERNE DEUTSCH MIT PETRA VON KANT/LEARN GERMAN WITH PETRA VON KANT (2007) und ANGST ESSEN/EAT FEAR (2008) stellt er Szenen aus den titelgebenden Filmen Fassbinders nach. Indem er alle Rollen selbst spielt, in gebrochenem Deutsch die Texte von Petra von Kant sowie Emmi und Ali nachspricht und deren Habitus imitiert, lässt er seine Reenactments zwischen Komik und Ernst changieren. Sie zeigen, dass Fassbinders Filme die außereuropäische Perspektive auf Deutschland bis heute mitbestimmen.

Die Ausstellung präsentiert in Kooperation mit der Rainer Werner Fassbinder Foundation Berlin (RWFF) Originaldokumente aus dem Archiv der RWFF: Drehbücher, Manuskripte, Briefe, Notizen und persönliche Mitteilungen. Vieles davon hatte Fassbinders Mutter, Liselotte Eder, aufbewahrt. Für die Ausstellung Fassbinder – JETZT. Film und Videokunst gab die Präsidentin der Foundation, Juliane Maria Lorenz, erstmals die Erlaubnis, alle Dokumente zu sichten. Das Deutsche Filmmuseum hat zahlreiche Schriften digitalisiert, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind. So kann unter anderem das Drehbuch zu LILI MARLEEN (BRD 1980; siehe Bild oben) digital durchgeblättert werden. Auch Fassbinders Skizzenbuch zu seinem nicht mehr verwirklichten Spielfilmprojekt BERLIN ALEXANDERPLATZ liegt als Reproduktion und Blätterbuch vor. Die digitalen Arbeitsdrehbücher sowie die in Vitrinen präsentierten Original-Dokumente bieten Gelegenheit, sich vertiefend mit dem bedeutenden deutschen Nachkriegsregisseur zu beschäftigen.

Den breiten Themenbogen der Ausstellung bildet der mehr als 300 Seiten starke Katalog in deutscher und englischer Ausgabe ab und weist noch darüber hinaus: So beschäftigen sich Autoren wie Brigitte Peucker, Cristina Nord und Thomas Elsaesser in ihren Beiträgen mit werkanalytischen Themen: „Fassbinder und das Kino der Gegenwart“ (Peucker), „Rainer Werner Fassbinder und das Fernsehen“ (Nord) und „Rückwirkende Voraussicht: Fassbinders DIE DRITTE GENERATION (Elsaesser). Ihren ganz persönlichen Bezug zu Fassbinder und seinem Schaffen beleuchten vier der sechs in der Ausstellung präsentierten Künstler in kurzen Texten: Tom Geens, Maryam Jafri, Jesper Just und Ming Wong.

Teilnehmende KünstlerInnen:

Tom Geens (geb. 1970, Belgien)
Runa Islam (geb. 1970, Bangladesch)
Maryam Jafri (geb. 1972, Pakistan)
Jesper Just (geb. 1974, Dänemark)
Jeroen de Rijke / Willem de Rooij (geb. 1970 Niederlande, gest. 2006, Ghana / geb. 1969 Niederlande)
Ming Wong (geb. 1971, Singapur)

 

Video „Eröffnungsfeier im Deutschen Filmmuseum“

 

Eröffnungsfeier im Deutschen Filmmuseum

Filmprogramm im April 2014

GÖTTER DER PEST
BRD 1970. R: Rainer Werner Fassbinder. 91 Min. 35mm
Di 08.04.2014, 18 Uhr

NIKLASHAUSER FART
BRD 1970. R: Rainer Werner Fassbinder. 86 Min. 35mm
Di 15.04.2014, 18 Uhr

AGNES UND SEINE BRÜDER
DE 2004. R: Oskar Roehler. 115 Min. 35mm
Vorfilm: NEON. DE 2002. R: Claus Withopf. 17 Min. 35mm
Fr 18.04.2014, 22:30 Uhr

IN EINEM JAHR MIT 13 MONDEN
BRD 1978. R: Rainer Werner Fassbinder. 124 Min. 35mm
Vorfilm: NEON. DE 2002. R: Claus Withopf. 17 Min. 35mm (nur am 21.)
Mo 21.04.2014, 20:30 Uhr
Di 29.04.2014, 18 Uhr

DER AMERIKANISCHE SOLDAT
BRD 1970. R: Rainer Werner Fassbinder. 80 Min. 35mm
Di 22.04.2014, 18 Uhr

HÄNDLER DER VIER JAHRESZEITEN
BRD 1972. R: Rainer Werner Fassbinder. 89 Min. 35mmZu Gast: Irm Herrmann
Fr 25.04.2014, 20:15 Uhr

DIE 120 TAGE VON BOTTROP
DE 1997. R: Christoph Schlingensief. 60 Min. 16mm
Einführung: Irm Herrmann
Fr 25.04.2014, 22:45 Uhr

DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER
DE 1990. R: Christoph Schlingensief. 63 Min. 16mm
Sa 19.04.2014, 22:30 Uhr
Sa, 26.04.2014, 22:30 Uhr

 

März

Filmprogramm im März 2014

FONTANE EFFI BRIEST
BRD 1974. R: Rainer Werner Fassbinder. 140 Min. 35mm
Mi 05.03. 18:00 Uhr; Sa 08.03. 18:00 Uhr

SATANSBRATEN
BRD 1976. R: Rainer Werner Fassbinder. 116 Min. 35mm
Mi 12.03. 18:00 Uhr; Sa 15.03. 18:00 Uhr

PIONIERE IN INGOLSTADT
BRD 1970. R: Rainer Werner Fassbinder. 84 Min. 35mm

QUERELLE
BRD/FR 1982. R: Rainer Werner Fassbinder. 107 Min. Blu-ray
Sa 22.03. 18:00 Uhr; Mi 26.03. 18:00 Uhr

Special: Führung, Film und Cuba Libre
An drei Samstagen im März können Interessierte eine Führung durch die Fassbinder-Ausstellung mit einerFilmvorstellung verbinden: Um 16.30 Uhr beginnt die Führung, um 17.30 Uhr gibt es Cuba Libre und um 18 Uhr beginnt der Film.
Termine: Samstag, 8. / 15. / 22. März
Kosten: 16 Euro / ermäßigt 12 Euro.

Februar

Filmprogramm im Februar 2014

ALI IM PARADIES
Ägypten/Deutschland 2011. R: Viola Shafik. 92 Min. OmeU
Fr 07.02. 20:30 Uhr

ANGST ESSEN SEELE AUF
BRD 1973. R: Rainer Werner Fassbinder. 93 Min.
Vorfilm: ANGST ISST SEELE AUF. R: Shabaz Noshir 13 Min.
So 09.02. 18:00 Uhr // Di 11.02. 20:30 Uhr

HÄNDLER DER VIER JAHERSZEITEN
BRD 1972. R: Rainer Werner Fassbinder. 89 Min.
Do 13.02. 18:00 Uhr // Fr 14.02. 20:30 Uhr

DIE BITTEREN TRÄNEN DER PETRA VON KANT
BRD 1972. R: Rainer Werner Fassbinder. 124 Min.
So 23.02. 18:00 Uhr // Di 25.02. 20:30 Uhr

MARTHA
BRD 1973. R: Rainer Werner Fassbinder. 112 Min.
Do 20.02. 18:00 Uhr // Do 27.02. 18:00 Uhr

WHITY
BRD 1970. R: Rainer Werner Fassbinder. 95 Min.
So 16.02. 18:00 Uhr // Di 18.02. 20:30 Uhr

Januar

Filmprogramm im Januar 2014

DIE EHE DER MARIA BRAUN
BRD 1979. R: Rainer Werner Fassbinder. 120 Min.
Do 02.01. 20:30 Uhr // Sa 04.01. 15:30 Uhr

DIE SEHNSUCHT DER VERONIKA VOSS
BRD 1982. R: Rainer Werner Fassbinder. 104 Min.
Sa 11.01. 16:00 Uhr // Di 14.01. 18:00 Uhr

MUTTER KÜSTERS‘ FAHRT ZUM HIMMEL
BRD 1976. R: Rainer Werner Fassbinder. 102 Min.
Sa 18.01. 16:00 Uhr // Di 21.01. 18:00 Uhr

DEUTSCHLAND IM HERBST
BRD 1978. R: Rainer Werner Fassbinder. 123 Min.
Di 28.01. 18:00 Uhr

DIE 120 TAGE VON BOTTROP
Deutschland 1997. R: Christoph Schlingensief. 60 Min.
Fr 17.01. 22:30 Uhr // Sa 25.01. 22:30 Uhr

BERLIN – ALEXANDERPLATZ
Deutschland  1931. R: Phil Jutzi. 89 Min.
Di 07.01. 18:00 Uhr

Dezember

Filmprogramm im Dezember 2013

KATZELMACHER
BRD 1969. R: Rainer Werner Fassbinder. 88 Min.
Di 10.12. 20:30 Uhr // Fr 13.12. 20:30 Uhr

RIO DAS MORTES
BRD 1970. R: Rainer Werner Fassbinder. 84 Min.
So 15.12. 18:00 Uhr // Di 17.12. 20:30 Uhr

TROPFEN AUF HEISSE STEINE
FR 2000. R: François Ozon. 90 Min.
Do 19.12. 18:00 Uhr // Fr 20.12. 20:30 Uhr

FAUSTRECHT DER FREIHEIT
BRD 1974. R: Rainer Werner Fassbinder. 123 Min.
So 22.12. 18:00 Uhr // Do 26.12. 18:00 Uhr

LOLA
BRD 1981. R: Rainer Werner Fassbinder. 115 Min.
Fr 27.12. 20:30 Uhr // So 29.12. 18:00 Uhr

November

Filmprogramm im November 2013

LIEBE IST KÄLTER ALS DER TOD
BRD 1969. R: Rainer Werner Fassbinder. 88 Min.
So 03.11. 18:00 Uhr // Di 05.11. 20:30 Uhr

WARNUNG VOR EINER HEILIGEN NUTTE
BRD 1970. R: Rainer Werner Fassbinder. 103 Min.
Do 07.11. 17:30 Uhr // Fr 08.11. 20:30 Uhr

ANGST VOR DER ANGST
BRD 1975. R: Rainer Werner Fassbinder. 87 Min.
So 10.11. 18:00 Uhr // Di 12.11. 20:30 Uhr

LOVE IS A TREASURE
Finnland 2010. R: Rainer Werner Fassbinder. 57 Min.
So 10.11. 18:00 Uhr // Di 12.11. 20:30 Uhr

CHINESISCHES ROULETTE
BRD 1976. R: Rainer Werner Fassbinder. 86 Min.
So 17.11. 18.00 Uhr //  Di 19.11. 20:30 Uhr

DIE DRITTE GENERATION
BRD 1979. R: Rainer Werner Fassbinder. 105 Min.
Do 21.11. 17:30 Uhr // Fr 22.11. 20:30 Uhr

LILI MARLEEN
BRD 1981. R: Rainer Werner Fassbinder. 120 Min.
Di 26.11. 20:30 Uhr //  Do 28.11. 18:00 Uhr

Katalog: Fassbinder – JETZT. Film und Videokunst

Rainer Werner Fassbinder erklärte im März 1982, drei Monate vor seinem Tod: „Ich glaube nicht an Video […] Ich glaube nicht, dass man durch die Videotechnik den Film ersetzen kann.“ Umgekehrt glaubten die damaligen Videokünstler nicht an das Kino, schreibt Anna Fricke, Kuratorin der Ausstellung Fassbinder – JETZT. Film und Videokunst (30. Oktober 2013 bis 1. Juni 2014) im Deutschen Filmmuseum, in ihrem Beitrag für den Katalog, der begleitend zur Ausstellung in deutscher und englischer Sprache erscheint. So hätten sich Wolf Vostell und Nam June Paik in ihrer künstlerisch-kritischen Auseinandersetzung zunächst auf das Fernsehen konzentriert. Bezüge aufs Kino? Fehlanzeige! Das änderte sich grundlegend erst in den 90er Jahren, schreibt Fricke weiter, als bildende Künstler sich beinahe schlagartig begannen, für das Kino zu interessieren. Film und Videokunst ist der Untertitel der Ausstellung Fassbinder – JETZT, die untersucht, wie sich zeitgenössische Videokünstler heute auf die Themen und ästhetischen Strategien Fassbinders beziehen und ihn so mit der Gegenwart verbinden. In ihrem Beitrag gibt Fricke gleichsam den Rahmen für das Thema der Ausstellung und legt dar, wie sich Video- und andere Bildende Künstler seit den 90er Jahren bis heute mit Fassbinder auseinandersetzen, von Monica Bonvicini über Rirkrit Tiravanija und Brice Dellsperger bis Ming Wong.

Wie das Kino und die filmische Ästhetik nach und nach den Weg in die Kunstmuseen gefunden haben, analysiert Ursula Frohne an zahlreichen Beispielen in ihrem Text „Expanded Fassbinder – Zum ästhetischen Nachleben des Kinos in der Gegenwartskunst“. Sie macht Cinephilen im Zeitalter der Allgegenwart digitaler Bilder Mut, wenn sie mit Verweis auf Jacques Rancière befindet: „Paradoxerweise gelingt es dem Kino gerade in seinen ,neuen Mischformen‘, die es mit der Kunst in das Museum hinein verlängert, sich zu regenerieren und über sich selbst hinauszuwirken.“

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Der mehr als 300 Seiten starke Katalog bietet Gelegenheit, sich vertiefend mit der Ausstellung zu befassen: In mehreren Kompilationen veranschaulichen Ausschnitte aus Fassbinder-Filmen dessen Themen sowie sein gewaltiges Repertoire an ästhetischen Verfahren. Diese werden vergleichend den Arbeiten von sechs zeitgenössischen Videokünstlern gegenübergestellt. Darüber hinaus erlauben die von der Rainer Werner Fassbinder Foundation Berlin, dem Kooperationspartner der Ausstellung, zur Verfügung gestellten Exponate – Drehbücher, Dokumente, Korrespondenzen, Notizen, Fotos – Einblicke in Fassbinders Denken und Arbeitsweise.Diesen breiten Themenbogen der Ausstellung bildet der Katalog ab und weist noch darüber hinaus: So beschäftigen sich Autoren wie Brigitte Peucker, Cristina Nord und Thomas Elsaesser in ihren Beiträgen zunächst mit werkanalytischen Themen: „Fassbinder und das Kino der Gegenwart“ (Peucker), „Rainer Werner Fassbinder und das Fernsehen“ (Nord) und „Rückwirkende Voraussicht: Fassbinders DIE DRITTE GENERATION (Elsaesser).

„Formen von Ausschließung, Unterdrückung, Ausbeutung und (Selbst-) Zerstörung. Gewalt und Macht gehören zur Grundausstattung der Gegenwart, wie Fassbinder sie gesehen hat“, schreibt Nisaar Ulama in seinem Text „Geschichten der Gewalt: Wie Tom Geens und Rainer Werner Fassbinder von möglicher Gegenwart und konkreter Vergangenheit erzählen“. Dieser untersucht, ausgehend von Fassbinder, Bezüge zwischen Tom Geens Kurzfilm YOU’RE THE STRANGER HERE, in dem dieser eine Gesellschaft der Angst und Unterdrückung zeichnet, und Fassbinders Werk.

Ihren ganz persönlichen Bezug zu Fassbinder und seinem Schaffen beleuchten vier der sechs in der Ausstellung präsentierten Künstler in kurzen Texten: Tom Geens, Maryam Jafri, Jesper Just und Ming Wong. Außerdem in der Ausstellung präsent sind Runa Islam und Jeroen de Rijke / Willem de Rooij. Mit den Werken der Videokünstler setzen sich Ralf Michael Fischer, Bridget Crone, Lilian Haberer, die am Ausstellungsprojekt als kuratorische Assistenz beteiligte Svetlana Svyatskaya sowie Anna Fricke in präzisen Analysen auseinander. Hans-Peter Reichmann, Archivleiter des Deutschen Filmmuseums, lässt zum Ausklang des Katalogs erahnen, welche Schätze sich unter den tausenden Dokumenten finden, die das Rainer Werner Fassbinder-Archiv hütet, darunter etwa das sichtlich kaputt-benutzte Arbeitsdrehbuch zu LILI MARLEEN (1980) mit zahlreichen handschriftlichen Notizen und Kommentaren des bedeutenden deutschen Nachkriegsregisseurs.

Vervollständigt wird der Katalog, der in deutscher und englischer Ausgabe erscheint, durch eine Filmografie Fassbinders. Eine mehr als 100 Seiten lange Bilderstrecke lässt den Betrachter eintauchen in die Werke der beteiligten Künstler. Sie erlaubt den Vergleich der ästhetischen Verfahren am Einzelbild und macht die bildsprachlichen Bezüge in den Werken der Videokünstler auf Fassbinder sichtbar.

 

Katalog: Fassbinder – JETZT. Film und Videokunst
Herausgeber: Deutsches Filminstitut Frankfurt am Main und Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin
Kataloggestaltung: Sabine Pflitsch und Andreas Tetzlaff (probsteibooks, Köln)
Verkaufspreis: 25 Euro


Im Augenblick gibt es neben der Ausstellung  und der Filmreihe keine speziellen Fassbinder-Veranstaltungen bei uns im Programm.

 

Deutsches Filmmuseum
Schaumainkai 41
60596 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten

Di, Do–So 10–18 Uhr
Mi 10–20 Uhr
Mo geschlossen

Eintritt

Erwachsene 8 € (ermäßigt 6 €)
Kombiticket Sonderausstellung + Dauerausstellung: 11 € (ermäßigt 8 €)

Kino

7 € (ermäßigt 5 €)

 

 

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin. Sie wird gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der Stadt Frankfurt am Main, der Hessischen Kulturstiftung und der Art Mentor Foundation Lucerne. Weiterer Kooperationspartner ist die B3 Biennale des bewegten Bildes.

Rainer Werner Fassbinder Foundation  Kulturfonds Frankfurt RheinMain  log_stadt_frankfurt_4c     hks_Logo_4cARTMENTOR_Logo_farbig     B3_X100pt_pos

 

© 2016 Deutsches Filminstitut, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt am Main