PEDRO COSTA

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Der Portugiese Pedro Costa ist einer der radikalsten und eigenwilligsten Filmemacher unserer Zeit. Seit 1997 hat er es zu seiner Aufgabe gemacht, das Leben der Ausgestoßenen der Gesellschaft, die im Lissaboner Armenviertel Fontainhas leben, filmisch zu dokumentieren. Ohne vorherbestimmte Strukturen beruhen die Filme von Pedro Costa auf Erinnerungssplittern seiner (Laien-) Darsteller aus Fontainhas – reflektiert durch Costas Blick auf die (Film-)Geschichte. So gelingen ihm einfühlsame Einblicke in eine Gemeinschaft am Rande der Gesellschaft.

„We make films on high seas, and as we do not have a book of laws, we work in a very dark area, which is memory.“
Pedro Costa

OSSOS Haut und Knochen

Portugal 1997. R: Pedro Costa
D: Vanda Duarte, Nuno Vaz, Maria Lipkina, Isabel Ruth. 94 Min. 35mm. OmeU

Ossos

„Tina […] ist abgestumpft durch die Armut und Enge ihrer Existenz und kämpft mit psychischen Problemen. Auch ihre neue Rolle als Mutter überfordert sie: Sie dreht den Gashahn auf. Für das Baby ist diese Kurzschlussreaktion nur die erste von vielen Gefahren, denen es ausgesetzt ist. OSSOS erzählt nicht nur von materieller Not und Armut, sondern auch von der Armut der Gefühle, von der Unfähigkeit zu kommunizieren, zu lieben und Liebe anzunehmen. Dabei kommentiert, wertet oder moralisiert Costa nicht: In schonungslosen und zugleich poetischen Bildern beobachtet er seine Figuren, […] die weder ihre innere noch äußere Enge ihrer Herkunft überwinden können.“ Birgit Kohler

 

Freitag, 13.11.2015
20:30 Uhr

NO QUARTO DA VANDA In Vandas Zimmer

Portugal 2000. R: Pedro Costa
D: Vanda Duarte, Zita Duarte, Lena Duarte. 178 Min. 35mm. OmeU

QUARTO DA VANDA

„Pedro Costa drehte NO QUARTO DA VANDA mit einer Digitalkamera, die es ihm ermöglichte, Vanda allein zu begegnen. In Abwesenheit eines Filmteams entstand zwischen den beiden eine gleichgültig-vertraute Atmosphäre, die daran zweifeln lässt, ob sich Vanda der Gegenwart der Kamera überhaupt bewusst war. Ob sie dealt, ihre Freunde empfängt oder Erdbeeren putzt, es vergehen nie zehn Minuten, ohne dass sich Vanda einen Schuss setzt, ein minutiöses Ritual, das ihren Alltag prägt.“ Fréderic Mermoud

 

Mittwoch, 18.11.2015
20:00 Uhr

JUVENTUDE EM MARCHA Jugend voran!

Portugal 2006. R: Pedro Costa
D: Ventura, Vanda Duarte, Beatriz Duarte. 154 Min. 35mm. OmeU

juventude ventura

„Pedro Costa begleitet Ventura bei seinen Wegen durch einen Slum und ein Neubauquartier am Rande von Lissabon. Der Slum wird abgerissen, die Bewohner werden umgesiedelt, was der Film jedoch nicht zeigt, sondern über die Erzählungen der Figuren einfängt. Mit großer Geduld hört Pedro Costa diesen Geschichten zu. Wenn etwa die einst heroinsüchtige Vanda davon erzählt, wie sie ihre Tochter zur Welt brachte, dann weiß man genau, warum kein Schnitt das Mäandern ihrer Sätze unterbricht: Die Dauer der Einstellung ist das Einzige, was Vandas Schmerzen gerecht werden kann.“ Christina Nord

 

Samstag, 21.11.2015
17:30 Uhr

CAVALO DINHEIRO Horse Money

Portugal 2014. R: Pedro Costa. D: Ventura, Vitalina Varala, Tito Furtado,
Benvindo Tavares. 104 Min. DCP. OmU

Cavalo Dinheiro

Ventura, bereits der Held in JUVENTUDE EM MARCHA, wird in einer Nervenheilanstalt behandelt. In einer atemberaubenden Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilm, Realem und Halluziniertem, Begreifbarem und Unbegreifbarem und mit einer einzigartigen Bildsprache wird die Vergangenheit Venturas beleuchtet. Ein komplexer und meisterhafter Kinotrip, der Ventura als Gefangenen des eigenen Geistes und der portugiesischen Geschichte zeigt. Pedro Costa wurde für diesen Film 2014 mit dem Regiepreis in Locarno und mit dem internationalen Hauptpreis vom Filmfest München ausgezeichnet.

 

Mittwoch, 25.11.2015
20:30 Uhr

Freitag, 27.11.2015
18:00 Uhr

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