Nachlass von Maximilian Schell geht an Deutsches Filminstitut

Den Ankauf ermöglicht die Hessische Kulturstiftung

Dr. Dr. h.c. Nikolaus Hensel, Maximilian Schell, Claudia Dillmann (v.l.n.r.)

 

Der künstlerische Nachlass von Maximilian Schell, zu dem auch das Archiv seiner Schwester Maria Schell gehört, geht an das Deutsche Filminstitut, Frankfurt am Main. Ermöglicht wird der Ankauf durch eine Förderung der Hessischen Kulturstiftung. Der Neuzugang umfasst den film- und theaterbezogenen Nachlass des Schauspielers, Regisseurs und Produzenten Maximilian Schell. Ergänzt wird die Übereinkunft durch die endgültige, vertragliche Regelung zum Verbleib des Nachlasses von Maria Schell, der bereits seit 2005 als Dauerleihgabe in Frankfurt am Main ist. Somit wird Hessen zur Heimat des künstlerischen Erbes zweier bedeutender deutschsprachiger Schauspieler, denen weltweite Anerkennung zuteil wurde.

Das Deutsche Filminstitut wird den Nachlass erschließen und daraus eine Ausstellung entwickeln, die im Sommer 2019 im Deutschen Filmmuseum am Frankfurter Schaumainkai zu sehen sein wird. Begleitend wird ein umfangreicher Katalog über Leben und Werk Maximilian Schells erarbeitet.

OSCAR Maximilian Schell

Maximilian Schell, Maria SchellIn rund 70 Umzugskisten fanden die Mitarbeiter des Deutschen Filminstituts auf der Schell’schen Familienalm in Preitenegg/Kärnten eine Fülle von Unterlagen: Text- und Drehbücher, Fotografien, Notizen, Skizzen, Geschäftskorrespondenz, Presseausrisse Dokumente der vielfältigen künstlerischen Arbeit Schells. Darunter befinden sich eine umfangreiche Kollektion von Briefen mit Regie- und Schauspielerkollegen, Politikern, Schriftstellern und Musikern sowie einmaliges Material zu seinem vielbeachteten Dokumentarfilm MARLENE (DE 1984): Tonbandaufnahmen und Abschriften der Gespräche zwischen Schell und der Dietrich in Paris, ebenso das fertige Drehbuch und Unterlagen zur Konzeption des Films sowie Schells Gedächtnisskizzen zur Wohnung Marlene Dietrichs in der Pariser Avenue Montaigne. Das kulturhistorisch einmalige Material vermittelt neue Einblicke in die außerordentlich schwierige Herstellung des Films aus der Sicht des Regisseurs. Die sorgfältige Auswertung und Erschließung des Nachlasses wird für die Filmwissenschaft interessante Erkenntnisse zu Tage bringen. Ein erster Fund ist eine Korrespondenz, aus der hervorgeht, dass Orson Welles‘ Schell für sein nicht-realisiertes Projekt „The Dreamers“ aus dem Jahr 1979 als Schauspieler eingeplant hatte das war bislang nicht bekannt.

 

Maximilian Schell auf der Familienalm © Jim Rakete / Deutsches Filmmuseum

 

Der Künstler

Maximilian Schell (8.12.19301.2.2014) war neben Emil Jannings und Curd Jürgens einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Schauspieler. Einer, der auch in Hollywood zum Star wurde: in seiner ersten US-amerikanischen Produktion beeindruckte er in THE YOUNG LIONS (1958) an der Seite von Marlon Brando. Drei Jahre später spielte er in JUDGMENT AT NUREMBERG (USA 1961) die Rolle, die ihm den Academy Award (Oscar®) als bester Hauptdarsteller und den weltweiten Durchbruch brachte. Seine Oscar®-Statue ist seit 2011 einer der Höhepunkte in der Dauerausstellung des Filmmuseums. Im Laufe seiner sechs Jahrzehnte umfassenden Karriere wurde Schell als Schauspieler noch zwei weitere Male für den Oscar® nominiert, gewann Golden Globes und erhielt zahlreiche weitere deutsche sowie internationale Preise und Auszeichnungen. Eine seiner schwierigsten künstlerischen Herausforderungen wurde gleichzeitig zu einem seiner größten Erfolge: der Dokumentarfilm MARLENE (1984) über die legendäre Marlene Dietrich, die sich zu dieser Zeit bereits vollkommen aus der Öffentlichkeit in ihr Pariser Appartement zurückgezogen hatte weshalb es Schell strikt untersagt wurde, Filmaufnahmen der gealterten Diva anzufertigen. Stattdessen ließ er bei seinen Treffen mit der Dietrich Tonbänder mitlaufen, die er zu kunstvollen Film-Ton-Collagen montierte, in denen auch der künstlerische Schaffensprozess selbstreflexiv dargestellt wurde. So gelang ihm ein intimes, ehrliches, berührendes Porträt über die Dietrich und den „Mythos Marlene“.

Maximilian Schell

 

Die Filme

Maximilian Schell als (Film-)Darsteller (Auswahl)
EIN MÄDCHEN AUS FLANDERN (BRD 1956; R: Helmut Käutner), THE YOUNG LIONS (USA 1958; R: Edward Dmytryk), JUDGMENT AT NUREMBERG (USA 1961; R: Stanley Kramer), I SEQUESTRATI DI ALTONA (Italien/Frankreich 1963; R: Vittorio de Sica), THE RELUCTANT SAINT (USA 1962; R: Edward Dmytryk), TOPKAPI (USA 1964; R: Jules Dassin), RETURN FROM THE ASHES (Großbritannien/USA 1965; R: J. Lee Thompson), THE DEADLY AFFAIR (Großbritannien 1966; R: Sidney Lumet), COUNTERPOINT (USA 1967; R: Ralph Nelson), DAS SCHLOSS (BRD 1968; R: Rudolf Noelte), THE ODESSA FILE (BRD/Großbritannien 1974; R: Ronald Neame), THE MAN IN THE GLASS BOOTH (USA 1975; R: Arthur Hiller), CROSS OF IRON (Großbritannien/BRD 1977; R: Sam Peckinpah), A BRIDGE TOO FAR (USA/Großbritannien 1977; R: Richard Attenborough), JULIA (USA 1977; R: Fred Zinneman), MORGEN IN ALABAMA (BRD 1984; R: Norbert Kückelmann), DER ROSENGARTEN (USA/Österreich/BRD 1989; R: Fons Rademakers).

Maximilian Schell als (Film-)Regisseur:
FIRST LOVE (Schweiz/BRD/Ungarn 1970), DER FUSSGÄNGER (Schweiz/BRD/Israel 1973), DER RICHTER UND SEIN HENKER (BRD/Italien 1975), GESCHICHTEN AUS DEM WIENERWALD (BRD/Österreich 1979), MARLENE (BRD 1984), MEINE SCHWESTER MARIA (Frankreich/Deutschland/Schweiz/Österreich 2002).

Das Urteil von Nürnberg

 
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