Kino & Couch 2017

Die „Wiederkehr des Verdrängten“

Filmtermine 2017 im Kino des Deutschen Filmmuseums, Schaumainkai 41, Frankfurt

Das Kino ist eine Affektmaschine, der es primär um Erlebnis und Unterhaltung geht. Das Böse ist im Kino besonders gegenwärtig. Die Bilder auf der Leinwand konfrontieren das Publikum dabei stets auch mit sich selbst, mit eigenen Wünschen und Träumen. Unbewusste Vorgänge, verdrängte Konflikte und verborgene Beziehungskonstellationen können durch den analytischen Blick im Nachgang der Filmvorführung erhellt werden.

In der Reihe „Kino & Couch“ zeigt das Kino des Deutschen Filmmuseums zusammen mit dem Frankfurter Psychoanalytischen Institut in diesem Jahr insgesamt sieben Filme, die sich mit der „Wiederkehr des Verdrängten“ auseinander setzen. Zum Auftakt im Mai findet Kino & Couch an einem Dienstag statt, im Juni und von August bis Dezember wird die Reihe jeweils an einem Donnerstag monatlich fortgesetzt.

Die Teilnahme an den einzelnen Veranstaltungen wird jeweils mit 2 Punkten zertifiziert.
Der Kinoeintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro.
Info/Kartenreservierung unter Tel.: 069-961 220 220

In Kooperation mit:

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MYSTIC RIVER

USA 2003. R: Clint Eastwood
D: Sean Penn, Kevin Bacon, Tim Robbins. 138 Min. 35mm. OF

mystic

Die drei Jugendfreunde Dave, Jimmy und Sean treffen nach Jahren wieder aufeinander. Sean ist inzwischen Polizist, und Jimmy führt, nachdem er eine Haftstrafe abgesessen hat, einen Kiosk. Dave kämpft immer noch mit den Folgen einer Vergewaltigung, die er als Kind erleben musste. Clint Eastwoods MYSTIC RIVER ist konzentriertes Erzähl- und Schauspielerkino ohne die üblichen Stilübungen wie etwa eine komplizierte Rückblendendramaturgie und hektische Schnitte. Sein Drehbuchautor Brian Helgeland bewies bereits im Oscar®-gekrönten Thriller L.A. CONFIDENTIAL (US 1997, R: Curtis Hanson), wie man viele Figuren und Erzählstränge unter einen Hut kriegt.

Dienstag, 09.05.2017
20:30 Uhr

Filmkritischer Kommentar:
Martina Elbert

Psychoanalytischer Kommentar:
Klaus Kocher

A HISTORY OF VIOLENCE

USA 2005. R: David Cronenberg
D: Viggo Mortensen, Maria Bello, Ed Harris, William Hurt. 96 Min. 35mm. OF

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Tom Stall, Besitzer eines Lokals in der US-Kleinstadt Millbrook, führt ein ruhiges Leben als Familienvater. Doch als er von zwei Kunden bedroht wird und diese in Notwehr tötet, wird Tom zu einer lokalen Berühmtheit, weshalb er sich immer stärker zurückzieht. Schließlich taucht in Millbrook ein Mann namens Carl Fogarty auf und droht, Toms jahrelang verheimlichte Vergangenheit ans Licht zu bringen. Cronenbergs ungemein vielschichtiger Film ist Thriller, Familiendrama und Gewalt-Reflexion gleichermaßen, dabei mitunter als böse schwarze Komödie inszeniert.

Donnerstag, 29.06.2017
20:15 Uhr

Filmkritischer Kommentar:
Jakob Hoffmann

Psychoanalytischer Kommentar:
Hanna Gekle

π  Pi

USA 1998. R: Darron Aronofsky
D: Sean Gullette, Mark Margolis, Ben Shenkman. 85 Min. Blu-ray. OmU

Pi

Der Mathematiker Max Cohen steht kurz vor der Entschlüsselung eines numerischen Systems, das die Struktur von Zufall und Chaos aufdecken und zugleich Börsenbewegungen voraussagen könnte. Bald sieht sich Max durch skrupellose Wall-Street-Haie verfolgt, aber auch eine religiöse Sekte und der Geheimdienst sind ihm auf den Fersen. Die bedrückende Studie eines Psychopathen, der alle Stadien von Klaustrophobie und Schizophrenie körperlich intensiv vorführt. Angelegt als Psychothriller, experimentell und atmosphärisch dicht.

Donnerstag, 10.08.2017
20:15 Uhr

Filmkritischer Kommentar:
Christiane von Wahlert

Psychoanalytischer Kommentar:
Reinhard Otte

THE SHINING

GB/USA 1980. R: Stanley Kubrick
D: Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd. 119 Min. DCP. OmU

shining

Der Schriftsteller Jack Torrance zieht mit seiner Familie über den Winter als Hausmeister ins geschlossene Overlook-Hotel in den Bergen von Colorado. Jack kennt die Geschichten über den ehemaligen Hausmeister, der angeblich seine Frau und seine zwei Töchter im Hotel ermordete. Das einsame Haus wird mehr und mehr zum Spukschloss mit dunkler Vergangenheit, und Jack entwickelt Aggressionen gegenüber seiner Familie, bis er die Nerven verliert. Der Horrorklassiker nach Stephen King ist eine virtuos inszenierte Studie über die Wechselwirkung von Wirklichkeit und Schein, Realität und Illusion, über die traumatischen Abgründe, die sich jenseits des gesunden Menschenverstandes auftun.

Donnerstag, 14.09.2017
20:15 Uhr

Filmkritischer Kommentar:
Klaus Dorff

Psychoanalytischer Kommentar:
Soheila Kiani-Dorff

SECONDS  Der Mann, der zweimal lebte

USA 1966. R: John Frankenheimer
D: Frank Campanella, John Randolph, Frances Reid. 107 Min. 35mm. OF

mann2mal

Ein alternder Bankkaufmann gerät über einen tot geglaubten Freund an ein mysteriöses Unternehmen, von dem er eine neue Identität und mit plastischer Chirurgie ein neues, verjüngtes Gesicht erhält. Aus Arthur Hamilton wird Tony Wilson, ein gut aussehender Maler und Playboy in Malibu. Doch Tony ist mit der Oberflächlichkeit und inneren Leere seiner neuen Existenz nicht glücklich – als „Wiedergeborener“ („Second“) fühlt er sich ähnlich fremdbestimmt wie in seinem vorherigen Leben… Frankenheimer inszenierte eine grimmige, existenzialistische Parabel, eindringlich gespielt und ausgezeichnet fotografiert.

Donnerstag, 26.10.2017
20:15 Uhr

Filmkritischer Kommentar:
Manfred Riepe

Psychoanalytischer Kommentar:
Ilka Quindeau

CIALO  Body

Polen 2015. R: Małgorzata Szumowska
D: Janusz Gajos, Maja Ostaszewska, Justyna Suwala. 90 Min. DCP. OmU

body

Die Psychotherapeutin Anna versucht mit ihrer Gabe als Medium einem magersüchtigen Mädchen dabei zu helfen, den Verlust der Mutter zu verarbeiten. Szumowska arbeitet mit Elementen der schwarzen Komödie, um von der Schwierigkeit zu erzählen, den Verlust geliebter Menschen zu verarbeiten. Es geht um die Angst vor Nähe und die Sehnsucht danach, um die Bestrafung des eigenen Körpers aus Seelennot und um die Flucht in die Esoterik. Eine komplexe Reflexion über die Einsamkeit des Herzens und den Konflikt zwischen Rationalität und dem Glauben an ein Universum des Übersinnlichen.

Donnerstag, 09.11.2017
20:15 Uhr

Filmkritischer Kommentar:
Werner Schneider-Quindeau

Psychoanalytischer Kommentar:
Christiane Schrader

LOONG BOONMEE RALEUK CHAT  Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben

Thailand/GB/DE/FR/NL/ES 2010. R: Apichatpong Weerasethakul
D: Thanapat Saisaymar, Jenjira Pongpas, Sakda Kaewbuadee. 114 Min. 35mm. OmU

uncle

Ein an akutem Nierenversagen leidender Mann bereitet sich in Anwesenheit von Familie und Freunden auf den Tod vor, wobei auch früher verstorbene Menschen in anderer Gestalt an dem Abschied teilnehmen. In wunderbaren, oft wie Gemälde komponierten Einstellungen beschreibt der behutsam-soghafte Film eine Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und den Vorstellungen von dem, was danach kommt. Die Rätsel des Films verlieren sich nicht in diffusem Mystizismus, sondern bleiben surreal und konkret zugleich. Dadurch eröffnet sich ein spannender Reflexionsraum über die Grenzen der menschlichen Existenz.

Donnerstag, 14.12.2017
20:15 Uhr

Filmkritischer Kommentar: 
Karsten Visarius

Psychoanalytischer Kommentar:
Jörg Scharff

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