JEAN-PIERRE MELVILLE

Jean-Pierre Melville (1917 – 1973), eigentlich Jean-Pierre Grumbach, nahm im französischen Widerstand den Namen des Schriftstellers Melville an. Die Besatzungszeit und die Résistance sind auch Thema von LE SILENCE DE LA MER (FR 1947) und L’ARMÉE DES OMBRES (FR 1969), einem seiner persönlichsten Filme. Melville galt Zeit seines Lebens als Einzelgänger. Mit einem eigenen kleinen Filmstudio realisierte er seine Filme unabhängig in kleinen Teams und übernahm dabei viele Funktionen selbst. Er wurde zum Vorbild der Regisseure der Nouvelle vague, obgleich er selbst dem amerikanischen Kino mit seiner klassischen Erzählweise nahestand – Regisseuren wie William Wyler oder John Huston. Berühmt wurde er mit seinen Gangsterfilmen in der Tradition des Film noir und dem Hauptdarsteller Alain Delon. Viele seiner Filme wurden durch ihre filmsprachliche Präzision und Vollendung Klassiker des Genres.

Zum 100. Geburtstag Melvilles wurden von der „Fondation Jean-Pierre Melville“ und dem Institut français sieben seiner Filme digital restauriert. Das Programm läuft anlässlich des Ehrengasts der Frankfurter Buchmesse Frankreich in Kooperation mit dem Institut français und „Frankfurt auf Französisch“.

In Kooperation mit

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LE SILENCE DE LA MER Das Schweigen des Meeres

Frankreich 1949. R: Jean-Pierre Melville
D: Howard Vernon, Nicole Stéphane. 86 Min. 35mm. OmeU

Frankreich 1941. Der deutsche Offizier Werner von Ebrennac wird bei einem alten Mann und seiner Nichte einquartiert. Diese begegnen dem Repräsentanten der Besatzungsmacht nur mit Schweigen, obwohl der Deutsche ein frankophiler Musiker ist, der die eigene Mission in Frage stellt. Als der Offizier erfährt, dass seine Vorgesetzten den Geist Frankreichs vernichten wollen, bittet er um seine Versetzung an die Front. Ein vielschichtiges Kammerspiel, das die psychischen Auswirkungen der „Republik des Schweigens“ thematisiert.

Vorfilm VINGT-QUATRE HEURES DE LA VIE D’UN CLOWN
FR 1946. R: Jean- Pierre Melville. 18 Min. DCP. OmeU

Freitag, 01.09.2017
20:30 Uhr

Sonntag, 03.09.2017
18:00 Uhr

BOB LE FLAMBEUR Drei Uhr nachts

Frankreich 1956. R: Jean-Pierre Melville
D: Isabelle Corey, Roger Duchese. 103 Min. 35mm. OmeU

Der alternde Ganove Bob, genannt „Der Spieler“, kann vom Glücksspiel nicht lassen. Schließlich plant er, den Safe des Casinos von Deauville auszurauben. Der erste Gangsterfilm von Melville enthält bereits viele Elemente, die in seinem späteren Werk wieder aufgegriffen werden: das Motiv des Scheiterns, die Vergeblichkeit der Anstrengung, die Freundschaft und der Verrat. Zudem zeugt der Film von intimer Kenntnis des Milieus rund um die schummrigen Bars von Montmartre und Pigalle und die Lebensgewohnheiten der Unterwelt.

Mittwoch, 06.09.2017
20:30 Uhr

Donnerstag, 07.09.2017
18:00 Uhr

LÉON MORIN, PRÊTRE Eva und der Priester

Frankreich/Italien 1961. R: Jean-Pierre Melville
D: Jean-Paul Belmondo, Emmanuelle Riva. 128 Min. DCP. OmeU

Barny, eine Pariser Intellektuelle, deren jüdischer Mann im Krieg gefallen ist, lebt mit ihrer Tochter während der deutschen Besatzung in einer französischen Provinzstadt. Dort trifft die kommunistische Atheistin auf einen jungen katholischen Priester. Durch die Überzeugungskraft seiner theologischen Diskussionen gelingt es diesem, die junge Frau zur Rückkehr zum Glauben zu bewegen. Ein subtiles, einfühlsames Frauenportrait, gespielt von Emmanuelle Riva, die die emotionalen Widersprüche im Leben Barnys als Folge der sozialen und politischen Bedingungen der Zeit darstellt.

Freitag, 08.09.2017
20:00 Uhr

Sonntag, 10.09.2017
18:00 Uhr

LE DOULOS Der Teufel mit der weißen Weste

Frankreich/Italien 1963. R: Jean-Pierre Melville
D: Jean-Paul Belmondo, Serge Reggiani. 108 Min. 35mm. OmeU

Der Juwelendieb Maurice plant nach seiner Entlassung direkt einen neuen Einbruch in eine Villa. Doch er wird von der Polizei überrascht. Maurice, der wieder im Gefängnis landet, hält seinen Freund Silien für den Verräter und will ihn von einem bezahlten Killer ermorden lassen. Zu spät merkt Maurice, dass er sich geirrt hat. Präzise berechnetes, unterkühlt inszeniertes Gangstermelodram, das aus einer komplizierten Konstruktion des Drehbuches mit unvorhersehbaren Volten und Rückblenden besteht, was den Reiz des Filmes ausmacht.

Donnerstag, 14.09.2017
18:00 Uhr

Mittwoch, 20.09.2017
18:00 Uhr

LE SAMOURAÏ Der eiskalte Engel

Frankreich/Italien 1967. R: Jean-Pierre Melville
D: Alain Delon, Nathalie Delon. 103 Min. 35mm. DF (Fassungsänderung!)

Auftragskiller Jeff Costello arbeitet kühl und präzise. Er tötet ohne Loyalität und Emotionen. Als er im Auftrag eines Verbrechersyndikats den Besitzer eines Nachtklubs tötet und dabei beobachtet wird, kann ihn nur noch sein perfekt konstruiertes Alibi vor einer Anklage retten. Doch er gerät ins Visier der Polizei und wird damit zum Sicherheitsrisiko für seinen Auftraggeber. Einer der bedeutendsten Gangsterfilme, der in seiner rigorosen Stilisierung und perfekten Inszenierung stilbildend für das Genre ist.

Freitag, 15.09.2017
20:30 Uhr

LE DEUXIÈME SOUFFLE Der zweite Atem

Frankfreich 1966. R: Jean-Pierre Melville
D: Lino Ventura, Paul Meurisse. 150 Min. 35mm. OmeU

Der nach achtjähriger Haft aus dem Gefängnis entkommene Gangster Gustave, „Gu“ genannt, versucht noch einmal einen großen Coup zu landen, um sich dann zur Ruhe zu setzen. Doch sein alter Gegenspieler Inspektor Blot, mit den Gepflogenheiten Gus vertraut, stellt ihm eine Falle. Gu steht als Verräter da und setzt alles daran, seine Ehre wiederherzustellen. Melville führt in diesem klassischen Gangsterfilm in der Tradition des Film noir einen Mikrokosmos vor, der nur nach bestimmten Regeln funktionieren kann und der an den eigenen obsolet gewordenen Konventionen und Regeln zugrunde geht.

Dienstag, 19.09.2017
20:00 Uhr

L’ARMÉE DES OMBRES Armee im Schatten

Frankreich/Italien 1969. R: Jean-Pierre Melville.
D: Lino Ventura, Paul Meurisse, Simone Signoret. 143 Min. DCP. OmeU

L’ARMÉE DES OMBRES spielt während der deutschen Besatzungszeit in Marseille. Die Mitglieder der Résistance kämpfen gegen die Nazis, aber auch gegen Kollaborateure aus den eigenen Reihen. Philippe Gerbier, Mitglied der Résistance und gerade aus einem Gestapo-Gefängnis entkommen, macht sich auf die Suche nach dem Mann, der ihn verraten hat. In seinem vielleicht persönlichsten Film reflektiert Regisseur Jean-Pierre Melville sein eigenes Mitwirken im französischen Widerstand, dessen selbstzerstörerische Aktionen er distanziert, unpathetisch und mit großer Intensität schildert.

Dienstag, 26.09.2017
20:00 Uhr

LE CERCLE ROUGE Vier im roten Kreis

Frankreich/Italien 1970. R: Jean-Pierre Melville.
D: Alain Delon, André Bourvil, Yves Montand. 140 Min. 35mm. OmeU

Dem Häftling Vogel gelingt es, im Nachtexpress von Marseille nach Paris der Polizei zu entkommen. Durch Zufall trifft er auf den frisch entlassenen Einbrecher Corey, der zuvor von einem Wärter den Tipp für einen großen Coup bekommen hat. Gemeinsam mit einem ehemaligen Polizisten planen sie einen raffinierten Einbruch in ein Juweliergeschäft. Für viele Kritiker gilt LE CERCLE ROUGE als Jean-Pierre Melvilles Meisterwerk. Eine Quintessenz des Genres, das alle Elemente, Themen, Motive und Personenkonstellationen des Kriminalfilms vereint und durch seine deterministische Weltsicht zusammenführt.

Donnerstag, 28.09.2017
17:30 Uhr

Freitag, 29.09.2017
20:00 Uhr

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