GOEAST IM DEUTSCHEN FILMMUSEUM

engel der revolution

Die Vielfalt des mittel- und osteuropäischen Autorenkinos zeigt sich auch in diesem Jahr wieder bei goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films, das von Mittwoch, 22., bis Dienstag, 28. April, in Wiesbaden in seine 15. Runde geht. Das wird ganz besonders in den 16 Beiträgen des Spiel- und Dokumentarfilmwettbewerbs deutlich. Bewegende, eigenwillige und wegweisende Produktionen zeichnen ein differenziertes Stimmungsbild der Gesellschaften Osteuropas. goEast wird vom Deutschen Filminstitut veranstaltet. Alle Beiträge des Spielfilmwettbewerbs zeigt das Kino des Deutschen Filmmuseums von Donnerstag, 23., bis Mittwoch, 29. April, als Nachspiel.

Viele der Filme setzen historische Themen erfrischend in Szene: Der polnische Regisseur und Schauspieler Jerzy Stuhr unternimmt mit BÜRGER eine satirische Tour de Force durch 60 Jahre polnischer Geschichte. Der Russe Aleksey Fedorchenko erzählt in ANGELY REVOLUTSII (RU 2014) von fanatischen Künstlern der Avantgarde in den 1930er Jahren, die sich nach Sibirien aufmachen, um bei der indigenen Bevölkerung die Lehre Lenins durchzusetzen. goEast greift wieder auf sein bewährtes Konzept zurück, Debütfilme ebenso wie aktuelle Arbeiten bekannter Regiegrößen zu präsentieren: Bereits auf dem Filmfestival in Venedig sorgte das Erstlingswerk des Serben Vuk Ršumović, NIČIJE DETE (RS/HR 2014), für Aufsehen. Es erzählt von der „Menschwerdung“ eines Jungen, der unter Wölfen aufgewachsen ist.

Neben den zehn Wettbewerbsspielfilmen ist in Frankfurt auch AUF DAS LEBEN! (DE 2014) zu sehen, der neueste Spielfilm der Firma CCC, die vom legendären Produzenten Artur Brauner gegründet wurde. Ihm widmet goEast das Symposium „Artur Brauner: Der Produzent als Grenzgänger und Brückenbauer“. Zur Filmvorführung sind Hauptdarstellerin Hannelore Elsner und Alice Brauner, Filmproduzentin und Tochter von Artur Brauner, zu Gast.

SPECIAL: Preview zum goEast-Symposium (Artur Brauner)
HITLERJUNGE SALOMON

BRD/Frankreich 1990. R: Agnieszka Holland
D: Salomon Perel, Julie Delpy. 113 Min. 35mm. Dt. OF

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Ein Vierteljahrhundert später fällt es schwer zu glauben, dass HITLERJUNGE SALOMON in der BRD ein mittlerer Skandal war. In der Folge waren dem Film höhere Weihen, wie die Nominierung für den Oscar®, verwehrt. Die Geschichte Salomon Perels, der als 14-jähriger jüdischer Junge aus Deutschland nach Polen flieht, in einem russischen Waisenhaus landet, als „Volksdeutscher“ befreit wird und dann den Nazi-Terror als Undercover-Zögling einer nationalpolitischen Erziehungsanstalt überlebte, überforderte offenbar auch 1990 noch viele Deutsche. Die Vorführung ist eine Preview zum Artur-Brauner-Symposium vom 23. bis 26. April in Wiesbaden.

Mittwoch, 15.04.2015
18:00 Uhr

OBYWATEL Bürger

Polen 2014. R: Jerzy Stuhr
D: Jerzy Stuhr, Maciej Stuhr.104 Min. DCP. OmeU

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Ein alter Mann, gespielt von Autor und Regisseur Jerzy Stuhr, lässt aus dem Krankenbett die sechs zurückliegenden Jahrzehnte in Polen Revue passieren, von den kommunistischen Anfängen über die Zeit von Solidarność bis zur jungen polnischen Demokratie: Eigentlich will er die ganze Zeit einfach nur sein Leben leben, doch Zufälle und Missgeschicke lassen ihn immer wieder hineinstolpern ins Chaos der Politik. Er versucht, sein Gesicht zu wahren und ein wenig Glück zu finden, doch das gelingt ihm meist mehr schlecht als recht. Stuhr schildert den Weg dieses Jedermann in opulenten Bildern – heiter, beschwingt und gnadenlos sarkastisch.

Freitag, 24.04.2015
18:00 Uhr

Deutschlandpremiere
Zu Gast: Jerzy Stuhr, Piotr Dzięcioł (Produzent)

UROK Die Lehrstunde

Bulgarien/Griechenland 2014. R: Kristina Grozeva, Petar Valchanov
D: Margita Gosheva, Ivan Barnev. 105 Min. DCP. OmeU

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UROK ist eine Studie über soziale Verhältnisse, Macht und Ohnmacht und den Mut der Verzweiflung: Nadezhda, eine junge Lehrerin mit hohen moralischen Ansprüchen, wird mit einem Diebstahl in ihrer Klasse konfrontiert, der sie empört. Kurz darauf wird sie selbst auf die Probe gestellt, denn sie ist hochverschuldet, und nun droht die Pfändung ihres Hauses. Nur drei Tage bleiben, um den Kredit zurückzuzahlen. Was immer Nadezhda versucht, geht schief, die Lage scheint ausweglos – bis sie erkennt: außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen.

Freitag, 24.04.2015
20:30 Uhr

Deutschlandpremiere
Zu Gast: Kristina Grozeva und Petar Valchanov

KOSAC Der Sensenmann

Kroatien/Slowenien 2014. R: Zvonimir Jurić
D: Ivo Gregurević, Mirjana Karanović. 98 Min. DCP. OmeU

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Eine Frau läuft eine dunkle Landstraße entlang. Aus der Ferne nähern sich Lichter, die Scheinwerfer eines Traktors. Der Fahrer hält an und die Frau steigt ein. Was wie ein Horrorfilm beginnt, entwickelt sich zu einem subtilen Sozialdrama, das in einer einzigen Nacht in einer abgelegenen kroatischen Kleinstadt spielt. Drei ineinander verschachtelte Geschichten kreisen um die dunkle Vergangenheit des Traktorfahrers Ivo und decken die noch nicht verheilten, allgegenwärtigen Wunden des Kroatienkrieges auf. Hervorragende Schauspieler und eine atemlose Kamera machen den Film zu einem Kinoerlebnis, das auch nach dem Abspann noch lange nachwirkt.

Samstag, 25.04.2015
16:00 Uhr

Deutschlandpremiere
Zu Gast: Ankica Jurić Tilić (Produzentin) (angefragt)

ANGELY REVOLUTSII Engel der Revolution

Russland 2014. R: Aleksey Fedorchenko
D: Daria Ekamasova, Oleg Yagodin. 113 Min. DCP. OmeU

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Während der Russischen Revolution war Polina Schneider die „Geheimwaffe“ der Bolschewiki. Jahre später, 1934, wird sie wieder für einen Sonderauftrag auserkoren: Sie soll die Chanten und Nenzen im Nordwesten der jungen Sowjetunion zum Kommunismus bekehren. Gemeinsam mit vier ehemaligen Mitstreitern – allesamt Künstler der Avantgarde – macht sie sich auf den Weg nach Sibirien und versucht, die Lehre Lenins durchzusetzen. Doch die indigene Bevölkerung hält hartnäckig an ihren jahrhundertealten schamanischen Ritualen fest.

Samstag, 25.04.2015
18:00 Uhr

Deutschlandpremiere
Zu Gast: Aleksey Fedorchenko, Dmitry Vorobiev (Produzent)

KEBAB I HOROSKOP Kebab & Horoskop

Polen 2014. R: Grzegorz Jaroszuk
D: Piotr Żurawski, Bartłomiej Topa. 72 Min. DCP. OmeU

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Die Angestellten eine Teppichladens sollen auf ihren wirtschaftlichen Nutzen hin geprüft werden, und zwar von zwei „Marketingexperten“, deren berufliche Erfahrungen eher in den Bereichen Gastronomie und Scharlatanerie liegen. Alle Verkäufer beweisen, dass sie zwar vollkommen unwirtschaftlich arbeiten, in ihrer Skurrilität jedoch unbedingt liebenswert sind: als Experten für verflossene Liebschaften, enttäuschte Sehnsüchte und existenzielle Einsamkeit. In kühlblauen Cinemascope-Bildern, wortarmen Dialogen und langen Einstellungen lächelt und leidet der Zuschauer mit den Charakteren. Warschauer Tristesse trifft auf Skurrilität à la Aki Kaurismäki.

Sonntag, 26.04.2015
18:00 Uhr

Deutschlandpremiere
Zu Gast: Grzegorz Jaroszuk, Agnieszka Kurzydło (Produzentin)

SPECIAL: goEast-Symposium (Artur Brauner)
AUF DAS LEBEN!

Deutschland 2014. R: Uwe Janson
D: Hannelore Elsner, Max Riemelt, Sharon Brauner. 90 Min. DCP

Ruth (Hannelore Elsner) und Jonas ( Max Riemelt) trinken und feiern

Hannelore Elsner spielt die jüdische ehemalige Cabaret-Sängerin Ruth, die trotz ihres Alters noch mitten im Leben steht. Traumata aus ihrer Kindheit im Dritten Reich verdrängt sie. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als ihre Wohnung zwangsversteigert wird. Am Tag ihres Umzugs lernt sie den jungen, unheilbar kranken Möbelpacker Jonas kennen. Aus der zufälligen Begegnung der beiden entwickelt sich nach und nach eine enge Freundschaft. Der Wunsch, sich gegenseitig zu helfen, lässt die Schicksalsgemeinschaft auch vor ungewöhnlichen Maßnahmen nicht zurückschrecken.

Sonntag, 26.04.2015
20:15 Uhr

Zu Gast: Alice Brauner und Hannelore Elsner

NIČIJE DETE Niemandskind

Serbien/Kroatien 2014. R: Vuk Ršumović
D: Denis Murić, Pavle Čemerikić. 95 Min. DCP. OmeU

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In einem Wald in Bosnien finden Jäger einen kleinen Jungen, der ohne Kontakt zur Zivilisation unter Wölfen aufgewachsen ist. Er wird in ein Kinderheim in Belgrad gebracht. Von den anderen Kindern verspottet und von den Betreuern aufgegeben, fasst er nur langsam Vertrauen zu den Menschen. Vuk Ršumović lässt sich in seinem hochgelobten Debütfilm viel Zeit, um diese auf einer wahren Begebenheit beruhende Geschichte einer „Menschwerdung“ vor dem Hintergrund der Jugoslawienkriege zu erzählen. Getragen werden die ruhigen Einstellungen von Denis Murić, dessen ergreifende Darstellung des Wolfsjungen noch lange im Gedächtnis haften bleibt.

Montag, 27.04.2015
18:00 Uhr

Deutschlandpremiere
Zu Gast: Vuk Ršumović, Miroslav Mogorović (Produzent)

KREDITIS LIMITI Kreditlimit

Georgien/Frankreich/Deutschland 2014. R: Salomé Alexi
D: Nino Kasradze, Zanda Ioseliani. 85 Min. DCP. OmeU

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Nino, eine elegante Mittvierzigerin in Tiflis, hatte eine behütete Kindheit in der Sowjetunion: Sie wuchs in einem großen Haus auf, verwöhnt von ihren wohlhabenden Eltern, beneidet von ihren Klassenkameraden. Doch seit dem Zusammenbruch der UdSSR bröckelt die schöne Fassade. Ihr kleiner Laden läuft nicht mehr, und die Lebenshaltungskosten steigen stetig. Unfähig, sich mit den neuen Anforderungen zu arrangieren, und unerfahren im Umgang mit Geld, nimmt sie einen hoch verzinsten Hypothekenkredit auf, der die Abwärtsspirale, in der sie sich befindet, noch beschleunigt.

Montag, 27.04.2015
20:30 Uhr

Deutschlandpremiere
Zu Gast: Salomé Alexi, Nino Kasradze

BELYE NOCHI POCHTALONA ALEKSEYA TRYAPITSYNA
Die weißen Nächte des Postboten

Russland 2014. R: Andrei Konchalovsky
D: Aleksey Tryapitsyn, Irina Ermolova. 110 Min. DCP. OmeU

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Lyokha lebt in einer kleinen Siedlung am nordrussischen Kenozero-See, verdient seinen Lebensunterhalt als Postbote und versorgt die Dorfbewohner mit Brot, ihrer Rente und Wodka. Eine stille Liebe verbindet ihn mit einer ehemaligen Mitschülerin, die ihren kleinen Sohn alleine großzieht, sich aber nach einem besseren Leben in der Stadt sehnt. Als eines Tages sein Außenbordmotor gestohlen wird, ist das für Lyokha eine Katastrophe – wie soll er nun arbeiten? In poetischen Bildern zeigt Andrei Konchalovsky in seinem ausschließlich mit Laiendarstellern aus der Region gedrehten Film die Schönheit der Natur und die fragile Welt der „kleinen Leute“.

Dienstag, 28.04.2015
20:30 Uhr

Deutschlandpremiere

KOZA

Slowakische Republik/Tschechische Republik 2015. R: Ivan Ostrochovský
D: Peter Baláž, Zvonko Lakčević. 75 Min. DCP. OmeU

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Peter, genannt Koza („die Ziege“), hat seine größten sportlichen Erfolge als Boxer hinter sich. Einst Olympiateilnehmer für die Slowakei, kehrt er nun in den Ring zurück, um Geld zu verdienen, denn sein mageres Einkommen bei einem Schrotthändler reicht kaum zum Leben, geschweige denn für die Abtreibung, die seine Freundin Miša plant. Er tingelt im VW-Bus von Kampf zu Kampf. Auch wenn sein Körper den Strapazen nicht mehr gewachsen ist, will er nicht aufgeben. Der slowakische Ex-Boxer Peter Baláž spielt sich selbst, einen Kämpfer voll Melancholie und innerer Stärke.

Mittwoch, 29.04.2015
18:00 Uhr

DE CE EU? Warum Ich?

Rumänien/Bulgarien/Ungarn 2015. R: Tudor Giurgiu
D: Emilian Oprea, Mihai Constantin. 130 Min. DCP. OmeU

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Der junge, vor Idealismus strotzende Staatsanwalt Cristian bekommt unerwartet einen heiklen Fall zugeteilt: Ein älterer Kollege mit bedeutenden politischen Kontakten sieht sich mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Bei seinen Nachforschungen kommt Cristian einem komplexen Netz aus Intrigen, Erpressungen und Lügen auf die Spur. Als ihm der Fall schließlich entzogen wird und er auf eigene Faust weiter ermittelt, gerät er in Gefahr. Der auf wahren Begebenheiten beruhende Polit-Thriller liefert einen pessimistischen Kommentar zum Status Quo Rumäniens, wo Korruption und organisiertes Verbrechen bis in oberste politische Kreise hineinreichen.

Mittwoch, 29.04.2015
20:30 Uhr

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