FILMLAND NEUSEELAND

silentium

Unter dem Motto „He meomoēa he ohorere / Bevor es bei Euch hell wird“ präsentiert sich das Gastland Neuseeland auf der Frankfurter Buchmesse 2012. Das Filmmuseum widmet dem Land ein umfangreiches Programm, das die kulturelle Vielfalt Neuseelands anschaulich macht.

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Die Reihe „Cinema Storytelling from New Zealand” reist seit Ende August durch sechs deutsche Städte. Schlusspunkt ist Frankfurt, wo sie vom 2. bis 7. Oktober, also direkt in der Woche vor der Buchmesse, stattfindet. Das von der New Zealand Film Commission kuratierte
Programm zeigt sechs Werke: Literaturverfilmungen, moderne Klassiker, Maori-Geschichten und tragische Helden mit hinreißendem Kiwi-Humor.

Acht Klassiker aus der Sammlung des neuseeländischen Filmarchivs vervollständigen diesen Einblick in Neuseelands Filmschaffen seit der Stummfilmzeit. Bis in die 1970er Jahre wurden in Neuseeland nur wenige Filme gedreht. Zu nennen sind der Stummfilmregisseur Rudall Hayward und der Filmemacher John O’Shea, der als Einziger zwischen 1940 und 1972 Spielfilme drehte. Erst mit der Gründung der New Zealand Film Commission 1978 beginnt eine kontinuierliche Filmproduktion, einhergehend mit einem wachsenden nationalen Bewusstsein für die eigene Kultur. Die achtziger Jahre sind von politischeren Themen geprägt, die auch von der jüngeren Generation wieder aufgegriffen werden, darunter die Auseinandersetzung mit der Maori-Kultur. Der wohl bekannteste neuseeländische Filmemacher Peter Jackson dominierte die 90er Jahre. Er ist Mitbegründer der Spezialeffekte-Firma „Weta Workshop“. Zu deren wichtigsten Projekten gehört die Trilogie DER HERR DER RINGE.

In Kooperation mit der New Zealand Film Commission, der Botschaft von Neuseeland, Berlin, und dem New Zealand Film Archive

      

Besonderer Dank an Diane Pivac, Tanea Heke und Maryanne Redpath

 

Eine Filmreihe aus Anlass der Buchmesse, und deren Gastland Neuseeland

 

1. TEIL: CINEMA STORYTELLING FROM NEW ZEALAND

 

AN ANGEL AT MY TABLE

Neuseeland/Australien/Großbritannien 1990. R: Jane Campion.
D: Kerry Fox, Alexia Keogh. 158 Min. 35mm. OmU

AN ANGEL AT MY TABLE bringt drei außergewöhnliche neuseeländische Künstlerinnen in einem Projekt zusammen: die Schriftstellerin Janet Frame, deren autobiografische Werke die literarische Vorlage bilden, die Schauspielerin Kerry Fox in ihrer ersten Hauptrolle und die Regisseurin Jane Campion. Der Film folgt der Lebensgeschichte von Janet Frame, deren Kindheit geprägt war von der Epilepsie-Erkrankung ihres Bruders, dem Tod ihrer Schwestern und ihrem darauf folgenden Rückzug in die Welt der Träume und der Dichtung. Nach einem Selbstmordversuch wird sie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, wo sie mit Elektroschocks behandelt wird. Ihre Rettung ist das Schreiben.

Dienstag, 02.10.2012
20:15 Uhr

HEAVENLY CREATURES

Neuseeland/Deutschland 1994. R: Peter Jackson.
D: Melanie Lynskey, Kate Winslet. 99 Min. 35mm. OmU

Peter Jackson, zu Beginn seiner Karriere bekannt für schwarzhumorigen Splatter, änderte mit HEAVENLY CREATURES seinen Erzählton radikal. Gemeinsam mit seiner Frau Fran Walsh schrieb er das Drehbuch nach einer wahren Begebenheit und verfilmte es mit den damals weitgehend unbekannten Schauspielerinnen Kate Winslet und Melanie Lynskey. Die beiden Teenager Pauline und Juliet verbindet eine besonders intensive Freundschaft. Als Außenseiterinnen flüchten sie sich immer stärker in eine phantastische Welt. Als sie von ihren Eltern auseinandergebracht werden sollen, nimmt die Geschichte einen tragischen Verlauf.

Mittwoch, 03.10.2012
20:30 Uhr

Vorfilm:
APHRODITE’S FARM
NZ 2008, R: Adam Strange, 15 Min., OF

IN MY FATHER’S DEN

Neuseeland/Großbritannien 2004. R: Brad McGann.
D: Matthew MacFadyen, Emily Barclay. 127 Min. 35mm. OmU

Der Film geht zurück auf die Buchvorlage von Maurice Gee, die Regisseur und Drehbuchautor Brad McGann jedoch frei interpretierte und streckenweise radikal veränderte. Eine neuseeländische Kleinstadt, dunkle Familiengeheimnisse und die Verlockungen der Außenwelt sind zentrale Motive seiner einzigen Regiearbeit. Nach dem Tod seines Vaters kehrt Paul, ein weit gereister Kriegsreporter, in seinen Heimatort zurück. Hier wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert – und mit der Familientragödie, vor der er Jahre zuvor geflüchtet war.

Donnerstag, 04.10.2012
18:00 Uhr

WHALE RIDER

Neuseeland/Deutschland 2002. R: Niki Caro.
D: Keisha Castle-Hughes, Rawiri Paratene. 101 Min. 35mm. OmU

Der Film basiert auf dem Roman des Maori-Schriftstellers Witi Ihimaera. Buch und Film handeln von der zwölfjährigen Pai, gespielt von Keisha Castle-Hughes, die als Erstgeborene ihren Platz in den Traditionen ihres Volkes sucht. Seit Generationen wird der Titel des Stammeshäuptlings in einem neuseeländischen Maori-Clan jeweils an den ältesten Sohn weitergegeben. Als der mögliche Erbe jedoch bei der Geburt stirbt und nur seine Zwillingsschwester Pai überlebt, zerschlagen sich die Hoffnungen ihres Großvaters auf einen männlichen Nachkommen. Pai scheint dazu bestimmt, das Erbe ihres Stammes anzutreten. Vorher muss sie sich aber gegen die patriarchalen Strukturen in ihrer Familie durchsetzen. Keisha Castle-Hughes wurde 2004 für ihre Rolle der Pai als jüngste Darstellerin der Geschichte für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert.

Freitag, 05.10.2012
14:30 Uhr

Sonntag, 07.10.2012
15:00 Uhr

BOY

Neuseeland 2010. R: Taika Waititi. D: James Rolleston,
Te Aho Eketone-Whitu, Taika Waititi. 87 Min. 35mm. OmU

Boy wächst mit seinem Bruder und einer Handvoll Cousins bei seiner Tante an der Ostküste Neuseelands auf. Tagsüber fantasiert er von seinem abwesenden Vater, den er sich als Kriegshelden vorstellt, nachts träumt er von dem Mädchen Chardonnay, die er mit Tanzeinlagen umwirbt. Als sein Vater aus dem Gefängnis entlassen wird, muss Boy sich der Realität stellen. Taika Waititi beeindruckt in BOY durch seine gestalterische Kraft und den spielerischen Umgang mit seinen Sujets. Er schrieb das Drehbuch, führte Regie und spielte Boys Vater.

Samstag, 06.10.2012
20:30 Uhr

Vorfilm:
TAMA TU
NZ 2004, R: Taika Waititi
17 Min., 35mm, o.D.

ONCE WERE WARRIORS Die Kriegerin

Neuseeland 1994. R: Lee Tamahori. D: Rena Owen,
Temuera Morrison, Mamaengaora Kerr-Bell. 102 Min. 35mm. OmU

Lee Tamahori verfilmte mit ONCE WERE WARRIORS den Debütroman von Alan Duff und kombinierte dabei schonungslosen sozialen Realismus mit schnellen Schnittfolgen und Rapmusik. Der Film galt als Wagnis und wurde zum überwältigenden internationalen Erfolg. Erstmals wurden Themen wie häusliche Gewalt und Kriminalität in urbanen Maori-Slums filmisch verhandelt. Trotz der zunehmenden Gewalt ihres Mannes versucht Beth, die Familie zusammenzuhalten. Erst als ihre Tochter Opfer der Aggressivität in der Familie wird, zieht Beth Konsequenzen und besinnt sich auf ihre Wurzeln.

Sonntag, 07.10.2012
20:00 Uhr

Zu Gast:
Autor Alan Duff (angefragt)

2. TEIL: KLASSIKER DES NEUSEELÄNDISCHEN FILMARCHIVS

 

RUNAWAY

Neuseeland 1964. R: John O’Shea. D: Colin Broadley,
Nadja Regin, Deidre McCaron, Kiri Te Kanawa. 102 Min. Digital. OF

Der Regisseur John O’Shea prägte das neuseeländische Filmschaffen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner unabhängigen Firma Pacific Films. Neben zahlreichen Dokumentationen drehte er drei Spielfilme. In seinem visuell bestechenden Drama RUNAWAY erzählt er die Geschichte des jugendlichen Rebellen David, der von seinem Leben angeödet ist. Zunächst verschlägt es ihn in den Norden Neuseelands, wo er eine wohlhabende Frau kennenlernt. Nach einem Streit mit ihr klaut er ihr Auto und flüchtet vor der Polizei in den Süden. „Eine Alptraum-Jagd durch die landschaftliche Pracht eines wilden Kontinents“ lautete die Werbeschlagzeile beim Kinostart.

Donnerstag, 11.10.2012
18:00 Uhr
Einführung:
Diane Pivac

Dienstag, 23.10.2012
20:30 Uhr

Vorfilm:
BOWL ME OVER

NZ 1995
R: Lissa Mitchell
5 Min.

FORGOTTEN SILVER

Neuseeland 1995. R: Peter Jackson, Costa Botes.
D: Thomas Robins, Jeffrery Thomas. 53 Min. BluRay. OF

FORGOTTEN SILVER war der verschmitzt-ironische Beitrag von Peter Jackson und Costa Botes zum 100. Jubiläumsjahr des Kinos. Die Regisseure erfanden die Biografie eines Filmbesessenen, des neuseeländischen Filmpioniers Colin McKenzie. Vom Bau der ersten Filmkamera im Alter von zwölf Jahren über die erste Kamerafahrt und das erste Tonfilmverfahren bis hin zu dem nie fertig gestellten Monumentalwerk SALOME reichen die Lebensstationen des in Vergessenheit geratenen Künstlers. Jackson und Botes zeigen Filmausschnitte aus SALOME, führen die Zuschauer zu angeblichen Originalschauplätzen und reichern die „Archivmaterialien“ mit Zeitzeugenaussagen an.

Freitag, 12.10.2012
20:30 Uhr
Einführung:
Diane Pivac

Sonntag, 28.10.2012
18:00 Uhr

Vorfilme:
Coasts of New Zealand
1910, Pathé Frères
The Birth of New Zealand
1922, R: Ted Coubray
Inkster, Family Picnic & Portraits (1928)
Jack Welsh Sound System Test
(1930)
Rainbow Dance
1936, R: Len Lye

GOODBYE PORKPIE

Neuseeland 1981.
R: Geoff Murphy. 105 Min. DCP. OF

Das turbulent und humorvoll inszenierte Roadmovie war einer der ersten großen internationalen Erfolge aus der neuseeländischen Filmwirtschaft. Der frustrierte Teenager Gerry Austin findet einen Führerschein und benutzt diesen, um sich einen gelben Mini zu mieten. Zusammen mit dem mittellosen John macht er sich auf die Suche nach dessen durchgebrannter Frau. Als sie an einer Tankstelle unbeabsichtigt vergessen zu bezahlen, sind sie zu allem Überfluss auf der Flucht vor der Polizei. Die Anhalterin Shirl macht das Trio komplett, das von nun an weiter Tankstellen prellt und immer mehr Teile des Minis verkauft.

Sonntag, 14.10.2012
18:00 Uhr
Einführung:
Diane Pivac

Dienstag, 30.10.2012
20:30 Uhr

Vorfilm:
TWO CARS, ONE NIGHT
Neuseeland 2003
R: Taika Waititi
11 Min.

SLEEPING DOGS

Neuseeland 1977. R: Roger Donaldson.
D: Sam Neill, Ian Mune, Warren Oates. 103 Min. Digital. OF

Roger Donaldson war maßgeblich am Aufbau der neuseeländischen Filmindustrie und der Gründung der dortigen Film Commission beteiligt. Sein Filmdebüt, der 1977 produzierte Thriller SLEEPING DOGS, war nach 15 Jahren einer der ersten Spielfilme, der in Neuseeland gedreht wurde. Der Film basiert auf der klassischen Novelle Smith’s Dream von C. K. Stead. Smith, der sich nach dem Scheitern seiner Ehe auf die Coromandel-Halbinsel zurückgezogen hat, gerät zwischen die Fronten einer Antiterror-Einheit der Polizei und einer gewalttätigen Guerillabande, die versucht, Smith für sich zu gewinnen.

Dienstag, 16.10.2012
20:30 Uhr
Einführung:
Diane Pivac

Donnerstag, 25.10.2012
18:00 Uhr

Vorfilm:
THE MAKING OF SLEEPING DOGS
Neuseeland 1977

PATU!

Neuseeland 1983. R: Merata Mita.
Dokumentarfilm. 113 Min. Digital. OF

PATU! ist ein mutiger Dokumentarfilm über die Tournee der südafrikanischen Rugby-Nationalmannschaft 1981 durch Neuseeland. Das Ereignis führte zu heftigen Auseinandersetzungen und spaltete die Nation. Während viele Neuseeländer die Tour als Propaganda-Veranstaltung des weißen Apartheid-Regimes in Südafrika verurteilten und auf die eigene koloniale Vergangenheit hinwiesen, war der Staat entschlossen, die Tour stattfinden zu lassen. Es kam zu Protestkundgebungen und Straßenschlachten. Die Maori-Filmemacherin Merata Mita versteht ihre Werke als moderne Möglichkeit, die mündliche Überlieferungstradition weiterzuführen und Position zu beziehen.

Donnerstag, 18.10.2012
17:30 Uhr
Mit Einführung

NGATI

Neuseeland 1987. R: Barry Barclay.
D: Wi Kuki Kaa, Judy Mcintos, Rose Girven. 88 Min. Digital. OF

NGATI spielt im Jahr 1948 in der kleinen Maori-Gemeinde Kapua im Osten Neuseelands. Als der junge Australier Greg den Ort besucht, wird er mit einer multikulturellen Gesellschaft im sozialen Umbruch konfrontiert. Die Eltern des todkranken Jungen Ropata müssen sich entscheiden, ob sie ihren Sohn modernen Ärzten oder der traditionellen Maori-Medizin anvertrauen. NGATI ist der erste neuseeländische Film, der hauptsächlich mit Maori besetzt war. Barry Barclay blickt mit einem dokumentarisch forschenden, verständnisvollen Blick auf die kleine Gemeinde, die um ihr kulturelles Erbe und ihre Identität ringt.

Freitag, 19.10.2012
20:30 Uhr
Einführung:
Diane Pivac

Freitag, 26.10.2012
20:30 Uhr

Vorfilm:
O TAMAITI
Neuseeland 1996
R: Sima Urale
14 Min.

STUMMFILM-MATINEE

THE BUSH CINDERELLA

Neuseeland 1928. R: Rudall Hayward.
D: Dale Austen, Walter Gray. 85 Min. OF

Der vierte und letzte Stummfilm des Kinopioniers Rudall Hayward schildert die Probleme und Sorgen einer armen Familie um die Jahrhundertwende. Das verwaiste Mädchen Mary wächst bei einer Familie im Hinterland Neuseelands auf. Als die junge Frau das Erbe ihres reichen Großonkels Andrew antreten soll, der Marys Mutter damals verstoßen hatte, versuchen dessen Rechtsanwälte dies mit allen Mitteln zu verhindern. Rudall Hayward konnte für THE BUSH CINDERELLA den ersten neuseeländischen Filmstar, Dale Austen, gewinnen, die gerade aus Hollywood zurückgekehrt war.

Sonntag, 21.10.2012
11:00 Uhr
Einführung:
Diane Pivac
Mit Klavierbegleitung

Vorfilm:
THE ROMANCE OF HINE-MOA (Fragment)
Neuseeland 1927
R: Gustav Pauli
11 Min.

WAR STORIES OUR MOTHERS NEVER TOLD US

Neuseeland 1995. R: Gaylene Preston.
Dokumentarfilm. 92 Min. Digital. OF

Dokumentarfilm über sieben Frauen zwischen 70 und 80 Jahren, die von ihrem Leben während des Zweiten Weltkrieges erzählen. Auf neuseeländischem Boden fanden keine Kämpfe statt, die männliche Bevölkerung zog als Teil des Britischen Commonwealth an die Front. Die Frauen erzählen von ihren Ehemännern und Affären, vom Verlust geliebter Menschen, von der Erfahrung, alleine für ihre Familien sorgen zu müssen und von der Rückkehr der traumatisierten Soldaten. Bilder aus ihren Fotoalben und Ausschnitte aus zeitgenössischen Nachrichtensendungen ergänzen die Erinnerungen.

Sonntag, 21.10.2012
18:00 Uhr

Vorfilm:
DEAD LETTERS
Neuseeland 2006
R: Paolo Rotondo
13 Min.

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