DAS SPIEL MIT DER REALITÄT – Teil 2

SpielmitRealitaet

Zwischen glaubwürdiger Fiktion und illusorischem Dokument

Die im Februar begonnene Programmreihe „Das Spiel mit der Realität“ lotet das Spannungsverhältnis zweier Gattungen aus, deren Zugang zur Wahrheit sich eigentlich klar unterscheidet: Während Dokumentarfilme den Anspruch erheben, Wirklichkeit abzubilden, erzeugt der Spielfilm eine Fiktion und greift dabei auf eine dem Sujet gemäße Bildsprache und Dramaturgie zurück. Dank zahlreicher neuer filmischer Ausdrucksmöglichkeiten werden die Übergänge zwischen Fakt und Fiktion, Realitätsabbild und Inszenierung jedoch immer fließender. Die Fortsetzung der Reihe präsentiert weitere Beispiele für gestellte Dokumentationen, die den fiktiven Erzählungen geschickt den Anstrich faktischer Glaubwürdigkeit geben, und Dokumentationen, die sich erst auf den zweiten Blick als Spielfilm entpuppen.

BOB ROBERTS

USA/Großbritannien 1992. R: Tim Robbins
D: Tim Robbins, Giancarlo Esposito, Alan Rickman. 102 Min. 35mm. OmU

bob

Bob Roberts verhilft der neuen Rechten in den USA zu einer Renaissance. Dem reichen Unternehmer, Folksinger und Politiker, der seine Parolen hinter charmantem Erzkonservativismus verpackt, ist jedes Mittel Recht, um Gegner anzuschwärzen. Als er mit Waffenschmuggel und Korruption in Verbindung gebracht wird, bekommt seine blütenweiße Weste Flecken. Mit seinem Debüt, einer feinsinnigen Fingerübung, bewies Tim Robbins erstaunliche politische Weitsicht.

Donnerstag, 02.03.2017
20:30 Uhr

Freitag, 03.03.2017
18:00 Uhr

Vorfilm VATERLANDSLIEBE (Deutschland 2011. R: Nico Sommer. 21 Min. Digital)

C’EST ARRIVÉ PRÈS DE CHEZ VOUS  Mann beißt Hund

Belgien 1992. R: Rémy Belvaux, André Bonzel, Benoît Poelvoorde
D: Benoît Poelvoorde, Jacqueline Poelvoorde-Pappaert, Nelly Pappaert 95 Min. 35mm. OmU

hund

Benoît lebt in den Tag hinein und verdient sich sein Geld durch Raubzüge oder brutale Morde. Das wäre schon schlimm genug, wären da nicht jene Männer, die ihm bei seinen Taten permanent über die Schulter schauen. Dabei werden die jungen Dokumentarfilmer zu Komplizen, die wortwörtlich über Leichen gehen, um all das festzuhalten, was Benoît so treibt. Die Mockumentary reflektiert nicht allein mediale Sensationsgier, Gewaltgeilheit und Voyeurismus. Sie führt auch den Anspruch des Dokumentarfilmgenres auf Authentizität ad absurdum, den sie in dieser zugespitzten Form als Inszenierungsmechanismus demaskiert.

Samstag, 04.03.2017
20:30 Uhr

Vorfilm ILHA DAS FLORES Insel der Blumen (Brasilien 1989. R: Jorge Furtado. 13 Min. Digital. DF)

EXIT THROUGH THE GIFT SHOP

Großbritannien 2010. R: Banksy
D: Banksy, Space Invader, Mr. Brainwash. 87 Min. DCP. OmU

banksy

Die Werke des Street-Artists Banksy erzielen in Auktionen Höchstpreise. Niemand weiß jedoch, wer sich hinter dem Phantom verbirgt. Also macht sich ein französischer Hobbyfilmer daran, einen Film über den Guerilla- Künstler zu drehen. Dessen Regiestil ist allerdings so dilettantisch, dass Banksy kurzerhand selbst das Projekt übernimmt. Perfide Inszenierung oder geradezu satirische Wendung des Schicksals? Während der Zuschauer sich fragt, wer hier wen filmt, wirft Banksys Regiedebüt, angesiedelt irgendwo zwischen unterhaltsamem Szeneporträt und Abrechnung mit dem Kunstbetrieb, Fragen nach der Realität im Dokumentarfilm auf.

Sonntag 05.03.2017
20:30 Uhr

Vorfilm THE CENTRIFUGE BRAIN PROJECT (Deutschland 2012. R: Till Nowak. 7 Min. 35mm. OF)

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