CARTE BLANCHE: STANLEY KUBRICK – Juni 2017

Eine Filmreihe von und mit Jan Harlan

houston

Stanley Kubrick zählt zu den bedeutendsten Regisseuren aller Zeiten. Viele seiner Filme gelten als zeitlose Klassiker. Doch welche Filme haben ihm  selbst am meisten bedeutet und sein Schaffen geprägt?

Niemand weiß das besser als sein Schwager Jan Harlan (im Titelbild links), zugleich ausführender Produzent gemeinsamer Werke wie BARRY LYNDON (GB 1975), THE SHINING (GB/US 1980) und zuletzt EYES WIDE SHUT (GB/US 1999). Für das Kino des Deutschen Filmmuseums stellte Harlan nun diese Carte blanche-Reihe zusammen, die Kubricks Interessen am Kino widerspiegelt: darunter Josef von Sternbergs DER BLAUE ENGEL (DE 1930), Andrei Tarkowskis OFFRET (SE/GB/FR 1986) und Federico Fellinis LA STRADA (IT 1954). Bedeutsam für die filmische Rezeption der Regielegende waren auch die Reitzsche HEIMAT und Kieślowskis DEKALOG.

Seit 2004 ist das Deutsche Filmmuseum Stanley Kubrick eng verbunden. Die in Frankfurt entstandene Ausstellung über sein Schaffen tourt bis heute um den Globus und ist aktuell in Mexico City zu sehen. Jan Harlan, der im Mai seinen 80. Geburtstag feierte, wird am 2. Juni persönlich zu Gast sein und in einem Gespräch seine Filmauswahl zur Carte blanche erläutern. Im Anschluss präsentiert er seinen aufschlussreichen Dokumentarfilm STANLEY KUBRICK: A LIFE IN PICTURES, der kurz nach Kubricks überraschendem Tod 1999 entstanden ist.

Video Mitschnitte der Gepräche mit Jan Harlan sind hier zu finden.

DER BLAUE ENGEL

Deutschland 1930. R: Josef von Sternberg
D: Emil Jannings, Marlene Dietrich, Hans Albers. 106 Min. 35mm

Professor Rath hat den Ruf eines ungerechten Pedanten, was ihm den  Spitznamen „Un-Rath“ einbringt. Als er im Klassenzimmer ein Bild des  Nachtclubs „Der blaue Engel“ entdeckt, wittert er sittenwidriges Verhalten. Auf eigene Faust begibt er sich in das Lokal, in dem er eine Sängerin  namens Lola trifft. Der Professor verfällt der lasziven Dame, verliert seine  Anstellung und muss sich nach der Heirat als Clown auf Lolas Tournee  verdingen – bis es schließlich in Raths Heimatstadt zum Eklat kommt. Durch die Heinrich-Mann-Verfilmung avancierte Marlene Dietrich zum  Weltstar.

Donnerstag, 01.06.2017
18:00 Uhr

Sonntag, 04.06.2017
18:00 Uhr

DEKALOG, JEDEN Dekalog, Eins

Polen/Deutschland 1990. R: Krzysztof Kieślowski
D: Maja Komorowska. Henryk Baranowski. 57 Min. Blu-ray. OmeU

Der tödliche Unfall seines elfjährigen Sohnes Pawel, der beim  Schlittschuhlaufen in jenem See ertrank, erschüttert den Glauben des  Linguisten Krzysztof in die Allmacht der Wissenschaft. Kurz zuvor hatte er die Eisdicke am Computer berechnet. In einer zehnteiligen TV-Serie interpretierte Kieślowski die zehn Gebote. Jan Harlan wünschte sich  DEKALOG, EINS, eine Thematisierung des Ersten Gebots: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Kubrick lobte DEKALOG in einem Vorwort zu Kieślowskis Drehbüchern: „You never see the ideas coming and don’t realize until much later how profoundly they have reached your heart.“

Freitag, 02.06.2017
18:00 Uhr
Filmbeginn:
ca. 19:00 Uhr

Vor dem Film
spricht Urs Spörri (Deutsches Filmmuseum) mit Jan Harlan über die Filmauswahl zur Carte blanche.

STANLEY KUBRICK: A LIFE IN PICTURES Stanley Kubrick: Ein Leben für den Film

USA 2001. R: Jan Harlan
Dokumentarfilm. 142 Min. Blu-Ray. OmU

Kurz nach Stanley Kubricks überraschendem Tod begann Jan Harlan, Schwager und ausführender Produzent Kubricks, mit der Arbeit an diesem Dokumentarfilm. Wie entstanden die zeitlosen Klassiker des Filmemachers? Was hatte es mit seinen nie realisierten Projekten über Napoleon oder den Holocaust auf sich? Zu Wort kommen zahlreiche Wegbegleiter wie Woody Allen, Martin Scorsese, Jack Nicholson und Steven Spielberg, auch bis dato unbekannte Fotos und Filmaufnahmen werden integriert. Den Kommentar spricht Tom Cruise, der Hauptdarsteller von Kubricks letztem Werk EYES WIDE SHUT.

Freitag, 02.06.2017
20:30 Uhr

Zu Gast: Jan Harlan

 

OFFRET Opfer

Schweden/Großbritannien/Frankreich 1987. R: Andrej Tarkowski
D: Erland Josephson, Susan Fleetwood. 149 Min. 35mm. OmU

Im Familien- und Freundeskreis feiert der ehemalige Schauspieler  Alexander den 50. Geburtstag in seinem einsamen Haus an der Küste. Die Radionachricht einer drohenden atomaren Katastrophe sprengt die  Feierlichkeiten. Alexander sieht nur den Ausweg: Er will sich Gott als Opfer anbieten und sucht eine in der Nähe lebende Hexe auf. OFFRET war Andrei Tarkowskis letzter Film. Die Uraufführung in Cannes fand einen Monat nach der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl statt, was seinen Regiekollegen Ingmar Bergman zu dem Urteil kommen ließ: „Wenn der Film nicht Dokument ist, ist er Traum. Darum ist Tarkowski der Größte. […] Er ist ein Seher.“

Montag, 05.06.2017
17:45 Uhr

Sonntag, 11.06.2017
20:30 Uhr

SMULTRONSTÄLLET Wilde Erdbeeren

Schweden 1957. R: Ingmar Bergman
D: Victor Sjöström, Bibi Andersson, Ingrid Thulin. 91 Min. Blu-ray. OmU

Der griesgrämige Professor Isak Borg soll zum 50. Jahrestag seiner Promotion im schwedischen Lund geehrt werden. Für den Eigenbrötler gibt es schönere Anlässe, dennoch beschließt er, an der Ehrung teilzunehmen. Die lange Autofahrt mit seiner Schwiegertochter Marianne entwickelt sich äußerst turbulent, der Kreis der Mitfahrer/innen wird  größer und größer. Durch diverse Zwischenstopps und Begegnungen wird Isak immer wieder mit beängstigend realen Erinnerungen an seine Jugend und Todesträumen konfrontiert. Der letzte Film mit Victor Sjöström wurde 1958 mit dem Goldenen Bären und 1960 mit dem Golden Globe ausgezeichnet.

Donnerstag, 08.06.2017
18:30 Uhr

LE DÉCLIN DE L’EMPIRE AMÉRICAIN Der Untergang des amerikanischen Imperiums

Kanada 1986. R: Denys Arcand
D: Dominique Michel, Dorothée Berryman, Louise Portal. 101 Min. 35 Min. frz. Omd/eU

Acht Freunde treffen sich in einem Landhaus an einem idyllischen See. Die vier Männer, Akademiker an der Universität von Montreal, und ihre Frauen beginnen zu plaudern und sich offen über ihre sexuellen Erfahrungen auszutauschen. Familienvater Rémy versucht Pierre mit seinen Bettgeschichten zu übertrumpfen. Der homosexuelle Claude leidet unter einer Krankheit. Die erfolgreiche Dominique ist einsam und  frustriert, hat aber schon mit zwei Anwesenden geschlafen. Beim  gemeinsamen Abendessen eskaliert die Situation. Der Starkritiker Roger Ebert lobte Arcands Komödie als „weise, tiefgründig, schmerzlich und wortreich.“

Freitag, 09.06.2017
20:30 Uhr

Dienstag, 13.06.2017
20:45 Uhr

 

LA GRANDE ILLUSION Die große Illusion

Frankreich 1937. R: Jean Renoir
D: Jean Gabin, Erich von Stroheim. 110 Min. DCP. OmU

Während des Ersten Weltkriegs geraten drei französische Flieger, ein Aristokrat, ein Proletarier und ein Jude, in deutsche Gefangenschaft. Während sich zwischen dem Adeligen und einem deutschen Offizier so etwas wie Freundschaft entwickelt, versuchen die anderen beiden, aus dem Lager zu fliehen. In diesem Drama erteilt Jean Renoir Nationalismus, Rassismus, Krieg und Klassenunterschieden eine klare Absage. In  Frankreich wurde der Film wegen der Freundschaft zwischen den französischen und deutschen Offizieren in der Zensur stark gekürzt. Im Dritten Reich wurde er aufgrund des dargestellten Pazifismus gar verboten.

Freitag, 23.06.2017
18:00 Uhr

 

LA STRADA Das Lied der Straße

Italien 1954. R: Federico Fellini
D: Giulietta Masina, Anthony Quinn, Richard Basehart. 108 Min. DCP. OmeU

Anthony Quinn gibt den „großen Zampanò“, einen Jahrmarktgaukler, der  Ketten mit bloßer Muskelkraft sprengen und Feuer schlucken kann. Gelsomina, ein liebenswertes und einfältig-naives Mädchen, wird seine Assistentin und tingelt mit ihm durch Italien. Seinen Wutanfällen ist sie hilflos ausgeliefert, bis der Seiltänzer Matto ihr mit Respekt und Verständnis begegnet. Zwischen den beiden Artisten kommt es zum Eklat. Fellinis Klassiker wurde mit einem Oscar® als Bester Fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Die digital restaurierte Fassung von LA STRADA feierte im Mai 2017 Weltpremiere in Großbritannien.

Sonntag, 25.06.2017
20:30 Uhr

Dienstag, 27.06.2017
20:45Uhr

 

SPECIAL

HEIMAT. EINE DEUTSCHE CHRONIK

Deutschland 1982-84. R: Edgar Reitz
Neu restaurierte Fassung und Director’s Cut. Frankfurt-Premiere

Es war eines der größten Fernsehereignisse in der Geschichte der Bundesrepublik: Am 16. September 1984 strahlte die ARD den ersten Teil von HEIMAT. EINE DEUTSCHE CHRONIK aus.  Jede/r Zweite in Westdeutschland sah zumindest ein Kapitel der wöchentlich ausgestrahlten Jahrhundert-Saga, die mit Preisen von der Biennale in Venedig bis zur Goldenen Kamera ausgezeichnet wurde. Regisseur Edgar Reitz und Produzent Bernd Eichinger erzählen darin die berührende Geschichte der Familie Simon im fiktiven Hunsrückdorf Schabbach. Im Mittelpunkt steht die Bürgermeister-Tochter Maria, deren Schicksal eng mit den politischen Geschehnissen jener Zeit verbunden ist. Zeitgeschichtliche Ereignisse werden mit dem persönlichen Schicksal der Familie verwoben. Auf einfühlsame Weise portraitieren die Filme, die übrigens auch unabhängig voneinander funktionieren, das Leben in Schabbach von 1919 bis zu Marias Tod im Jahr 1982. Edgar Reitz hat sein Epos aufwändig restauriert und in einem Director’s Cut neu angeordnet, in nun sieben Kapiteln. Das Kino des Deutschen Filmmuseums zeigt das Werk ein Wochenende lang  vom 30. Juni bis 2. Juli – als Frankfurt-Premiere der restaurierten Fassung.

„Wenn Film einmal den Stellenwert von Literatur hat, dann wird HEIMAT von Edgar Reitz in einem Atemzug mit Shakespeares Hamlet und Goethes Faust genannt werden.“ — Stanley Kubrick

Dauerkarten
für alle 7 Vorstellungen zum Preis von 35 Euro / 25 Euro ermäßigt. Regulärer Eintrittspreis pro Vorstellung: 7 Euro / 5 Euro ermäßigt.

 

1. Kapitel: FERNWEH (1919-1928)

D: Marita Breuer, Gertrud Bredel, Willi Burger. 120 Min. DCP

Als Maria den aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrten Schmiedesohn  Paul Simon heiratet, glaubt sie, ihr Glück gefunden zu haben. Sie gründen  eine Familie und bekommen zwei Kinder. Doch eines Tages verschwindet Paul ohne ein Wort.

Freitag, 30.06.2017
18:00 Uhr

2. Kapitel: DIE MITTE DER WELT (1929-1933)

D: Marita Breuer, Gertrud Bredel, Willi Burger. 90 Min. DCP

Maria wartet vergeblich auf den verschollenen Paul. Währenddessen bricht eine neue Zeit an: Hitlers NS- Herrschaft zieht ihre Kreise bis ins Hunsrückdorf Schab- bach. Marias Bruder Wilfried schließt sich der SS an, ihr Cousin hingegen wird als KPD-Mann verhaftet.

Freitag, 30.06.2017
20:30 Uhr

3. Kapitel: WEIHNACHT WIE NOCH NIE / REICHSHÖHENSTRASSE (1935-1938)

D: Marita Breuer, Eva Maria Bayerwaltes, Jörg Hube. 114 Min. DCP

Samstag, 01.07.2017
15:00 Uhr

4. Kapitel: AUF UND DAVON UND ZURÜCK / HEIMATFRONT
(1938-1943)

D: Marita Breuer, Sabine Wagner, Karin Rasenack. 113 Min. DCP

Samstag, 01.07.2017
17:30 Uhr

5. Kapitel: DIE LIEBE DER SOLDATEN / DER AMERIKANER
(1943-1947)

D: Marita Breuer, Dieter Schaad, Gudrun Landgrebe. 156 Min. DCP

Samstag, 01.07.2017
20:00 Uhr

6. KAPITEL: HERMÄNNCHEN (1955-1956)

D: Marita Breuer, Dieter Schaad, Gudrun Landgrebe. 156 Min. DCP

Sonntag, 02.07.2017
17:00 Uhr

7. KAPITEL: DIE STOLZEN JAHRE / DAS FEST DER LEBENDEN UND DER TOTEN (1967-1982)

D: Marita Breuer, Mathias Kniesbeck, Bernd Eichinger. 158 Min. DCP

Sonntag, 02.07.2017
20:00 Uhr

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