CARTE BLANCHE: DOMINIK GRAF

dominik graf

Wie kaum ein anderer Filmemacher in Deutschland versteht es Dominik Graf, Kino im Fernsehen zu machen. Seine Werke beeinflussen die deutsche Film- und Fernsehlandschaft nachhaltig. Seit 1975 dreht Graf Filme und begeistert seine Zuschauer, zuletzt etwa mit KOMM MIR NICHT NACH (2011), dem gefeierten Part der Dreileben-Trilogie, die er gemeinsam mit Christian Petzold und Christoph Hochhäusler realisierte, oder mit spannenden Thrillern wie dem überaus erfolgreichen Film DIE KATZE (1988).

Mehr

1952 in München geboren, beschäftigte sich Dominik Graf als Sohn des Schauspieler-Ehepaars Selma Urfer und Robert Graf bereits früh mit dem Medium Film. Er studierte von 1974 bis 1980 an der Hochschule für Film und Fernsehen in München (HFF) und erhielt für seinen Abschlussfilm 1980 den Bayerischen Filmpreis für die beste Nachwuchsregie. Es folgten zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Deutsche und der Bayerische Fernsehpreis sowie insgesamt zehn Grimme-Preise.

Das Deutsche Filmmuseum ehrt Dominik Graf mit einer Carte Blanche. Die Wunschfilmreihe beinhaltet neun von ihm ausgewählte Filme, die diesen außergewöhnlichen Regisseur nachhaltig geprägt und beeinflusst haben. Am Samstag, 4. August, ist Graf im Kino zu Gast und stellt Zbynek Brynchys DIE NACHT VON LISSABON (1969) vor. Vor jedem weiteren Film begründet Dominik Graf in einer kurzen Videobotschaft, warum er sich für dieses Werk entschieden hat.

Kinobesucher, die fünf der Carte-Blanche-Filme besuchen, erwartet ein exklusives Geschenk: Der von Dominik Graf persönlich signierte Kunstdruck zeigt den Regisseur „hinter den Kulissen“ bei seiner Arbeit.

ROCKER

Deutschland 1972. R: Klaus Lemke.
D: Hans-Jürgen Modschiedler, Gerd Kruskopf. 85 Min. Digital.

rocker_571

Nach seinen frühen Arbeiten als Vertreter der „Neuen Münchener Gruppe“, die Howard Hawks und Jean-Luc Godard zu ihren Vorbildern erklärte, wandte sich Klaus Lemke einer völlig konträren Art des Filmemachens zu: In seinem vom ZDF produzierten Film ROCKER spielen ausschließlich Laiendarsteller an Originalschauplätzen im Hamburger Kiez. Rockermilieu, Beziehungskisten, krumme Dinger und mittendrin der 15-jährige Mark, der sich schnell vom „kleinen Bruder“ zum Nachwuchsrocker mausert. Als Dominik Graf den Film kurz vor dem Abitur zum ersten Mal sah, packte ihn „diese andere Art deutscher Wirklichkeit, eine Welt voller Wahnsinn und endloser Sehnsucht.“

Mittwoch, 01.08.2012
20:30 Uhr

Sonntag, 26.08.2012
20:30 Uhr

Dominik Graf erklärt, warum er diesen Film ausgewählt hat

OPFERGANG

Deutschland 1944. R: Veit Harlan.
D: Carl Raddatz, Kristina Söderbaum. 89 Min. 35mm

opfergang_571

Nach drei Jahren auf Weltreise kehrt Albrecht zum Anwesen seiner Familie an der Elbe zurück. Dort ist seine bürgerliche Zukunft schon vorgezeichnet – er soll nach dem Willen der Familie seine Cousine Octavia heiraten. Dann begegnet er in der Nachbarvilla der nordischen Schönheit Aels Flodéen, die sich unglücklich in Albrecht verliebt. „Achtung, Nazifilmkunst!“, warnt Dominik Graf, und doch bittet er „um Gnade für diesen Film“, der unter anderem mit seinem faszinierenden Farbenspiel „eine Kunsthöhe erreicht, die wir im deutschen Film seither nicht toppen konnten“. Kristina Söderbaum schwärmte stets von der Aels als ihrer Lieblingsrolle.

Freitag, 03.08.2012
18:00 Uhr

Mittwoch, 08.08.2012
20:30 Uhr

Dominik Graf erklärt, warum er diesen Film ausgewählt hat

DIE NACHT VON LISSABON

Deutschland 1971. R: Zbynek Brynych.
D: Martin Benrath, Erika Pluhar, Vadim Glowna. 110 Min. Digital

die_nacht_von_lissabon_571

Im Jahr 1942 stirbt eine Frau in einem Hotel in Lissabon. Ihr Mann geht daraufhin zum Hafen, wo er einem Exilsuchenden seine Fahrkarte für ein Schiff nach Amerika anbietet. Im Gegenzug soll dieser eine Nacht lang seine Lebensgeschichte anhören: eine Geschichte, die 1933 mit der Ausreise aus Deutschland beginnt und 1939 erneut ansetzt, als er nach Nazi-Deutschland zurückkehrt, um seine geliebte Frau Helen wiederzusehen und mit ihr zu fliehen. Im Februar 2012 beschrieb Dominik Graf in der FAZ diese Remarque-Verfilmung des tschechischen Regisseurs Zbynek Brynych als Meilenstein deutschen Fernsehschaffens.

Samstag, 04.08.2012
20:00 Uhr

In Anwesenheit von Dominik Graf, mit Publikumsgespräch

Die Veranstaltung beginnt mit einem Empfang um 19:15 Uhr in der Lounge im 3. Stock

Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.

LOLA MONTEZ

BRD/Frankreich 1956. R: Max Ophüls.
D: Martine Carol, Adolf Wohlbrück, Peter Ustinov. 116 Min. DF

lola_montez_571

Die einst begehrteste Frau Europas, Lola Montez, wird als Attraktion in einem Zirkus zur Schau gestellt. Während sie im Zentrum einer Manege den neugierig-lüsternen Blicken und Fragen des Publikums ausgesetzt ist und ihr bewegtes Leben vor den Zuschauern ausbreitet, erinnert sie sich an ihre glanzvollen Tage: an die Affäre mit dem Komponisten Franz Liszt und ihre schicksalhafte Beziehung mit dem bayerischen König Ludwig I. Für seinen ersten Farbfilm erstellte Max Ophüls ein bis ins Detail durchgeplantes Farb- und Dekorkonzept. Für Dominik Graf gibt es „nichts an diesem Film, was ich nicht lieben würde“.

Freitag, 10.08.2012
18:00 Uhr

Sonntag, 12.08.2012
20:30 Uhr

Dominik Graf erklärt, warum er diesen Film ausgewählt hat

WRITTEN ON THE WIND In den Wind geschrieben

USA 1966. R: DOuglas Sirk.
D: Rock Hudson, Lauren Bacall. 99 Min. 16mm. OF

written_on_the_wind_571

Kyle und seine Schwester Marylee, Kinder des Ölbarons Hadley, sind seit ihrer Kindheit mit Mitch befreundet. Im Gegensatz zu den psychisch labilen Millionärskindern kann Mitch Verantwortung tragen und kümmert sich um sie und das Familienimperium. Der Gefühlsreigen beginnt, als sich der Trinker Kyle, ebenso wie Mitch, in die Sekretärin Lucy verliebt und sie heiratet. Mitch sucht im Ausland Ablenkung von dieser Enttäuschung, während die unglücklich in Mitch verliebte Marylee weiterhin hofft, dass ihre Liebe doch noch erwidert wird. Für Dominik graf ist es „ein bleibendes Wunder“, wie Douglas Sirk immer wieder „Groschengeschichten mit großem Stilbewusstsein in packende Kunstwerke“ verwandelte.

Samstag, 11.08.2012
20:30 Uhr

Mittwoch, 15.08.2012
20:30 Uhr

Dominik Graf erklärt, warum er diesen Film ausgewählt hat

 

DAS INDISCHE GRABMAL

Deutschland 1959. R: Fritz Lang.
D: Debra Paget, Paul Hubschmid. 98 Min. 35mm.

das_indische_grabmal_571

Anfang der 20er Jahre schrieb Fritz Lang mit seiner Frau Thea von Harbou das Drehbuch DAS INDISCHE GRABMAL. Realisieren durfte er den Film damals nicht. Der mächtigere Joe May schnappte ihm das Projekt weg. Dank Artur Brauners Produktionsfirma CCC holte Lang die Inszenierung des Stoffes 1959 nach: Der Maharadscha von Eschnapur will die Untreue seiner Gattin bestrafen und sie einmauern lassen, doch der mit der Konstruktion des Grabmals beauftragte Ingenieur verliebt sich in die Todgeweihte. Als Höhepunkt des erfolgreichen Films galt bei den Zeitgenossen ein Ritualtanz von Debra Paget, den auch Dominik Graf „als ziemlich unterhaltsam“ lobt.

Freitag, 17.08.2012
18:00 Uhr

Sonntag, 19.08.2012
20:30 Uhr

Dominik Graf erklärt, warum er diesen Film ausgewählt hat

 

PENETRATION ANGST Penetration Angst – Fick mich und du bist tot

Großbritannien 2003. R: Wolfgang Büld.
D: Fiona Horsey, Paul Conway. 103 Min. DigiBeta. OmU

penetration_angst_571

Nachdem Helen vergewaltigt wurde, lässt sie sich von einem Gynäkologen untersuchen. Doch auch der Arzt vergewaltigt sie. Als sie wieder aufwacht, ist der Arzt, wie schon ihr Freund, plötzlich verschwunden, bis auf Kleidung und Kondom. Bald kommt sie dahinter, dass es ihre Vagina ist, die die Männer verschlungen hat und nun nach mehr und mehr Nachschub verlangt. Helen bietet sich deshalb auf den Straßen Londons Männern an, die sich lüstern in ihr eigenes Verderben kopulieren. Eines Tages verliebt sie sich in den Polizisten John. Nur ihre Vagina gefährdet die sonst glückliche Beziehung. Dominik Graf lobt den Humor des Films, „der in seiner C-Picture- Artigkeit von ungeheurer Tiefe ist“.

Samstag, 18.08.2012
20:30 Uhr

Dominik Graf erklärt, warum er diesen Film ausgewählt hat

DAS SCHÖNE ABENTEUER

Deutschland 1959. R: Kurt Hoffmann.
D: Liselotte Pulver, Robert Graf. 102 Min. 35mm

das_schoene_abenteuer_571

Die Englischlehrerin Dorothée Durand wuchs als Waise in Südengland auf. Als sie ein ihr bisher unbekanntes Foto in einem Familienalbum entdeckt, entschließt sie sich zur Reise in die französische Heimat ihres Vaters. In Nîmes verfolgt sie zunächst die Spur des Fotografen, bevor sie in Saint-Ètienne dem Hotelbesitzer Marius begegnet. Der Film von Kurt Hoffmann erfreute das Publikum mit malerischen Reisebildern und dem Charme von Liselotte Pulver. Dominik Grafs Vater Robert zeigt als Marius große Emotionen, etwa als er vor Freude einen Pernod-Krug auf den Boden schmeißt. „Allein dafür bin ich Kurt Hoffmann unendlich dankbar“, so Graf.

Freitag, 24.08.2012
18:00 Uhr

Mittwoch, 29.08.2012
20:30 Uhr

Dominik Graf erklärt, warum er diesen Film ausgewählt hat

Double Feature: DER KOMMISSAR: DIE SCHRECKLICHEN & PARKPLATZHYÄNEN

Deutschland 1969. R: Zbynek Brynych.
D: Erik Ode, Fritz Wepper, Anita Höfer. 2×57 Min. Digital

Die_Schrecklichen_571

In seinen Jahren in der BRD war Zbynek Brynych ein vielbeschäftigter Fernsehregisseur. Die von ihm inszenierten Folgen der ZDF-Reihe DER KOMMISSAR sind bis heute für ihre Unkonventionalität bekannt und spalteten bei der Uraufführung die Serienfans. Dies verdankt sich etwa der ausgeprägten Vorliebe Brynychs für den Hintergrund seiner Geschichten, im Fall von DIE SCHRECKLICHEN für die 68er-Bewegung und das finstere Milieu des Münchner Stadtteils Untergiesing. „Sinn und Spaß“ seien erst mit Brynych in das deutsche Leben jener Zeit eingezogen, urteilt Dominik Graf, der von „Bilderräuschen und psychedelischen Schwenks über Münchner Hinterhöfe, fröhliche Huren und Hauswartsgesichter“ schwärmt.

Samstag, 25.08.2012
20:30 Uhr

Freitag, 31.08.2012
18:300 Uhr

Dominik Graf erklärt, warum er diesen Film ausgewählt hat

Newsletter abonnieren!
© 2016 Deutsches Filminstitut, Schaumainkai 41, 60596 Frankfurt am Main